Die Kanzlerin sprach beim Kardinal-Höffner-Kreis

Merkel hält katholische Soziallehre für hochaktuell

Aktualisiert am 27.06.2017  –  Lesedauer: 
Merkel hält katholische Soziallehre für hochaktuell
Bild: © KNA
Gesellschaft

Berlin ‐ Die Wirtschaft sei für die Menschen da, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel. Damit vertritt sie eine Kernthese der katholischen Soziallehre. Und für die müsse man täglich eintreten.

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Die Katholische Soziallehre ist nach den Worten von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) aktueller denn je. Die Wirtschaft sei für den Menschen da und dieser müsse auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bestimmten, betonte Merkel am Montagabend in Berlin. Die Lehre von der Würde menschlicher Arbeit ziehe sich durch die katholischen Sozialenzykliken und dafür müsse man täglich eintreten, betonte Merkel. Das gelte auch in einer globalisierten Welt. Sie äußerte bei einem Treffen des Kardinal-Höffner-Kreises. Der nach dem ehemalige Kölner Erzbischof, Kardinal Joseph Höffner (1906 - 1987), benannte Kreis ist ein Netzwerk katholischer Abgeordneter der Union, die regelmäßig zu Gesprächen mit Kardinälen, Bischöfen und Funktionsträgern der Kirche einladen.

Viele leiden, wenige profitieren

Wenn man die wirtschaftlichen Kräfte frei agieren lasse, gebe es einige, die davon profitierten und viele, die darunter litten, betonte die Kanzlerin. Als Beispiel nannte sie die globale Finanzkrise ab 2008. Künftige ethische Herausforderungen seien etwa die Möglichkeiten der Biomedizin im Zeitalter der Digitalisierung sowie die Erkenntnisse der Hirnforschung. Es gehe überall darum, dass die "Würde des Menschen im Zentrum" stehe.

Merkel betonte zudem die Bedeutung der Religionsfreiheit weltweit. An vielen Orten könnten Christen ihren Glauben nicht frei ausüben, beklagte sie. Gleichzeitig müssten aber etwa beim radikalen Islam die Grenzen der Religionsfreiheit im Blick behalten werden. Die Kanzlerin hob außerdem den Wert der europäischen Einheit hervor, für den man wieder kämpfen müsse. Dabei erinnerte sie an die Worte von Papst Franziskus zum 60. Jahrestag der Unterzeichnung der Römischen Verträge, wonach Europa mehr sei als "eine Summe von einzuhaltenden Regeln", sondern "ein Leben, eine Art, den Menschen ausgehend von seiner transzendenten und unveräußerlichen Würde zu begreifen". (jhe/KNA)

Linktipp: Die Mutter aller Sozialenzykliken

Lange wurde der Kirche im 19. Jahrhundert vorgeworfen, die Antwort auf die "Soziale Frage" verschlafen zu haben. Doch 1891 meldete sich Papst Leo XIII. mit der ersten Sozialenzyklika "Rerum novarum" zu Wort.