Bischöfe und Kardinäle bei der Eröffnung der Bischofssynode 2012 in Rom.
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Das ist der Dresscode für Bischöfe

Mit Brustkreuz und violetten Socken

Bischöfe - Bischöfe spielen in der katholischen Kirche eine besondere Rolle, die sich auch durch ihre Kleidung ausdrückt. Katholisch.de erklärt, wann die Bischöfe Brustkreuz & Co tragen – oder ablegen.

Von Kilian Martin |  Bonn - 21.06.2017

Die detailliertesten Kleidungsvorschriften für die Bischöfe gelten für liturgische Feiern. Im "Caeremoniale episcoporum", dem bischöflichen Zeremonienbuch, sind die Bestimmungen für praktische alle Gottesdienste und Gebete festgehalten, inklusive dem jeweiligen Dresscode. Demnach trägt der Bischof bei der Feier der Messe grundsätzlich die gleichen Gewandteile wie ein Priester: das Amikt (Schultertuch), die Albe mit Zingulum (Kordel), die Stola und die Kasel, das eigentliche Messgewand. Zu besonders feierlichen Anlässen wie Weihen soll er zudem "nach dem aus der Antike überlieferten Brauch" unter dem Priestergewand die Dalmatik tragen, das liturgische Gewand des Diakons.

Hinzu kommen die bischöflichen Insignien. Die vielleicht wichtigste ist der Bischofsring, den die Oberhirten auch außerhalb der Liturgie immer tragen und der sie damit als Bischöfe erkennbar macht. Die weiteren sogenannten Pontifikalinsignien sind der Krummstab, der Pileolus (das Scheitelkäppchen) und die Mitra, bei Erzbischöfen das vom Papst verliehene Pallium (eine Wollstola) sowie das Brustkreuz. Das "Caeremoniale" sieht vor, dass dieses in der Messe stets unter den Gewändern getragen wird. Seit etwa 20 Jahren erlaubt die Gottesdienst-Kongregation jedoch, das Brustkreuz auch in der römischen Liturgie sichtbar über dem Messgewand zu tragen, um den Bischof besser von mitfeiernden Priestern unterscheiden zu können. Zudem gestattet der Vatikan, das Pektorale auch in der Messe an einer Kette aus Edelmetall zu tragen, statt an einer golddurchwirkten Kordel, wie es das Zeremonienbuch eigentlich vorsieht.

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In den Sakristeien der Kirchen befinden sich allerlei liturgische Kleidungsstücke. Doch wann werden die eigentlich getragen? Und: von wem? Katholisch.de beantwortet die "katholische Kleiderfrage".

Steht der Bischof einer Messfeier nicht als Zelebrant oder Konzelebrant vor oder handelt es sich um eine andere liturgische Feier, etwa einen ökumenischen Wortgottesdienst, trägt er das sogenannte Chorgewand, den "abito corale". Dieses besteht aus einer violetten Soutane mitsamt einem Zingulum, einer Art Schärpe aus Seide, das an beiden Enden Fransen hat. Darüber wird ein weißes Rochett aus Leinen getragen, über dem wiederum die violette Mozzetta, der geschlossene Schulterkragen ohne Kapuze, liegt. Dazu trägt der Bischof seinen Ring – den er ohnehin nie ablegt – und das Brustkreuz an einer Stoffkordel, sowie auf dem Kopf den Pileolus und darüber das Birett mit Quaste. Zur violetten Soutane gehören zudem – auch das regelt das Zeremonienbuch – farblich entsprechende Socken. Theoretisch darf der Bischof in seinem eigenen Bistum an hohen Feiertagen auch die violette Cappa Magna, eine lange Schleppe aus Seide, tragen, wobei das heute praktisch nicht mehr vorkommt.

Obwohl sie im römischen Sprachgebrauch als "einfaches Gewand", "abito piano", bezeichnet wird, tragen die meisten Kleriker die schwarze Soutane heute nicht mehr durchgängig im Alltag. Für Bischöfe ist sie zumeist dann angesagt, wenn wichtige Termine und Begegnungen anstehen. Bei Begegnungen mit Vertretern des Staates gibt oft die Protokollabteilung vor, ob der Bischof die formelle Soutane oder den weniger aufwendigen Anzug (siehe unten) tragen sollte.

Das Gewand aus schwarzem Stoff ist bodenlang geschnitten, hat lange Ärmel und wird mit 33 Knöpfen verschlossen– in Erinnerung an die 33 Lebensjahre Jesu. Knöpfe, Knopflöcher und die verstärkten Ziernähte sind bei der bischöflichen Soutane in rubinrot gehalten. Wie beim Chorgewand werden dazu das violette Zingulum, der Pileolus und das Brustkreuz getragen, welches jedoch zum "abito piano" an einer Kette statt an einer Kordel getragen wird. Ebenfalls unterschiedlich ist der Schulterkragen, die sogenannte Pellegrina. Im Gegensatz zur Mozetta in der Liturgie ist sie an der Vorderseite offen. In besonders heißen Ländern vor allem auf der Südhalbkugel tragen Bischöfe statt einer schwarzen eine weiße Soutane ohne Pellegrina, wobei sich ansonsten an deren Bestandteilen nichts ändert.

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Die Farbe Schwarz ist allgemein negativ konnotiert und wird mit Tod und Trauer in Verbindung gebracht. Weshalb tragen sie dann ausgerechnet Priester als Verkünder der frohen Botschaft im Alltag?

Ist ein Bischof nicht zu liturgischen Feiern oder hochrangigen Terminen unterwegs, kleidet er sich in der Regel wie die meisten Priester. Auch für diesen (Büro-) Alltag gibt es Kleidungsvorschriften, die allerdings weit weniger detailliert sind. Das Kirchenrecht überträgt das Recht, genaue Regeln aufzustellen, an die Bischofskonferenzen (c. 284 CIC). Allgemein hat sich jedoch die vatikanische Kongregation für den Klerus zur Kleidungsfrage geäußert, zuletzt im "Direktorium für Dienst und Leben der Priester" von 2013. Eine besondere, unterscheidbare Priesterkleidung sei demnach "in einer säkularisierten und tendentiell [sic!] materialistischen Gesellschaft, wo auch äußere Zeichen sakraler und übernatürlicher Wirklichkeiten im Schwinden begriffen sind", besonders wichtig. "Die geistliche Kleidung ist äußeres Zeichen einer inneren Wirklichkeit: 'Denn der Priester gehört nicht mehr sich selbst, sondern ist durch das empfangene sakramentale Siegel Eigentum Gottes'", zitiert das Schreiben den Katechismus.

Als "besonders angemessene" Kleidung für Priester – und damit auch Bischöfe – sieht das Direktorium daher den Talar vor. Er unterscheide die Träger deutlich von den Laien und mache damit "den heiligen Charakter ihres Dienstes besser verständlich". Weiter heißt es: "Den Priestertalar zu tragen ist außerdem ein Schutz der Armut und der Keuschheit."

Die Deutsche Bischofskonferenz hat im Jahr 1995 eine partikulare Rechtsnorm zur Klerikerkleidung in Deutschland erlassen. Demnach müssen die Geistlichen "in der Öffentlichkeit durch ihre Kleidung eindeutig als solche erkennbar sein". Als entsprechende Varianten sehen die Bischöfe dabei ein Hemd mit römischem Kollarkragen oder mit Oratorianerkragen vor. Bei Letzterem handelt es sich um einen gespaltenen, weißen Kragen über einer schwarzen knopflosen Weste. Weiter erklärt die Bischofskonferenz, dass die Kleriker "in begründeten Ausnahmefällen dunklen Anzug mit Kreuz" tragen dürfen. Oft zu beobachten ist dies etwa bei Priestern, die als Dozenten an staatlichen Hochschulen lehren und zum normalen Anzug mit Krawatte ein Ansteckkreuz am Revers tragen. Da Bischöfe bereits durch ihren Ring als solche erkennbar sind, tragen sie in Deutschland zum Anzug in der Regel kein Brustkreuz. Im Ausland ist diese Trageweise jedoch teilweise üblich, sodass sie auch in Deutschland immer öfter zu beobachten ist. Wenn sich die Bischöfe im Ausland aufhalten, folgen sie zudem meist den örtlichen Gepflogenheiten und Anforderungen.

Eigentlich gilt die Forderung des Kirchenrechts nach einer unterscheidbaren Klerikerkleidung immer und überall. Aber selbst hier gibt es Ausnahmen, auch für Bischöfe und sogar den Papst. Denn in ihrer Freizeit dürfen auch die Nachfolger der Apostel mal Soutane und Pileolus im Schrank lassen und dafür Skihose und Klettergurt anlegen.

Von Kilian Martin