Ermittlungen gegen Neonazis nach Kirchturmbesetzung
Staatsanwaltschaft ermittelt gegen elf Personen

Ermittlungen gegen Neonazis nach Kirchturmbesetzung

Rechtsextremismus - Nach der Besetzung eines Dortmunder Kirchturms wurden elf Neonazis vorläufig festgenommen. Nun sind sie wieder auf freiem Fuß, doch die Ermittlungen dauern an - und werden sogar noch ausgeweitet.

Dortmund - 18.12.2016

Die nach der Besetzung eines Kirchturms in Dortmund festgenommenen elf Neonazis sind wieder auf freiem Fuß. Das teilte die Dortmunder Polizei am Wochenende mit. Nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft lägen keine Haftgründe vor. Die Ermittlungen würden allerdings "mit aller Konsequenz" fortgeführt und auf die Bereiche "Sachbeschädigung" und "Störung der Religionsausübung" ausgedehnt.

Glockengeläut übertönte Parolen

Die Rechtsextremisten hatten am Freitagabend vorübergehend den Turm der evangelischen Reinoldikirche in der Dortmunder Innenstadt besetzt. Wie das Portal "Der Westen" berichtete, hängten sie ein Transparent mit fremdenfeindlicher Aufschrift über die Brüstung, zündeten Feuerwerkskörper und skandierten Parolen über ein Megafon. Pfarrerin Susanne Karmeier habe daraufhin die Glocken im Turm läuten lassen, um die Neonazis zu übertönen.

Der 112 Meter hohe Reinoldi-Turm steht an Adventsabenden Besuchern offen. Acht der elf später festgenommenen Rechtsextremen zahlten zunächst den Eintritt und stiegen auf die Plattform des Turms, wo sie sich verbarrikadierten. Polizei und Feuerwehr mussten den Zugang gewaltsam öffnen. Unter den sieben im Turm selbst und den drei im Umfeld der Kirche kurzzeitig in Gewahrsam genommenen Personen im Alter zwischen 24 und 61 Jahren soll sich Medienberichten zufolge auch der Ex-Feuerwehrchef von Dortmund befunden haben. Die rechtsextreme Szene in der Ruhrgebietsmetropole sorgt seit Jahren immer wieder für Schlagzeilen. (KNA)

Linktipp: Neonazis besetzen Kirche in Dortmund

Am Freitagabend haben Neonazis eine Kirche am Dortmunder Weihnachtsmarkt besetzt. Die evangelische Stadtkirche reagiert eindeutig auf die extremistische Propagandaaktion.