Dominik Blum über Minderjährige bei der Bundeswehr

Keine Kindersoldaten

Aktualisiert am 16.11.2016  –  Lesedauer: 
Standpunkt

Bonn ‐ Dominik Blum über Minderjährige bei der Bundeswehr

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Ja, das ist tatsächlich ein himmelschreiender Skandal. Weltweit werden mehr als 250.000 Kinder ab neun Jahren als Kindersoldaten missbraucht. Sie kämpfen und töten und werden selbst umgebracht. Sie foltern und werden selbst missbraucht und gequält. Sie bekommen Drogen und Alkohol und werden, wenn sie überleben, psychisch zutiefst traumatisierte Erwachsene. Gegen dieses grauenhafte Unrecht kämpft nicht nur das Deutsche Bündnis Kindersoldaten, zu dem etwa missio und Unicef gehören. Auch Papst Franziskus ruft dazu auf, sich mit diesem Kindesmissbrauch nicht abzufinden. Er macht das Unrecht zu seinem Gebetsanliegen im Dezember: "Keine Kindersoldaten mehr. Weihnachten überwinde diesen Skandal." Wer wollte sich da nicht anschließen und mitbeten.

Nun war in der vergangenen Woche zu lesen, dass in der Bundeswehr zum Stichtag 1. November über 1.500 minderjährige Soldatinnen und Soldaten beschäftigt sind. Die Welt hatte zuerst von der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Bundestagsfraktion Die Linke berichtet. Deren kinder- und jugendpolitischer Sprecher Norbert Müller sieht auch hier einen "Skandal". Viel Kritik erntete gleichzeitig die Werbekampagne der Bundeswehr auf Youtube. "Die Rekruten" richtet sich ganz offensichtlich an Jugendliche und pimpt die Grundausbildung zum Abenteuercamp auf. Na ja, wer's braucht.

Die Bundeswehr kenne ich nicht von innen. Ich war Zivi und habe im Krankenhaus gedient. Dass meine Jungs mit 17 zu den Streitkräften gehen, wünsche ich mir nicht. Übrigens müsste ich als Vater dazu erst mein Einverständnis geben. Aber von Kindersoldaten bei der Bundeswehr zu sprechen, ist unangemessen. Richtig ist, dass Unicef alle unter 18-jährigen, die an bewaffneten Konflikten beteiligt sind, als Kindersoldaten bezeichnet. Die jugendlichen Soldaten werden aber von Deutschland aus weder in Auslandseinsätze geschickt noch hier zum Wachdienst eingeteilt. Und doch hat die Bundeswehr als demokratisch kontrollierte Armee an keinem ihrer Standorte Schutzkonzepte für Minderjährige oder speziell geschulte Ansprechpersonen für Fälle von sexuellem oder Machtmissbrauch. Beides verlangt die katholische Kirche in Deutschland inzwischen von jeder Pfarrei. Hier sollte die Bundeswehr von der Kirche lernen.

Von Dominik Blum

Der Autor

Dominik Blum leitet das Referat Erwachsenenseelsorge beim Bischöflich Münsterschen Offizialat in Vechta.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.