Schachfigur
Kilian Martin über Kirche und Rechte

Den Fundamentalisten zuvor kommen

Standpunkt - Kilian Martin über Kirche und Rechte

Von Kilian Martin |  Bonn - 19.09.2017

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In der US-Kirche spielt sich ein Skandal ab. Hasserfüllte Fundamentalisten machten so lange Stimmung gegen einen missliebigen Priester, bis die Universität der Bischofskonferenz ihn von einem Vortrag auslud. Dem Jesuiten James Martin wurde sein Buch "Building a Bridge" zum Verhängnis; für viele allzu freundlich äußerte er sich darin über homosexuelle Katholiken. Die Absage seines Vortrags ist dennoch nichts weniger als ein Kotau vor einem immer mächtiger werdenden extremistischen Flügel. Und auch deutsche Katholiken muss bedenklich stimmen, wie absehbar diese Entwicklung vonstatten geht.

Denn die lauten und in letzter Konsequenz menschenverachtenden Stimmen aus dem rechtskatholischen Lager sind die Frucht einer jahrelangen politischen Fehlentwicklung. Das Aufkommen der "Alt-Right"-Bewegung in den USA ist längst nicht mehr nur ein politisches Problem, sondern schlägt sich nun auch in der Kirche nieder. Beim immer tiefer werdenden Bruch zwischen den politischen Richtungen hat sie es versäumt, sich klar genug zu positionieren. Nachdem die Rechte über Jahre als natürlicher Verbündeter etwa in Sachen Lebensschutz gehandelt wurde, kann sich die Kirche heute nicht mehr glaubwürdig von unhaltbaren Positionen in Fragen distanzieren. Im Fall James Martin forderten die antiliberalen Kräfte in der Kirche ihr gewohntes Recht ein; und bekamen es.

Katholiken in Deutschland sollte das Beispiel eine Mahnung sein, zumal im Wahlherbst. Denn wer in den Sozialen Netzwerken unterwegs ist, weiß: Katholische Fundamentalisten sprechen auch Deutsch. Auch in Deutschland etablieren sich Kräfte ähnlich der "Alt-Right"-Bewegung. Und auch in Deutschland sehen diese sich als natürliche Verbündete der Kirche in manchen politischen Fragen.

Die deutsche Kirche darf nicht zulassen, dass solche Stimmen ähnlich viel Einfluss erhalten wie es scheinbar in den USA geschieht. Doch das funktioniert nicht, indem man die Schmuddelkinder nur weit genug von sich weist. Denn gerade das lehrt das US-Beispiel: Wenn man sich nicht klar genug positioniert, tun es eben die anderen. Und diese Geister wird man schwer wieder los.

Von Kilian Martin

Der Autor

Kilian Martin ist Redakteur bei katholisch.de.

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