Regensburger Bischof über Kirchenaustritte

Voderholzer: An konservativen Positionen festhalten

Aktualisiert am 27.07.2017  –  Lesedauer: 
Kirchenaustritt

Mindelstetten ‐ Eine Light-Version von Jesus zu verkünden, hilft nicht gegen Kirchenaustritte, meint der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer. Auch der Weg der evangelischen Kirche sei kein Heilmittel.

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Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer hat der Aussage widersprochen, die katholische Kirche müsse sich "von starren konservativen Dogmen verabschieden". Dass das nicht gegen Kirchenaustritte helfe, zeigten die Zahlen der evangelischen Kirche, die schon seit Jahren höher seien als die der katholischen, sagte Voderholzer anlässlich des Anna-Schäffer-Gebetstags am Mittwoch in Mindelstetten. Die Protestanten hätten fast alle Forderungen der Kirchenkritiker erfüllt, wie etwa die nach Frauenpriestertum und der Abschaffung des Zölibats. "Kann man uns denn allen Ernstes den Weg der evangelischen Kirche als Heilmittel empfehlen, der so offenkundig zu einer noch größeren Entfremdung von Glaube und Kirche geführt hat?", so der Bischof. Das sage er ohne Häme: Es gebe evangelische Christen, die seine Meinung teilten.

Keine Light-Version von Jesus

Die Austrittszahlen verdeutlichten eine seit Jahren fortschreitende Säkularisierung, einen Schwund an Kirchenbindung und letztlich einen Rückgang an Glaubenssubstanz, sagte Voderholzer weiter. Doch es helfe nicht, ständig an den Strukturen der Kirche "herumzumäkeln, die Botschaft des Evangeliums zu verdünnen und eine Light-Version von Jesus zu verkünden". Mit der Reform der Kirche müsse stattdessen jeder bei sich selbst anfangen und sich täglich um Heiligkeit bemühen sowie auf Gottes Wort hören. "Erneuerung aus dem Glauben, Wiederherstellung des Bildes Christi, das uns in Taufe und Firmung eingeprägt ist. Wo uns das in der Gnade Gottes geschenkt wird, wo uns das gelingt, da werden wir die Menschen auch unserer Tage wieder neugierig machen auf den Glauben, der uns trägt", so der Regensburger Bischof.

Am vergangenen Freitag hatten die Deutsche Bischofskonferenz und die Evangelische Kirche in Deutschland gemeinsam ihre Statistik zum kirchlichen Leben veröffentlicht. Demnach traten auf katholischer Seite 2016 insgesamt 162.093 Menschen aus der Kirche aus, auf der evangelischen waren es rund 190.000. In Voderholzers eigener Diözese Regensburg kehrten 6342 Gläubige der Kirche den Rücken. (jhe)

27.07.2017, 20.55 Uhr: Leadsatz und Überschrift präzisiert