Kanzlerin mit Eugen-Bolz-Preis ausgezeichnet

Kardinal Marx würdigt Merkel

Aktualisiert am 01.02.2017  –  Lesedauer: 
Kardinal Reinhard Marx begrüßt Bundeskanzlerin Angela Merkel
Bild: © KNA
Auszeichnung

Stuttgart ‐ Weil sie Flüchtlinge nach Deutschland aufgenommen hat, erhält Bundeskanzlerin Merkel den Eugen-Bolz-Preis. Kardinal Marx würdigte sie dafür, dass sie die Welt aus christlicher Perspektive mitgestalte.

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Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat am Mittwoch in Stuttgart den Eugen-Bolz-Preis erhalten. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, begründete die Ehrung mit der Aufnahme von Flüchtlingen und der Bereitschaft, Menschen in Not willkommen zu heißen. So habe Merkel ein Zeichen der Humanität gesetzt und ein Beispiel christlicher Nächstenliebe gegeben, auch wenn sie ihren Glauben "eher unaufdringlich" lebe.

Mit Blick auf Merkel-Kritiker sagte der Kardinal, Rechtspopulisten hätten eine kritische Stimmung geschürt und "die Systemfrage gestellt". Es gehe darum, ob das nicht perfekte, aber richtige Projekt der Moderne scheitere. Der Rechtspopulismus richtet sich nach den Worten des Kardinals gegen eine offene, freie und plurale Gesellschaft. Ein Zurück dürfe es aber nicht geben; es könne auch nicht mit dem christlichen Glauben begründet werden, so Marx in der Laudatio.

Merkel: Europa durchlebt schwierige Zeiten

Der mit 5.000 Euro dotierte Preis erinnert an den württembergischen Innenminister und Staatspräsidenten Eugen Bolz (1881-1945) und wird von der nach ihm benannten Rottenburger Stiftung seit 1997 alle zwei bis vier Jahre vergeben. 1933 wurde Bolz von den Nazis aus dem Amt gejagt. Als Widerstandskämpfer wurde der aus Rottenburg stammende Katholik 1944 vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am 23. Januar 1945 in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Bolz wurde in das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts aufgenommen; ein Seligsprechungsverfahren ist im Gange.

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Video: © Katharina Tomaszewski

Eugen Bolz - Ein Seliger? Das Seligsprechungsverfahren ist eröffnet.

Merkel betonte, dass der Widerstandskämpfer Bolz bis zu seiner Hinrichtung "ein Mann der Zuversicht" geblieben sei. Dessen Lebensgeschichte führe vor Augen, welches Leid es bedeute, in einem Terrorregime zu leben. Heute hätten die Menschen dagegen das Glück, in Freiheit in Europa leben zu können. Männer und Frauen im Geiste Bolz' hätten nach dem Zweiten Weltkrieg ein neues Staats- und Gemeinwesen begründet. Die Kanzlerin sagte, Europa durchlebe schwierige Zeiten. Deshalb seien alle in der Verantwortung, besser zu vermitteln und deutlich zu machen, dass Europa funktioniere. Die Wirtschaft sei zwar wichtig, aber die EU stehe für mehr als ökonomischen Erfolg.

Kretschmann: Merkel hat gehandelt und geholfen

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) betonte, Bolz sei mit seinem Leben für Freiheit, Menschenwürde und Recht eingestanden. Quelle seines Lebens sei der christliche Glaube gewesen. Kretschmann sagte weiter, Nächstenliebe im christlichen Sinne bedeute anzupacken und zu helfen. Auch Merkel habe im Spätsommer 2015 eine "sofortige Reaktion in einer Extremsituation" gezeigt, als sie die Einreise von Flüchtlingen ermöglicht habe. Sie habe "gehandelt und geholfen", so Kretschmann.

Der Rottenburg-Stuttgarter Bischof Gebhard Fürst bezeichnete die Auszeichnung als Signal gegen Totalitarismus, Menschenfeindlichkeit und Verfälschung historischer Fakten. Für Fürst sind politische Entscheidungen dann richtig und gut, wenn sie der Grundorientierung der freiheitlichen und wertegebundenen Verfassung entsprächen und wenn das christliche Bild vom Menschen in die Tat umgesetzt werde. Dazu gehörten Kraft und Mut; über beides verfüge Merkel, so Fürst. Den Preis überreichte der Vorsitzende des Stiftungsrats, Rottenburgs Oberbürgermeister Stephan Neher (CDU). (luk/KNA)