Apostel, Arbeiterfreunde und große Theologen
Katholisch.de stellt wichtige Bischöfe der Mainzer Bistumsgeschichte vor

Apostel, Arbeiterfreunde und große Theologen

Bistum Mainz - Als zukünftiger Bischof von Mainz besetzt Peter Kohlgraf einen der traditionsreichsten deutschen Bischofssitze. Im Laufe der Jahrhunderte saßen viele bedeutende Kirchenmänner auf dem Mainzer Bischofsstuhl.

Von Steffen Zimmermann |  Mainz - 19.04.2017

Die Geschichte des Bistums Mainz reicht bis ins vierte Jahrhundert zurück. Kardinal Karl Lehmann, der 33 Jahre an der Spitze der Diözese stand und im Mai vergangenen Jahres aus Altergründen zurücktrat, war bereits der 107. Bischof von Mainz. Kohlgraf wird Nummer 108. Im Laufe der Jahrhunderte saßen noch zahlreiche andere bedeutende Persönlichkeiten auf dem Bischofsstuhl der Stadt. Katholisch.de stellt fünf wichtige Bischöfe der Mainzer Bistumsgeschichte vor.

Bonifatius (Bischof von: 745-754)

Der "Apostel der Deutschen" wird meist mit Fulda in Verbindung gebracht, wo er ein Kloster gründete und heute in der Krypta des Domes begraben liegt. Bischof war Bonifatius jedoch in Mainz - dies allerdings gegen seinen Willen. Viel lieber wäre er Erzbischof von Köln geworden, doch das wurde ihm verwehrt. Mainz fühlte sich der aus England stammende Missionar dagegen nur wenig verbunden. Vergeblich bat er den Papst, das Bistum einem anderen zu übertragen.

Im Jahr 719 hatte Bonifatius, der von Haus aus Winfried hieß, in Rom von Papst Gregor II. (715-731) den Auftrag zur Mission in Germanien erhalten - und den kirchlichen Beinamen Bonifatius (Wohltäter). Der auf Gregor II. folgende Papst Gregor III. (731-741) ernannte Bonifatius zum Erzbischof und machte ihn zum päpstlichen Stellvertreter und Gesandten in Germanien. Er wirkte in Teilen der heutigen Staaten Deutschland, Niederlande, Frankreich und Österreich. Er reorganisierte die Bistümer Passau, Regensburg und Salzburg, gründete neue Bistümer wie Eichstätt und Würzburg, initiierte zahlreiche Klostergründungen und veranlasste mehrere Bischofsversammlungen.

Bonifatius starb am 5. Juni 754 auf einer Missionsreise im friesischen Dokkum. Die Geschichtsschreibung sieht in Bonifatius weithin den Missionar, Reformer, Kirchenorganisator und Märtyrer. Als der deutsche Katholizismus im 19. Jahrhundert eine neue Profilierung suchte, wurde ihm Bonifatius zum Nationalheiligen.

Bonifatius war einer der bekanntesten Missionare. Seit der Reformation wird er von der katholischen Kirche als Apostel der Deutschen bezeichnet.
Bild: © KNA

Bonifatius, der "Apostel der Deutschen", war neun Jahre Bischof von Mainz - dies allerdings gegen seinen Willen.

Rabanus Maurus (847-856)

Rabanus Maurus gilt als wichtigster Theologe seiner Zeit. Neben Schriften zur Bibel, Predigten und Handbüchern verfasste der "Lehrer Germaniens" unter anderem eine 22-bändige Enzyklopädie, die das Wissen seiner Zeit zusammenfasste. Rabanus Maurus wurde um 780 in Mainz geboren. Als er acht Jahre alt war, übergaben seine Eltern ihn dem Kloster Fulda. Nach dem Besuch der dortigen Schule ging er zur weiteren Ausbildung nach Tours. Nach seiner Rückkehr lehrte der Ordensmann an der Fuldaer Klosterschule und wurde 818 deren Leiter, 822 wählten die Mönche ihn zu ihrem Abt. Die Zahl der Brüder stieg in seinen 20 Amtsjahren auf rund 600, eine nach ihm nie wieder erreichte Zahl.

Am 24. Juni 847 nahm Rabanus Maurus den Mainzer Bischofsstuhl in Besitz. Obwohl er mit 67 Jahren für die damalige Zeit sehr alt war, war seine Amtszeit äußert ertragreich. So hielt er unter anderem drei Synoden ab und sorgte für eine einheitliche Rechtsprechung. Nach seinem Tod wurde Rabanus Maurus im Kloster Sankt Alban in Mainz beigesetzt. 1515 wurde der Leichnam in die Reliquiensammlung Albrechts von Brandenburg in Halle überführt. Seit deren Aufhebung und teilweisen Plünderung im Jahr 1541 gilt er als verschollen.

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Auf den Professor für Dogmatik folgt der Professor für Pastoral: Mit Peter Kohlgraf ist wieder ein Wissenschaftler auf dem Mainzer Bischofsstuhl. Seine Forschungen kann er nun in die Praxis umsetzen.

Willigis (975-1011)

36 Jahre und damit länger als alle seine Vorgänger und Nachfolger hatte Willigis den Mainzer Bischofsstuhl inne. Als Erzbischof der damals größten Kirchenprovinz nördlich der Alpen galt er als "der zweite Mann nach dem Papst". Papst Benedikt VII. (974-983) hatte ihn mit dem Recht ausgestattet, den deutschen König zu krönen. In der entsprechenden römischen Urkunde hieß es, der Papst bestätige Willigis seine Vorrechte, "denen zufolge er in ganz Germanien und Gallien bei allen kirchlichen Handlungen, bei der Weihe des Königs und anderen Angelegenheiten einen Vorrang vor den übrigen Erzbischöfen und Bischöfen einnehmen soll".

Willigis ist auch der Erbauer des Mainzer Doms; der Bau setzte zur damaligen Zeit in seiner Größe völlig neue Maßstäbe. Nachdem die Kathedrale kurz vor oder nach der Weihe einem Brand zum Opfer fiel, ordnete Willigis umgehend den Wiederaufbau an. Nach seinem Tod entwickelte sich um ihn schnell ein Heiligenkult. Sein Grab fand er in der von ihm gestifteten Mainzer Kirche Sankt Stephan, die heute wegen ihrer Chagall-Fenster bekannt ist. Wo genau in der Kirche sich das Grab befindet, ist allerdings unklar.

Bild: © KNA

Wilhelm Emmanuel von Ketteler war von 1850 bis 1877 Bischof von Mainz.

Wilhelm Emmanuel von Ketteler (1850-1877)

Er war der "Arbeiterbischof" auf dem Mainzer Bischofsstuhl: Wilhelm Emmanuel von Ketteler. Seine Weitsicht und Gestaltungskraft machten ihn zu einer der wichtigsten Bischofsgestalten des 19. Jahrhunderts. Zunächst hatte der Sohn eines westfälischen Adelsgeschlechts die Beamtenlaufbahn eingeschlagen. Doch im Zuge der Verhaftung des Kölner Erzbischofs Clemens August Droste zu Vischering durch die preußischen Behörden quittierte er 1837 den Staatsdienst und entschied sich für das Priestertum. 1848 machte Ketteler auf dem ersten "Katholikentag", als Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung und in Adventspredigten im Mainzer Dom erstmals mit Ausführungen zur "sozialen Frage" auf sich aufmerksam. Die Verelendung weiter Teile der Bevölkerung durch die industrielle Revolution nannte er die "wichtigste Frage der Gegenwart".

Am 5. März 1850 wurde Ketteler zum Bischof von Mainz ernannt. Als Oberhirte engagierte er sich für die Freiheit der Kirche von staatlicher Bevormundung und ihre Abgrenzung gegenüber Liberalismus und Kommunismus. 1869/1870 nahm er am Ersten Vatikanischen Konzil teil, das dort beschlossene Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit lehnte er jedoch ab. Kurze Zeit später war Ketteler für zwei Jahre Abgeordneter des Reichstages. Am 13. Juli 1877 starb Ketteler auf einer Reise, wenige Tage später wurde er im Mainzer Dom beigesetzt.

Hermann Volk (1962-1982)

Sein Nachfolger Karl Lehmann bezeichnete ihn einmal als "besonders reine Gestalt des Bischofs in der Einheit seines spirituellen, theologischen und pastoralen Auftrags": Hermann Volk. Der Sohn eines Sattlermeisters wurde 1927 in Mainz zum Priester geweiht. Er studierte Philosophie und Theologie und befasste sich in Dissertation und Habilitation mit Fragestellungen der Theologen Karl Barth und Emil Brunner. Bevor Volk Bischof von Mainz wurde, war er 16 Jahre lang Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte in Münster.

Kurz nach seinem Amtsantritt als Mainzer Bischof nahm Volk am Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) teil, wo er großen Einfluss auf die Inhalte mehrerer Dokumente nahm. In Würdigung seines Einsatzes für die Erneuerung der Kirche erhob Papst Paul VI. (1963-1978) ihn 1973 zum Kardinal. Nach Konrad von Wittelsbach und Albrecht von Brandenburg war Volk damit der dritte Kardinal auf dem Mainzer Bischofsstuhl. Als solcher nahm er an den beiden Papstwahlen des Jahres 1978 teil. (mit Material von KNA)

Von Steffen Zimmermann