Terroristen nehmen Priester als Geisel
Präsident verhängt Kriegsrecht über Region

Terroristen nehmen Priester als Geisel

Philippinen - Auf der philippinischen Insel Mindanao herrscht Kriegsrecht: Islamistische Terroristen besetzen und zerstören Gebäude. Nun haben sie Geiseln genommen, darunter ist auch ein katholischer Priester.

Manila - 24.05.2017

Auf der philippinischen Insel Mindanao herrscht jetzt das Kriegsrecht. Zuvor hatten islamistische Terroristen drei Geiseln in ihre Gewalt gebracht, darunter einen katholischen Priester. "Sie fordern von der Armee einen Waffenstillstand und freien Abzug aus der Stadt Marawi. Andernfalls werden sie Geiseln umbringen", sagte Edwin de la Pena, Bischof von Marawi, am Mittwoch dem Nachrichtenportal der Bischofskonferenz. Laut Berichten philippinischer Medien haben rund 100 Islamisten in Marawi auf Mindanao das Krankenhaus und das Gefängnis besetzt und mehrere Gebäude niedergebrannt, darunter eine katholische Kirche.

Duterte bricht seinen Russlandbesuch ab

Als Reaktion auf die Gefechte zwischen der Armee und den Terrorgruppen Maute und Abu Sajaf, Ablegern des "Islamischen Staates" (IS), verhängte Präsident Rodrigo Duterte über die Insel Mindanao das Kriegsrecht. "Das wird nicht anders sein als das von Marcos verhängte Kriegsrecht", sagte Duterte in einer Videobotschaft an sein Volk.

Während des von Präsident Ferdinand Marcos verhängten Kriegsrechts zwischen 1972 und 1981 wurden mehr als 30.000 Oppositionelle, Studenten, Journalisten und Gewerkschafter in Militärlagern inhaftiert. Tausende wurden Opfer von Folter und Mord. Das Parlament wurde aufgelöst und Marcos regierte das Land mit Präsidialdekreten.

Nach der Verhängung des Kriegsrechts brach Duterte seinen offiziellen Besuch in Russland ab und flog zurück auf die Philippinen. Seine Gespräche mit Russlands Präsident Wladimir Putin sollen zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden. Ein Präsidentensprecher sagte gegenüber philippinischen Medien, das Kriegsrecht auf Mindanao gelte zunächst für 60 Tage.

Linktipp: Bischöfe verurteilen Dutertes Drogenkrieg

Der philippinische Präsident Rodrigo Duterte lässt Drogendealer töten - und sein Volk feiert ihn dafür. Die Bischöfe stellen sich gegen Duterte: Es dürfe keine "Herrschaft des Terrors" geben.

Internationale Menschenrechtsorganisationen reagierten empört. "Die Gesetzlosigkeit von Präsident Dutertes 'Krieg gegen Drogen' verstärkt die große Sorge, dass die Ausrufung des Kriegsrechts auf Mindanao zu weiterem ungezügeltem Missbrauch führen wird", warnte Phil Robertson, Südostasien-Experte der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW), in einer am Mittwoch in Bangkok veröffentlichten Erklärung.

Angst vor Ausdehnung des Kriegsrechts

Auf den Philippinen geht inzwischen die Angst um, dass das Kriegsrecht über das ganze Land verhängt werden könnte. Präsident Duterte hatte seit seinem Amtsantritt vor elf Monaten wiederholt mit dem Kriegsrecht als Mittel in seinem "Drogenkrieg" gedroht. In einer Umfrage im Januar dieses Jahres hatten 74 Prozent der Filippiner das Kriegsrecht als Mittel zur Lösung der vielen Probleme des Landes abgelehnt.

Der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz, Erzbischof Socrates Villegas, hatte bereits im September 2016 seine Landsleute zu "Wachsamkeit" aufgerufen, um eine erneute Verhängung des Kriegsrechts zu verhindern.

Duterte hatte erst kürzlich mehrere Generäle auf hohe Regierungs- und Verwaltungsposten berufen. "Bedeuten diese Ernennungen eine Militarisierung der Regierungsbürokratie?", fragte Senator Francis Pangilinan, Vorsitzender der oppositionellen Liberalen Partei, wie der asiatische katholischen Pressedienst Ucanews am Mittwoch berichtete. "Sind die Ernennungen dieser Militärs ein böses Omen für das, was kommt?", so Pangilinan. (KNA)

24.06.2017, 12:20 Uhr: ergänzt um mehr Details, Reaktionen und die Berufung von Generälen auf Regierungsposten