Mit 80 Jahren immer noch Messdiener
In Oberfranken stehen Senioren mit dem Priester am Altar

Mit 80 Jahren immer noch Messdiener

Ministranten in der katholischen Kirche: Das sind vor allem Kinder und Jugendliche. Auf eine Gemeinde in Oberfranken trifft das allerdings nicht zu - und das liegt nicht am Nachwuchsmangel.

Von Kathrin Zeilmann (dpa) |  Stöckach - 06.08.2017

Wenn die Glocken der Stöckacher Kirche am Sonntagabend um 18 Uhr schlagen, kommen sie zu ihrem Dienst: die Senioren-Ministranten, die in dem Ort im fränkischen Landkreis Forchheim den Pfarrer bei der Liturgie unterstützen. Dass die Männer zwischen 56 und 80 Jahren beim Gottesdienst nicht in den Kirchenbänken sitzen, sondern mit dem Priester einziehen, ihm Hostien und Wein zur Gabenbereitung bringen oder bei Festgottesdiensten das Weihrauchfass schwenken, ist ein ungewöhnliches Bild in der katholischen Kirche. Messdiener sind landläufig Kinder und Jugendliche, die nach der Erstkommunion mit dem Dienst beginnen und etwa im Alter von 18 Jahren wieder aufhören. Tatsächlich sind bundesweit etwa 98 Prozent der Ministranten Kinder und Jugendliche.

Motiviert aus innerer Überzeugung

Nicht so im nördlich von Nürnberg gelegenen Stöckach. Schon 1967 hatte der damalige Pfarrer die Idee, Erwachsene als Messdiener einzusetzen. Bis heute wird das so gehalten. "Es ist eine Tradition", sagt der 77 Jahre alte Wolfgang Riegler. "Wir machen das aus innerer Überzeugung", ergänzt Harald Jobst. Mit 56 Jahren sei er der Junior der Truppe. "Klingt komisch - in dem Alter noch irgendwo der Jüngste zu sein", sagt er schmunzelnd. Der älteste ist Richard Ruppenstein mit 80 Jahren. Sogar einen eigenen Namen hat die Gruppe: "SMS" - Seniorenministranten Stöckach, so hat sie ein früherer Pfarrer einmal getauft. Zuweilen ministrieren die "Ü50"-Messdiener auch zusammen mit Kindern und Jugendlichen. Es ist also nicht akuter Nachwuchsmangel, der die erwachsenen Ministranten in Stöckach Woche für Woche zu ihrem Dienst führt. Obwohl sich das Freizeitverhalten der Kinder und Jugendlichen natürlich verändert habe, räumt Riegler ein. Es gebe am Wochenende eben viele konkurrierende Freizeitangebote.

Bild: © KNA

Im "Normalfall" sind die Messdiener mindestens 50 Jahre jünger als in der Pfarrei im fränkischen Forchheim.

Umso mehr freut es Pfarrer Andreas Hornung, dass er auf die Ministranten mit der jahrzehntelangen Erfahrung zählen kann. Wenn in Stöckach die älteren Messdiener mit den jüngeren gemeinsam am Altar stünden, sei das ein besonderes Bild: "Diese Mischung symbolisiert sehr schön die Pfarrfamilie." Auch wenn er zugibt: "Zunächst war es etwas Außergewöhnliches für mich, dass die Ministranten älter sind als ich selbst." Einen Exoten-Status haben die Stöckacher Messdiener im Erzbistum Bamberg natürlich schon."

Im Dienst, bis die Gesundheit nachlässt

"Ältere Ministranten sind die Ausnahme", sagt Ministranten-Referent Tobias Bienert. Einen Nachwuchsmangel bei Messdienern könne er überhaupt nicht feststellen: Mehr als 10 000 Ministranten seien in der Erzdiözese aktiv, älter als 18 Jahre seien davon nur 702. Im größeren Erzbistum München-Freising ergab eine Zählung 22 500 Messdiener. Nur ein Prozent ist älter als 27 Jahre alt. Etwas höher ist der Altersschnitt der Messdiener im Liebfrauendom in München, wie ein Sprecher bestätigt. Die Senioren am Altar von Stöckach wollen ihren Dienst auf alle Fälle fortsetzen - so lange es die Gesundheit zulässt. "Irgendwann wird das Hinknien nicht mehr funktionieren", sagt Ruppenstein. Für Pfarrer Hornung wäre das aber kein Grund, die Messdiener aus ihrem Dienst zu entlassen: "Ach, auch dafür lässt sich dann eine Lösung finden, das wäre so schlimm nicht."

Von Kathrin Zeilmann (dpa)

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