Die Abstimmung unter freiem Himmel fiel deutlich aus

Bürger im Kanton Glarus gegen Burkaverbot

Aktualisiert am 07.05.2017  –  Lesedauer: 
Eine Frau mit einer Burka hält ein Kind im Arm.
Bild: © KNA
Schweiz

Glarus ‐ Vor knapp einem Jahr hat der Kanton Tessin ein Burkaverbot eingeführt. Er bleibt bislang der einzige in der Schweiz. Im Kanton Glarus fiel das Votum der Bürger eindeutig aus.

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In der Schweiz sind die Bürger im Kanton Glarus gegen die Einführung eines Burkaverbots. Bei einer traditionellen Versammlung auf dem Hauptplatz von Glarus in der Deutschschweiz sprach sich am Sonntag eine deutliche Mehrheit der Bewohner dagegen aus, die Vollverschleierung muslimischer Frauen im öffentlichen Raum zu bestrafen.

Das jährliche Treffen unter freiem Himmel ist Teil der Basisdemokratie im Kanton. Zuvor hatten bereits Regierung und Kantonsparlament ein Verhüllungsverbot abgelehnt. Mit dem Entscheid der Glarner Landsgemeinde, die von rund 6.000 Stimmberechtigten besucht wurde, bleibt der Kanton Tessin vorerst der einzige der 26 Schweizer Landesteile, der vor knapp einem Jahr ein Burkaverbot eingeführt hat. 

Unterschriftensammlung gegen Burkas läuft

Der Antragsteller Ronald Hämmerli von der rechtsnationalen Schweizerischen Volkspartei (SVP), der ein Verhüllungsverbot in der Kantonalverfassung verankern wollte, begründete seinen Vorstoß mit Sicherheitsbedenken und zog Parallelen zu Ausschreitungen vermummter Fans bei Fußball- und Eishockeyspielen. Außerdem wolle er nicht, dass Frauen unterdrückt werden.

Gegner bei der etwa halbstündigen Aussprache nannten ein Burka-Verbot Symbolpolitik. Kleidervorschriften gehörten nicht in die Verfassung. Zudem wurde der Vorwurf formuliert, rechtsnationale Kreise missbrauchten die Landsgemeinde für ihre Anliegen. Landammann Rolf Widmer betonte, dass der Handlungsbedarf im Kanton gering sei. Die Regierung und der Landrat lehnten das Verbot zum jetzigen Zeitpunkt ab.

Derzeit sammeln Befürworter eines Burka-Verbots Unterschriften um einen entsprechenden Artikel in die schweizerische Bundesverfassung einzufügen. Diese Unterschriftensammlung läuft noch bis zum 15. September. (luk/dpa/KNA)