Schachfigur
Susanne Hornberger über Wertschätzung des Ehrenamts

Rentenpunkte für Freiwillige

Susanne Hornberger über Wertschätzung des Ehrenamts

Von Susanne Hornberger |  Bonn - 03.08.2017

Sie schneiden Schwerverletzte aus zertrümmerten Autos, halten es bei Sterbenden aus – bis zum letzten Atemzug, kümmern sich mit Engelsgeduld um Kinder aus zerrütteten Familien, tragen das Leiden, die Einsamkeit und die Not von Kranken, Behinderten und Alten mit. Sind da, wenn sich alle anderen aus dem Staub gemacht haben.

Selbstlos, hilfsbereit, nie auf die Uhr blickend. Ehrenamtlich Engagierte sind mit Gold kaum aufzuwiegen. Und gehören doch zu den Vergessenen. Ihr Einsatz ist selbstverständlich geworden in einem Staat, der seine Aufgaben mit Hauptamtlichen oft nicht mehr erfüllen kann. Etwa 31 Millionen Menschen in Deutschland üben ein Ehrenamt aus - gewährleisten, dass die Gesellschaft funktioniert. Sie arbeiten meist deutlich mehr als die offiziell vorgegebenen zwei bis drei Stunden pro Woche. Häufig bis zu 20 Stunden, wie mir ehrenamtliche Büchereimitarbeiterinnen auf Schloss Hirschberg während eines Kurses des Sankt Michaelsbundes verraten haben.

Und der Dank? Höchstens mal ein Essen mit dem Pfarrer oder Bürgermeister. Das kann es nicht sein! Ein kleines Dankeschön – immerhin - ist die Ehrenamtskarte, die vergünstigte Eintritte oder Rabatte bietet. Eine reiche Stadt wie München jedoch verweigert sich diesem Prinzip – schmückt sich aber mit ehrenamtlich Tätigen – siehe Flüchtlingskrise. Unmöglich! Wir müssen die mehr stärken, die sich unentgeltlich engagieren. Sie und ich.

Aber auch die Politik. Eine feine Sache wäre ein Rentenkonto. Wer sich beispielsweise 15 Stunden in der Woche freiwillig engagiert, was fast einem Halbtagsjob entspricht, sollte Punkte sammeln können auf einem Rentenkonto. Denn: Gut dreiviertel der Ehrenamtler sind Frauen, davon die Mehrheit Hausfrauen. Und gerade die werden wenig bis keine Rente bekommen. Ein Ehrenamts-Rentenkonto wäre eine adäquate Anerkennung für ihre Arbeit in Jugendorganisationen, Caritas, Umwelt- und Tierschutz, Krankenhäusern. Das Ehrenamt ist das Herz vieler Einrichtungen und Organisationen. Und irgendwann sind Sie und ich dankbar für eine helfende Hand im Alter oder eine, die da ist im Sterben.

Von Susanne Hornberger

Die Autorin

Susanne Hornberger ist Chefredakteurin der Münchner Kirchenzeitung.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.