Kirche drängt auf nukleare Abrüstung

Vatikan lobt Friedensnobelpreis-Entscheidung

Aktualisiert am 06.10.2017  –  Lesedauer: 
Frieden

Vatikanstadt/Berlin ‐ Der Friedensnobelpreis 2017 hat keinen kirchlichen Träger, sorgt im Vatikan aber dennoch für Freude. Denn mit der Anti-Atomwaffen-Organisation ICAN verfolgt man ein gemeinsames Ziel.

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Der Vatikan hat die Vergabe des Friedensnobelpreises an die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN) gewürdigt. "Es ist Zeit, nukleare Rüstung zu stoppen und die Waffen zu zerstören", erklärte der Sekretär der für Friedensfragen zuständigen vatikanischen Behörde für ganzheitliche Entwicklung, Bruno Duffe, am Freitag auf Anfrage in Rom.

Duffe verwies auf eine Tagung zu atomarer Abrüstung, die der Vatikan am 10. und 11. November mit Papst Franziskus veranstaltet. Dazu werden unter anderem UNO-Generalsekretär Antonio Guterres sowie der ehemalige Generaldirektor der Internationalen Atomenergie-Behörde Muhammad Al-Baradei erwartet. Der einzige Weg zu einem sicheren Frieden führe über den Dialog, betonte Duffe. Es gelte mit einer Logik zu brechen, die auf Angst setze.

Duffe: Abrüstung muss einhergehen mit Entwicklung

Der Nobelpreis für ICAN sei ein Signal für Regierungen und Nichtregierungsorganisationen, für eine ausschließlich zivile Nutzung der Atomenergie zusammenzuarbeiten. Um zu einer atomwaffenfreien Welt zu gelangen, hänge viel von Diplomatie ab, aber auch von der "moralischen Verantwortung von Politikern und Wissenschaftlern", so Duffe. Ferner müsse der Kampf für Abrüstung einhergehen mit Einsatz für Bildung und nachhaltige Entwicklung. Als friedenspolitischen Grundsatz des Heiligen Stuhls nannte der Vatikanvertreter, "andere zu schützen, um sich selbst zu schützen".

Das Norwegische Nobelkomitee begründete seine Entscheidung am Freitag in Oslo damit, dass ICAN die Aufmerksamkeit auf die "katastrophalen humanitären Konsequenzen eines jeglichen Einsatzes von Atomwaffen" lenke; gewürdigt werden auch die "bahnbrechenden Bemühungen, ein vertragliches Verbot solcher Waffen zu erreichen".

Linktipp: Bischof Ackermann kritisiert Bundesregierung

Im Sommer wurde bei den Vereinten Nationen in New York über ein Verbot von Atomwaffen verhandelt - ohne die Bundesrepublik Deutschland. Bischof Stephan Ackermann hat dazu eine klare Meinung. (Artikel von Juni 2017)

Unterdessen forderte ICAN die deutsche Bundesregierung auf, dem UN-Vertrag für ein Atomwaffenverbot beizutreten. "Dies duldet nicht länger Aufschub", sagte Sascha Hach, Vorstandsmitglied der deutschen Sektion am Freitag bei einer Pressekonferenz in Berlin. Die Bundesregierung habe bisher die "einzigartige politische Bedeutung des Verbotsvertrages völlig verkannt", kritisierte Hach. Deutschland solle die Würdigung des UN-Vertrages durch das Nobelkomitee zum Anlass nehmen, dem Verbot beizutreten.

ICAN: Zwei Dutzend Atomwaffen in Deutschland

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) müsse sich dem "Bündnis der Deeskalation anschließen", forderte der ICAN-Vorstand. Am 7. Juli hatten in New York 122 Staaten das UN-Abkommen für ein Atomwaffenverbot beschlossen. Sie verpflichten sich darin, "nie, unter keinen Umständen" Atomwaffen zu entwickeln, herzustellen, anzuschaffen, zu besitzen oder zu lagern. Die Bundesregierung habe hingegen die Verhandlungen zum Verbotsvertrag "boykottiert", kritisierte Hach. In Deutschland seien etwa zwei Dutzend Atomwaffen stationiert, die nun trotz der aktuellen nuklearen Spannungen zwischen USA und Nordkorea sowie zwischen der Nato und Russland für Milliarden Euro modernisiert würden. (kim/KNA)