Chaldäischer Erzbischof spricht bei UN-Veranstaltung

Erzbischof: Christen spielen Schlüsselrolle für Irak

Aktualisiert am 01.12.2017  –  Lesedauer: 
Bild: © KNA
Christenverfolgung

Bonn ‐ Seit Monaten kehren Christen wieder zurück in ihre befreiten Dörfer in der Niniveh-Ebene. Doch noch ist die Gefahr des "Islamischen Staates" nicht gebannt, warnen Kirchenvertreter aus dem Irak.

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Laut Erzbischof Bashar Warda spielen Christen eine Schlüsselrolle für die Zukunft der irakischen Gesellschaft. Sie seien "Teil der Lösung, nicht des Problems", wenn es darum gehe, Frieden und Menschenrechte im Land zu etablieren, sagte er am Donnerstag in New York. Der Erzbischof von Erbil im Nordirak sprach bei einer Veranstaltung der Botschaft des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen, wie die US-Zeitung "Crux" berichtet.

Bashar Warda im Porträt
Bild: ©katholisch.de

Der Erzbischof der chaldäisch-katholischen Erzeparchie Erbil, Bashar Warda.

Teilnehmer der Veranstaltung forderten die Vereinten Nationen und die internationale Staatengemeinschaft auf, die zentrale Rolle der Christen für die Stabilität im Mittleren Osten anzuerkennen, heißt es im Bericht weiter. Darüber hinaus forderten sie mehr Hilfe und Schutz für die von der Terrormiliz "Islamischer Staat" verfolgten Minderheiten. "Es geht nicht nur darum, für verfolgte Christen zu beten, sondern auch zu wissen, wer sie sind", sagte Warda. Die Region sei das Stammland der ersten Christen überhaupt gewesen, weshalb es nicht damit getan sei, die Verfolgten als Flüchtlinge in den Westen zu holen. "Wenn wir all diese Gegenden verlassen, werden wir wohl eine wichtige und lebendige Gemeinde verlieren, die eine wirklich wichtige Rolle für die Region gespielt hat", warnte der Erzbischof.

Generalvikar: Überlassen unsere Stadt nicht wieder den Terroristen

Der Generalvikar des chaldäischen Bistums Alqosh, Salar Kajo, berichtete von seinen Eindrücken der Situation in der Niniveh-Ebene. Zwischenzeitlich seien über 1.000 christliche Familien in die befreite Stadt zurückgekehrt, sollten jedoch im vergangenen September erneut evakuiert werden. Kajo und weitere Vertreter der Kirchenführung hätten sich dem jedoch verweigert. "Wir würden unsere Stadt kein weiteres Mal der Zerstörung überlassen."

Zugleich warnte der Generalvikar, dass die Christen vor Ort jederzeit mit einer erneuten Vertreibung rechneten. "Sie sitzen auf gepackten Koffern", so Kajo. "Sie müssen verstehen, dass dies friedliche Menschen ohne militärische oder politische Macht sind. Sie wollen einfach nur in Frieden und in ihrem eigenen Land leben." Eindringlich warnte er zudem, dass die Christen für immer aus der Niniveh-Ebene vertrieben werden könnten, sollte in den kommenden Monaten keine Stabilität in der Region einkehren. (kim)