Das bedeuten die vier Adventssonntage
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Von liturgischen Farben und lateinischen Namen

Das bedeuten die vier Adventssonntage

Violett, violett, rosa, violett – so lassen sich die vier Sonntage im Advent nach den liturgischen Farben zusammenfassen. Doch dahinter steht noch viel mehr. Katholisch.de erklärt, was.

Von Julia Martin |  Bonn - 01.12.2019

Die Weihnachtszeit beginnt, wenn es nach dem Einzelhandel geht, im September. Durch den inflationären Warendruck von Spekulatius, Lichterketten und singenden Elchen kommt spätestens Ende November jeder in Vorweihnachtsstimmung. Ob von Vorfreude oder Genervtheit erfüllt, sei dahingestellt. Gut, wenn der Zeitpunkt mit dem tatsächlichen Beginn des Advents zusammenfällt. Dieser beginnt nicht etwa stets am 1. Dezember wie es Adventskalender vermuten lassen, sondern am ersten Sonntag im Advent, der zugleich der erste Sonntag im neuen Kirchenjahr ist.

Der Termin wird so errechnet: Die Adventszeit hat vier Sonntage. Der letzte Sonntag im Advent ist immer der Sonntag vor dem Weihnachtsfest am 25. Dezember. Er muss also zwischen dem 18. und dem 24. Dezember sein. In diesem Jahr fällt Heiligabend auf einen Dienstag. Fällt Heiligabend auf einen Sonntag, ist er damit gleichzeitig der vierte Adventssonntag. In diesem Fall - wie etwa 2017 - ist die am kürzesten mögliche Adventszeit.

Im Gegensatz zur Fastenzeit hat der Advent aber keine feste Anzahl an Tagen. Die Adventszeit kann daher zwischen 22 und 28 Tagen variieren. Genau gesagt beginnt der Advent mit der Vesper am Vorabend des ersten Adventssonntags. Konsequent würde diese mit dem Zeitpunkt des Sonnenuntergangs gebetet.

Der erste Sonntag

Mit dem ersten Sonntag im Advent beginnt für die Christen auch das neue Kirchenjahr. Die Anfangsworte des Eingangsgesangs der Messe (lateinisch "Introitus") stehen dabei für die Thematik des jeweiligen Gottesdienstes. Der erste Sonntag beginnt mit Psalm 25 "Ad te levavi animam meam" – "Zur dir erhebe ich meine Seele". Er handelt vom Vertrauen und der Treue zu Gott. Die liturgischen Texte in den Evangelien erzählen am ersten Sonntag von der Wiederkunft Christi am letzten Tag.

Im Jahr 2019/2020, dem Lesejahr A, stammt, das Evangelium von Matthäus. So werden an diesem Sonntag, wie auch am Großteil der Sonntage in diesem Jahr, die Texte aus dem Matthäusevangelium vorgelesen. Das Kommen des Menschensohnes,wie auch die dafür nötige Wachsamkeit und Bereitschaft der Glaubenden,sind Hauptthemen von Mt 24, 29-44.

Für Christen beginnt am ersten Sonntag im Advent die Zeit des Wartens, der Hoffnung, der Vorbereitung. Lieder wie "Wachet auf, ruft uns die Stimme" oder "O Heiland, reiß die Himmel auf" künden von der Ankunft und Menschwerdung Gottes an Weihnachten. Im Weihnachtsfestkreis hat das Kirchenjahr seinen ersten Höhepunkt.

Der zweite Sonntag

Das Warten und die Ankunft stehen im Zentrum des zweiten Adventssonntages. Im Evangelium wird Johannes der Täufer in den Fokus genommen. Matthäus, Mt 3, 1-12, vor dem Auftreten Jesu steht die Predigt des Johannes. Er sieht seine Aufgabe darin, die Menschen auf das Kommen des Messias vorzubereiten und zur Umkehr zu rufen –mit durchaus drastischen Worten.

An diesem Adventssonntag sind die Menschen ebenfalls zur Umkehr aufgerufen. Sie sollen sich an diesem Tag noch mehr auf das Kommen des Herrn einlassen. Demütig wartend und auf die Zeichen achtend.

Der dritte Sonntag: Gaudete! – Freut Euch!

Der dritte Sonntag im Advent unterscheidet sich schon farblich von den anderen. Statt Violett kann der Priester an diesem Tag die liturgische Farbe Rosa als aufgehelltes Violett tragen. Einige Menschen haben an ihrem Adventskranz auch für den 3. Advent eine rosa Kerze. Dieser Brauch ist vor allem in Irland und England beliebt. Vielen ist dieser Sonntag auch unter dem Namen "Gaudete" (lateinisch "Freut Euch!") bekannt. Das kommt aus dem Eingangsgesang, der es in sich hat: "Gaudete in Domino semper!" – " Freut euch im Herrn allezeit!" Dieser Vers aus dem Philipperbrief sagt: Der Herr ist nahe, es dauert nicht mehr lange. Der Imperativ verstärkt die Intention.

Am vergangenen zweiten Sonntag im Advent ging es umdie harsche Umkehrpredigt des Johannes. Heute erfahren die Gläubigen, wie Jesus über ihn denkt. Im Evangelium nach Matthäus (Mt 1t, 2-11) geht es an diesem Tag noch einmal um Johannes den Täufer, der die Menschen auf die Ankunft des Messias vorbereiten soll. Meist wird es so verstanden, dass Johannes im Gefängnis Zweifel ander Messianität Jesu kommen. Entspricht Jesus nicht seinen Erwartungen, ist er ihm zu zurückhaltend? Möglich ist aber auch die um-gekehrte Sicht: Johannes hört vom Auftreten Jesu und fragt sich, ob er vielleicht „der Kommende“ ist.

Der Adventssonntag sagt den Christen: Freut euch! Etwas Großes wird passieren. Jubelt, denn bald ist es so weit. Einen solche "freudigen Sonntag" gibt es auch nach der Halbzeit der Fastenzeit mit Blick auf Ostern, den 4. Fastensonntag "Laetare".

Der vierte Sonntag: Rorate

"Rorate caeli desuper, et nubes pluant iustum: aperiatur terra, et germinet Salvatorem."– "Tauet, ihr Himmel, von oben, ihr Wolken regnet den Gerechten: Es öffne sich die Erde und sprosse den Heiland hervor." Mit diesen bezeichnenden und eindringlichen Worten beginnt der letzte Sonntag vor Heiligabend und Weihnachten. Die Zeit, dass der Heiland kommt, ist fast da. Die Frühmessen im Advent sind ebenfalls nach diesem Wort benannt, da sie traditionell mit dem Eingangsvers begannen.

Das Evangelium dieses Tages (Mt1, 18-24) stellt Josef in den Mittelpunkt. Der Evangelist Matthäus stellt seinem Evangelium neben einem Stammbaum Jesu ein kleines Erzähldrama in fünf Akten voran, worin es darum geht, wer Jesus seinem Wesen nach ist. Das geschieht in fünf kleinen Geschichten rund um die Geburt Jesu.

Matthäus stellt seinem Evangelium in den ersten beiden Kapiteln eine sogenannte Kindheitsgeschichte voran. Eine solche wurde damals oft Lebensbeschreibungen großer Persönlichkeiten vorangestellt. Darin geht es nicht um historische Details über Geburt und Kindheit, sondern um Gesamtwesensmerkmale dieser Person, um Anspielungen auf wichtige Ereignisse ihres Lebens. Diese Kindheitsgeschichte erzählt Wahres von Jesus, aber nicht genau so äußerlich Geschehenes, sondern sie stimmt in Form von kleinen literarischen Erzählungen ein, wer Jesus seinem Wesen nach ist. Matthäus unterlegt die fünf Themen bzw. heilvollen Eigenschaften Jesu, auf die er einstimmen will, in Form von Schriftzitaten, die jeweils kleine Erzählepisoden abschließen. Für die Mehrheit seiner Gemeinde, die aus Judenchristen besteht, ist die Schriftgemäßheit des Heilswirkens Gottes in Jesus sehr wichtig.

Im Evangelium bietet Matthäus Josef als Wegbegleiter zu Jesus an; er ist die erste Identifikationsfigur des Evangeliums. Durch ihn nähern die Gläubigen sich Jesus, mit seinen Augen und noch mehr seinen Ohren. Josef handelt: Er sorgt für Maria, und vor allem gibt er dem Kind den gottgewollten Namen. Damit adoptiert er das Kind im damaligen Gesetzesverständnis und nimmt es als Vater offiziell an. Dazu gehört auch, dass Josef, der aus Davids Stamm ist, dadurch Jesus zum „Sohn Davids“ macht, ein Titel, der in den Evangelien häufig für Jesus bezeugt ist. Die Ehrenbezeichnung „Sohn Davids“ unterstützt das Bekenntnis, dass Jesus der Messias ist. 

Von Julia Martin

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Advent ohne Adventskranz ist unvorstellbar. Neben dem "Klassiker" aus Tanne haben wir nun einen umweltschonenden gebastelt.

Der Artikel erschien erstmals am 1. Dezember 2017 und wurde am 1. Dezember 2019 aktualisiert.