"Die Welt ist verbesserlich"
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Der frühere Limburger Bischof Kamphaus wird 85 Jahre alt

"Die Welt ist verbesserlich"

Bischöfe - Typisch Franz Kamphaus: Als Bischof von Limburg plädierte er für eine "Bundesrepublik Erde", im Ruhestand lebt er mit behinderten Menschen zusammen. Er wird heute 85 und will nicht feiern - auch typisch.

Von Peter de Groot (KNA) |  Rüdesheim - 02.02.2017

Von seinen Geburtstagen machte der frühere Limburger Bischof Franz Kamphaus noch nie viel Aufhebens. Ihm ist - ganz urkatholisch - sein Namenstag wichtiger: Franz - Franz von Assisi. Auch von Lobliedern auf seine Person hält er nichts: "Ich muss mir nicht sagen lassen, was ich wert bin. Das weiß ich selbst." Es lässt sich aber nun einmal nichts daran ändern, dass er am Donnerstag 85 Jahre alt wird - und einiges zu bieten hat.

Kamphaus, dessen Wirken weit über das Bistum Limburg hinaus Beachtung fand, wurde 1982 im Dom der Lahnstadt zum Bischof geweiht. Er füllte das Amt 25 Jahre aus - bis zu seinem 75. Geburtstag am 2. Februar 2007. "Die Bischöfe kommen und gehen", sagte er damals. "Christus bleibt." Seither lebt Kamphaus als Seelsorger mit geistig und mehrfach schwerbehinderten Menschen zusammen, im Sankt Vincenzstift in Rüdesheim-Aulhausen.

Wahlspruch: Den Armen das Evangelium verkünden

Als er noch in Amt und Würden war, nahm sich Kamphaus in zahlreichen Äußerungen behinderter Menschen an. "Wenn ich in der Linie meiner Äußerungen bleiben will", so Kamphaus im Vorfeld seines Wechsels, "dann ist das Vincenzstift ein geeigneter Ort für mich." Eine Einlassung, die ganz auf der Linie dessen liegt, was er einmal auf diesen Nenner brachte: "Als Christ und als Bischof, der auch in der Öffentlichkeit steht, versuche ich, das zu leben, was ich glaube und verkündige."

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Bistum Limburg: "Verabschiedung von Bischof Franz Kamphaus" (Archivideo aus dem Jahr 2007)

Sein bischöflicher Wahlspruch lautet "Evangelizare pauperibus" (Den Armen das Evangelium verkünden). Also setzte er sich für Flüchtlinge ein, also plädierte er für eine "Bundesrepublik Erde", in der keiner außen vor gelassen werde, wenn es um Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit gehe. Christen, so Kamphaus, gehörten an die Seite der Opfer, der Hungernden und Verwundeten, an die Seite derer, "die auf der Flucht sind und schreien". Für Kamphaus steht fest: "Gott ist ein unverbesserlicher Weltverbesserer." Und: "Die Welt ist verbesserlich." Man müsse nur damit anfangen, "möglichst bei sich".

Für großes Aufsehen sorgte seinerzeit, dass sich Kamphaus unter Berufung auf sein Gewissen als einziger der deutschen Diözesanbischöfe weigerte, der Weisung des damaligen Papstes Johannes Paul II. von 1999 zu folgen, in den Schwangerenberatungsstellen der Bistümer nicht mehr den vom Gesetzgeber verlangten Beratungsschein ausstellen zu lassen. Im März 2002 dann verfügte Johannes Paul II. gegen den Willen von Kamphaus den Ausstieg des Bistums Limburg aus der gesetzlichen Konfliktberatung. Zugleich bat er den Bischof, im Amt zu bleiben.

Zurückhaltung beim Fall Tebartz-van Elst

Seit vielen Jahren schon plagt Kamphaus ein Tremor. Die Hände zittern, die Stimme ist zittrig. Inzwischen geht er leicht gebeugt. Aber nicht nur geistig ist er weiter hellwach. Auch körperlich ist er trotz allem fit, so fit zum Beispiel, dass er noch immer am Steuer seines inzwischen in die Jahre gekommenen weißen VW sitzt, den er schon in seiner Limburger Bischofszeit fuhr.

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Als knapp ein Jahr nach seinem altersbedingten Ausscheiden als Limburger Bischof vor zehn Jahren Anfang 2008 Franz-Peter Tebartz-van Elst als Bischof von Limburg eingeführt wurde, überreichte Kamphaus ihm den Petrusstab der Limburger Bischöfe. Er hielt - und hält - Kontakt ins Bistum hinein, war etwa stets beim jährlichen "Tag der Priester" dabei. Völlig zurück hielt sich Kamphaus in der Debatte über die Amtsführung und das Finanzgebaren seines dann Ende März 2014 zurückgetretenen Nachfolgers. Zumindest in der Öffentlichkeit war dazu nichts von ihm zu hören.

Mit seinem Nachnachfolger Georg Bätzing, der seit Mitte September Bischof von Limburg ist, versteht sich Kamphaus gut - und Bätzing mit ihm. Gemeinsam feiern sie am 85. Geburtstag von Kamphaus im Vincenzstift einen Gottesdienst. Vor allem diesen Rat von Kamphaus hat Bätzing nach eigenem Bekunden mit in sein Bischofsamt genommen: "Wenn du irgendwo hinkommst, frag nach denen, die nicht im Vordergrund stehen, frag, wer ist der Letzte, der Kleinste."

Von Peter de Groot (KNA)