Von Schweinen, verdorrten Händen und einem besonderen Fisch

Unbekanntere Wunder Jesu – und wo er sie vollbrachte

Aktualisiert am 22.07.2017  –  Lesedauer: 
Glaube

Bonn ‐ Dass Jesus Wasser in Wein verwandelte, ist wohl jedem bekannt. Doch wissen Sie, was es mit dem "Schweinewunder" oder dem verdorrten Feigenbaum auf sich hat? katholisch.de stellt weniger bekannte Wunder vor.

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Selten, unerklärlich und mit gutem Ausgang – das ist ein Ereignis, das man wohl heute unter einem "Wunder" verstehen könnte. Das Neue Testament berichtet von insgesamt rund 40 Wundern und Zeichen Jesu – und versteht dabei das "Wunder" etwas anders, nämlich als göttliche Offenbarung. Zwar beschreiben die vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes die Wunder Jesu unterschiedlich. Aber ihnen ist gemein, dass sie diese als Zeichen dafür interpretierten, was Jesu Botschaft war: Dass er als Sohn und Messias eines barmherzigen Gottes auf die Erde gesandt wurde. Jesus selbst verstand nach der Überlieferung der Evangelisten seine Wunder als Zeichen des bereits angebrochenen Reich Gottes. Während einige davon schon sprichwörtliche Berühmtheit erlangt haben, wie etwa das auf der Hochzeit zu Kana ("Wasser zu Wein machen"), sind andere eher unbekannt. Fünf davon stellen wir vor – zusammen mit dem Ort, an dem sie stattgefunden haben könnten.

Die Ruinen von Bethesda
Bild: ©picture alliance/robertharding

Die Ruinen von Bethesda.

Die Verwandlung von Wasser in Wein auf einer Hochzeit gilt dem Evangelisten Johannes als erstes Wunder. Nicht ganz so bekannt ist, was Jesus danach tat: Er ging nach Jerusalem zum Teich Bethesda, dessen Wasser heilende Kräfte zugeschrieben wurden. Dort traf er auf einen Mann, der seit vielen Jahren gelähmt war und am Teich auf Heilung wartete. Jesus heilte den Mann mit dem Aufruf: "Steh auf, nimm deine Bahre und geh!" Daraufhin stand der Mann auf, nahm seine Bahre und ging. (Joh 5,1)

In der Bibel wird erwähnt, Bethesda liege in Jerusalem beim Schaftor und habe fünf Hallen. Lange Zeit gab es keine Nachweise für ein Gebäude an dieser Stelle, auf das die Beschreibung passte. Erst im 19. Jahrhundert fanden Archäologen Überreste eines Baus, der fünf Säulengänge und zwei Teiche umfasste. Sie fanden heraus, dass die Geschichte von Bethesda bis ins 8. Jahrhundert vor Christus zurückreicht. Damals hatte man dort ein Wasserreservoir gebaut und es mit der Zeit mit einem zweiten ergänzt. Weitere Ausgrabungen brachten unter anderem Reste von Kirchen aus der byzantinischen und der Zeit der Kreuzfahrer sowie ein Asklepieion, ein antikes Heiligtum des altgriechischen Gottes der Heilkunst, Asklepios, zu Tage. Letzteres mit seinen kleinen Bädern bezeugt, dass man dem Wasser Heilkräfte zuschrieb.

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Auch das "Schweinewunder" gehört zu den weniger geläufigen Gegebenheiten, von dem Matthäus, Markus und Lukas berichten. Als Jesus mit dem Boot über den See Genezareth nach Gerasa übersetzte, traf er am Ufer auf einen Besessenen (Matthäus schreibt von zweien). Dieser lebte in den Grabeshöhlen und war so wild, dass ihn nicht einmal Ketten halten konnten. Jesus sah, dass er von Dämonen besessen war und trieb sie ihm aus. Die Dämonen fuhren stattdessen in eine Schweineherde, die in der Nähe graste. Die Tiere jedoch galoppierten den Abhang hinunter, stürzen in den See und ertranken. (Mt 8,28; Mk 5,1; Lk 8,26)

Im Dezember 2015 fanden Archäologen am nordöstlichen Ufer des Sees Genezareth eine große Marmorplatte mit hebräischen Inschriften. Sie liegt am mutmaßlichen Eingang zum Innenraum einer antiken Synagoge und wird auf etwa 500 vor Christus datiert. Der Fund einer Marmorplatte mit Inschrift, die noch nicht vollständig entziffert werden konnte, ist einzigartig in Israel. Er soll ein Beleg für die antike Stadt Kursi sein, in der Jesus das "Schweinewunder" vollbracht hat.

Die antiken Reste der Synagoge in Kafarnaum.
Bild: ©Fotolia.com/malajscy

Das Vorgänger-Gebäude dieser Synagoge in Kafarnaum am See Genezareth könnte Jesus besucht haben.

An anderer Stelle berichtet die Bibel von Jesus, der die "verdorrte Hand" eines Mannes heilte. Den Mann hatte er in der Synagoge an einem Sabbat angetroffen. Die umstehenden Menschen beobachteten ihn genau, da sie wissen wollten, ob Jesus auch an diesem Tag heilen würde – das durfte man am Sabbat nach pharisäischer Auffassung nur, wenn Lebensgefahr bestand. Jesus forderte den Mann tatsächlich auf, sich in ihre Mitte zu stellen und seine Hand auszustrecken. Der Mann tat, wie ihm gesagt worden war, und seine Hand war geheilt. Seine Gegner jedoch hatten nun einen Grund gefunden, um gegen Jesus vorzugehen. (Mt 12,9; Mk 3,1; Lk 6,6)

Aus der Bibel geht nicht klar hervor, welche Synagoge in welcher Stadt Jesus besucht haben könnte. Es ist aber möglich, dass er in die des Fischerdorfs Kafarnaum am See Genezareth, auch Kapernaum genannt, ging: Dort wohnte er laut dem Matthäus-Evangelium (Mt 4,12). An diesem Ort fanden Archäologen Reste einer Synagoge, die sie auf das 4. oder 5. Jahrhundert datierten – also lange nach dem Tod von Jesus. Funde eines weiteren Fundaments unter dieser Synagoge deuteten jedoch darauf hin, dass sie an der Stelle eines älteren Vorgängerbaus errichtet wurde.

Vogelperspektive auf die Ausgrabungsstätte von Kafarnaum.
Bild: ©Fotolia.com/malajscy

Ein Blick von oben auf die Ausgrabungsstätte von Kafarnaum: Rechts im Bild die Synagoge, links die achteckige Petruskirche über dem Haus des Petrus. Die Petruskirche steht auf Säulen und hat einen Glasboden, sodass die archäologischen Funde darunter einsehbar sind.

Es war auch in Kafarnaum, wo nach Matthäus ein weiteres Zeichen geschah, das nichts mit einer Heilung zu tun hatte: Männer, die die Tempelsteuer einsammelten, fragten Simon Petrus, ob sein Meister Jesus auch diese Abgabe in Höhe einer Doppeldrachme zahle. Diese jährliche Steuer zahlten Juden für den Unterhalt des Tempelkultes. Petrus bejahte die Frage der Männer. Im anschließenden Gespräch mit Jesus erklärte dieser, er wolle die Steuer zahlen, um keinen Anstoß zu erregen – davon überzeugt scheint er nicht. Er wies Petrus an, an den See zu gehen, um zu fischen. In dem ersten Fisch werde er eine Münze finden, mit der er für sie beide die Steuer begleichen könne. (Mt 17,24).

Nicht weit von der Synagoge entfernt entdeckten franziskanische Ausgräber Mitte des 20. Jahrhunderts unter einer achteckigen Kirche aus dem 5. Jahrhundert eine Gruppe von Wohngebäuden aus dem 1. Jahrhundert. Sie gehen davon aus, dass darunter das Haus des Simon Petrus ist. Ein besonders großer Raum, der sich auch durch seine verputzten und bemalten Wände von den anderen unterschied, ist wohl für Versammlungen der christlichen Gemeinde genutzt worden. Die Franziskaner stützen diese Deutung auf die Funde zahlreicher Splitter von Lampen und damit, dass in dem Raum keinerlei Gegenstände des alltäglichen Gebrauchs gefunden wurden. Im späten vierten Jahrhundert wurde der Bereich dann umgestaltet zu einer Hauskirche. Im Putz entzifferten die Franziskaner Kritzeleien des Namens "Jesus" und sein Monogramm.

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Von einem Zeichen, dass sich auf eine Pflanze bezieht, berichten Markus und Matthäus: Als Jesus Bethanien verließ, bekam er Hunger und bemerkte einen Feigenbaum. Der trug allerdings nur Blätter, keine Feigen. Daraufhin verflucht er ihn mit den Worten: "In Ewigkeit soll keine Frucht mehr an dir wachsen." Der Baum verdorrte auf der Stelle. Auf die Nachfrage seiner Jünger, wie das so geschehen konnte, erklärte Jesus: "Alles, was ihr im Gebet erbittet, werdet ihr erhalten, wenn ihr glaubt." (Mt 21,18; Mk 11,12)

Reste des Feigenbaums sind heute natürlich nicht mehr auffindbar. Doch Wissenschaftler vermuten, dass die Stadt al-Eizariya auf dem Grund der biblischen Stadt Bethanien errichtet wurde. Hier gibt es gleich zwei Orte, die bei Pilgern sehr beliebt sind: Ein Grab, von dem mindestens seit dem 4. Jahrhundert angenommen wird, es sei die Grabstätte des Lazarus, den Jesus von den Toten auferweckte. Und das mit rund 2.000 Jahren älteste Haus der Stadt, von dem man annimmt, hier hätten Martha und Maria, die Schwestern von Lazarus, gewohnt. Lukas berichtet, Jesus sei bei ihnen eingekehrt (Lk 10,38).

Von Johanna Heckeley