Regensburger Bischof predigt zum Ende der Vollversammlung

Voderholzer kritisiert schwindende Bibelkenntnis

Aktualisiert am 28.09.2017  –  Lesedauer: 
Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer während eines Interviews in Regensburg am 21. Juli 2016.
Bild: © KNA
Vollversammlung

Fulda ‐ Gegen eine Re-Germanisierung und zu viel Synodalität, aber für die Mission mit der Bibel: Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer spricht über die Vorbildfunktion des heiligen Bonifatius.

  • Teilen:

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer hat die deutschen Bischöfe zum Abschluss ihrer Herbstvollversammlung aufgerufen, die Bibelkenntnisse unter den Gläubigen zu fördern. Angesichts einer immer mehr schwindenden Bibelkenntnis selbst in kirchlichen Kreisen und eines Relevanz-Verlustes der biblischen Botschaft gelte es "die Liebe zur Heiligen Schrift zu entfachen und das Schriftstudium als 'Seele der Theologie' hochzuhalten", sagte Voderholzer am Donnerstag in der Schlussvesper im Fuldaer Dom. Vorbild dafür könne der heilige Bonifatius sein, der im Fuldaer Dom begraben ist. Der frümittelalterliche Missionar, der auch als "Apostel Deutschlands" bezeichnet wird, habe mit der Heiligen Schrift im Herzen Deutschland evangelisiert, so der Regensburger Bischof.

Voderholzer: "Ich bin froh, dass Bonifatius die Donar-Eiche gefällt hat"

Weiter sagte Voderholzer zu Bonifatius: "Ich bin froh, dass er die Donar-Eiche - Symbol und Kultstätte des germanischen Heidentums - gefällt, aus ihrem Holz eine Peterskirche gebaut und an ihre Stelle das Kreuz gesetzt hat." Der Regensburger Bischof verwies darauf, dass die Propagandisten einer Re-Germanisierung dies dem Heiligen immer übel genommen hätten. Sie hätten Bonifatius eine "vermeintliche 'Verweichlichung' der hehren germanischen Natur durch die jüdisch-christliche Ethik der Schwachen und Zu-kurz-Gekommenen vorgeworfen". Erst aus der Perspektive der Umkehr und der Kreuzesnachfolge sei jedoch der wahre und wahrhaftig humane Mehrwert der Botschaft des Evangeliums zu erfassen. Das Kreuz sei das Zeichen gewaltloser Toleranz, das uns zeigt, dass der Glaube in höchstem Maße eine Sache der Freiheit ist.

Skeptisch äußerte sich Voderholzer über das Prinzip der Synodalität, das Thema beim vorangegangenen Festakt zum 150. Jubiläum der Bischofskonferenz war. Vor einer wichtigen und notwendigen "Theologie der Gemeinschaft und der Kollegialität" fordere Bonifatius, "noch deutlicher eine Theologie der Personalität und der personalen Verantwortung in den Blick zu nehmen". Eine solche Theologie der Personalität entspreche ganz dem biblischen Gottes- und Menschenbild. "Die personale Inpflichtnahme darf nicht durch Gremien oder Synoden aufgehoben werden, durch letztlich anonyme Größen, hinter der die persönliche Zeugenschaft und auch die persönliche Verantwortlichkeit zu verschwinden droht", so Voderholzer. Die Kollegialiät der Bischöfe hebe daher die persönliche Verantwortung des einzelnen nicht auf, sondern setze sie voraus. Das 'Wir' sei nicht die Auflösung von Ich und Du, sondern deren Bestätigung und Stärkung ins Endgültige hinein. Deshalb sei es auch wichtig, dass im eucharistischen Hochgebet der Papst und der Ortsbischof mit ihren Namen genannt würden. (tja)