Kirche übt scharfe Kritik an Trumps Einreiseverbot

Nicht katholisch, nicht amerikanisch

Aktualisiert am 30.01.2017  –  Lesedauer: 
USA

Bonn ‐ Präsident Donald Trump will Bürgern aus mehrheitlich muslimischen Ländern die Einreise in die USA verbieten. Die katholischen Bischöfe und Kardinäle des Landes üben deshalb nun scharfe Kritik.

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Die katholische Kirche in den USA hat scharfe Kritik am verhängten Einreiseverbot für Bürger aus mehrheitlich muslimischen Staaten geübt. Dieses Wochenende habe sich als ein dunkler Moment in der Geschichte der USA erwiesen, heißt es in einem offiziellen Statement des Erzbischofs von Chicago, Kardinal Blase Cupich, vom Sonntag. Der Beschluss, Flüchtlinge abzuweisen, die vor Gewalt, Unterdrückung und Verfolgung flöhen, stehe im Widerspruch zu katholischen und amerikanischen Werten.

Cupich warnt vor Verlust amerikanischer Werte

US-Präsident Donald Trump will die Einreise von Bürgern aus den Staaten Irak, Iran und Sudan sowie aus Syrien, Libyen, Somalia und dem Jemen beschränken. Konkret geht es zunächst um einen 120 Tage-Zeitraum, in dem alle Reisenden aus den genannten Ländern einem Prüfungsverfahren unterzogen werden sollen. Trump wies den Begriff des "Muslim-Banns" und eines Generalverdachts gegen Muslime zur Charakterisierung seines Dekrets allerdings von sich. Es gehe "nicht um Religion", sondern "um Terror und darum, unser Land zu schützen". Ausnahmen solle es für diejenigen Flüchtlinge geben können, die als Christen aus muslimischen Ländern fliehen und dort verfolgt wurden.

Kardinal Cupich beurteilt das Vorgehen Trumps allerdings ganz anders. "Uns wird gesagt, dass es sich hier nicht um den 'Muslim-Bann' handelt, der im Wahlkampf angekündigt wurde, aber die Aktion ist fokussiert auf mehrheitlich muslimische Staaten." Es würde eine Ausnahme für Christen und nicht-muslimische Minderheiten gemacht, aber nicht für Muslime, die flüchteten, um zu überleben. Die Welt beobachte gerade, wie die Verpflichtungen gegenüber den amerikanischen Werten aufgeben würden, so Cupich.

Bild: ©KNA

Blase Joseph Cupich ist seit September 2014 Erzbischof von Chicago und seit November 2016 Kardinal.

Der Erzbischof von Newark, Kardinal Joseph Tobin, sagte, dass er das Bedürfnis eines jeden Amerikaners nach sicheren Grenzen und nach einem Leben ohne Terrorismus verstehe. Er verstehe und höre jedoch auch den Ruf Gottes, der durch Mose das Volk Israel gesagt habe: "Einen Fremden sollst du nicht ausbeuten. Ihr wisst doch, wie es einem Fremden zumute ist; denn ihr selbst seid in Ägypten Fremde gewesen" (Ex 23,9). Tobin verweist auf die Aufforderung Jesu, ihn selbst im Fremden zu erkennen.

Die Entscheidung Trumps zeige nicht, dass die USA eine offene und einladende Nation sei, so der Erzbischof von Newark weiter. "Grenzen zu schließen und Mauern zu bauen sind keine rationalen Handlungen." Auch von massenhaften Inhaftierungen und Abschiebungen profitiere niemand. Stattdessen würden eine so unmenschliche Politik Familien und Gemeinschaften zerstören. Tobin weist darauf hin, dass er selbst als Enkel von Immigranten in einem multikulturellen Viertel im Südwesten von Detroit aufgewachsen sei.

Protest-Gottesdienst vor dem Weißen Haus

Der Erzbischof von Detroit, Allen Vigneron, erinnert in einem Brief an die Imame seiner Heimatstadt an sein Versprechen während des Wahlkampfes, gegen jede Diskriminierung auf Grund der Religion zu protestieren. "Heute bestätige ich das Versprechen", so Vigneron. Die Christen glaubten daran, dass man alle Menschen, die von Verfolgung bedroht seien, unabhängig von ihrer Religion beschützen müsse. Immigranten und Flüchtlinge zu begrüßen, sei ein Akt der Liebe und der Hoffnung. "Lassen Sie uns weiterhin für das gemeinsame Wohl hier in Detroit zusammenstehen", beendet der Erzbischof seinen Brief.

Solidarisch zeigten sich auch rund 550 junge Katholiken in Washington. Sie versammelten sich am Sonntagabend unmittelbar vor dem Weißen Haus, um mit einem gemeinsamen Gottesdienst gegen die Einreisebeschränkung zu protestieren, wie das US-Magazin "America" am Montag berichtete. "Als Katholiken verstehen wir, was religiöse Verfolgung bedeutet", sagte Emily Conron, eine der Organisatorinnen. Es sei ein "Teil unserer Geschichte." Und was sei besser für einen Protest geeignet, als ein Gottesdienst? Conron verweist auf das Sonntagsevangelium: In den Seligpreisungen drehe sich schließlich alles darum, den Fremden zu begrüßen und die Unterdrückten zu schützen.

Von Björn Odendahl