Militärpfarrer Stephan Frank bereitet sich auf Weihnachten vor

Weihnachten im Wüstenstaub

Aktualisiert am 17.12.2014  –  Lesedauer: 
Bild: © Bundeswehr
Mali-Blog

Bonn ‐ Jedes Jahr die große Frage vieler Pfarrer: Was mache ich dieses Jahr im Advent ? Wie kann man neue Akzente setzen angesichts der immer gleichen Lieder und Symbolik? Militärpfarrer Stephan Frank hat unterdessen ganz andere Probleme. In Mali funktionieren weder europäische Symbole noch deutsche Lieder. Die Planungen für das Weihnachtsfest im staubigen Koulikoro laufen unterdessen bereits auf Hochtouren.

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Mit Soldaten fernab der Heimat Advent und Weihnachten zu feiern ist bestimmt nicht leicht. Beim engen Dienstplan der Soldaten bleibt wenig Zeit für den Pfarrer. Unter dem afrikanischen Himmel tritt dann aber noch ein Problem hinzu: "Ich denk' mir immer, das ist wie an einem schönen Augusttag. Das Symbol Licht funktioniert hier nicht, das trägt nicht", klagt mir Militärpfarrer Stephan Frank bei unserem Telefonat sein Leid. Es gibt keinen Winter. Wo die Tage nicht dunkel und kurz sind, ist die Vorfreude auf das kommende Licht eher gering ausgeprägt. Zwischen Sahara und Savanne wirkt wohl auch der Duft frischer Tannenzweige eher fehl am Platze.

Trotzdem halten sie im Camp in Koulikoro an einigen europäischen Traditionen zur Advents- und Weihnachtszeit fest. Stephan Frank berichtet mir vom internationalen Weihnachtsmarkt, den sie am dritten Adventssamstag nach der Vorabendmesse veranstaltet hatten. Bei hochsommerlichen Temperaturen boten die Franzosen ein heißes Apfelgetränk mit Calvados und dazu Crêpes an, die Griechen steuerten süßes Gebäck bei und am Stand der Iren gab es Irish Coffee. Auch die Nepalesischen Soldaten, die im Auftrag der Britischen Krone in Mali sind, hatten eine Spezialität ihrer Heimat mitgebracht – ebenso die Bundeswehr, bei der es Bratwürste und Bier gab.

Bild: ©Bundeswehr

Aus der Vogelperspektive: Der Teil der Bundeswehr im Camp der EU-Mission in Koulikoro in Mali.

Frühsport, Frühstück, Büroarbeit

Abgesehen von solchen Aktionen ist der Advent im Camp geprägt vom Alltäglichen. Stephan Frank beginnt den Tag um 6 Uhr mit dem Frühsport. Nach dem Frühstück erledigt er dann Büroarbeiten, wie es auch die Pfarrer in der Heimat tun. Dabei hat er längst nicht so viel Verwaltungsarbeit zu erledigen. Die gewonnene Zeit will er den Soldaten schenken, indem er versucht, stets ansprechbar zu sein. "Man sieht sich jeden Tag. Ich sehe alle, wenn ich zum Essen gehe, oder mal draußen herum laufe. Sobald ich zur Tür hinausgehe, sind die Kameraden da", meint Stephan Frank.

Am Montag dieser Woche hat der Militärpfarrer bereits am Vormittag mit seinem Nachfolger gesprochen, der Anfang Januar nach Mali reisen wird. Für den hatte er einige Hinweise parat, die bei der Vorbereitung des Einsatzes zu beachten sind. "Das fängt bei so einfachen Dingen wie Waschpulver an, wenn man auch mal außer der Reihe waschen will", erklärt Stephan Frank. Die Feldpost aus dem Lager wird mit normalen Briefmarken frankiert, die man sich auch mitbringen sollte. Aus Mali schicken die Soldaten beispielsweise Holzschnitzereien und anderes Kunsthandwerk nach Hause. Die meiste Post geht aber den umgekehrten Weg zu den Soldaten. "Auf die Weihnachtspakete haben sie sich richtig gefreut. Da kam schon einiges an", berichtet Stephan Frank.

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Englische Messe, französisches Festmahl

Der Pfarrer selbst freut sich am Montag unterdessen auf die Ankunft eines belgischen Kollegen, der für den nächsten Tag erwartet wird. Der ist ebenfalls katholischer Priester. Mit ihm zusammen will Stephan Frank dann die Feier des Weihnachtsfestes im Camp angehen. Am Heiligabend wird es um 17 Uhr eine Christmette geben. Der Militärpfarrer hat sogar den Kirchenchor aus der heimischen Gemeinde angefragt, die Feier musikalisch zu begleiten. Den Gottesdienst will er auf Englisch feiern, damit möglichst alle ihm folgen können. Anschließend kommen alle Bewohner des Lagers zum gemeinsamen Weihnachtsessen zusammen, welches von den Franzosen organisiert wird. Am Weihnachtstag selbst will Stephan Frank um 9 Uhr im Franziskanerinnenkloster von Koulikoro die Messe feiern. Außerdem hat auch das Hauptquartier der EU-Mission in der nahe gelegenen Hauptstadt Bamako um einen Weihnachtsgottesdienst gebeten.

In den kommenden Tagen wird sich Stephan Frank also auf Weihnachten vorbereiten. Gebete suchen, Predigten schreiben – wie jeder andere Pfarrer auch. Trotzdem will er weiterhin jeden Tag die Menschen im Lager besuchen. Für den Advent hat Militärpfarrer Frank nämlich auch kleine Geschenke mitgebracht, die er noch verteilen muss: 24 kleine Anselm-Grün-Bücher mit Gedanken und Gebeten für den Tag. Dass die aber gar nicht für alle ausreichen würden, hatte er vor seiner Abreise leider nicht bedacht. "Aber gut, so ist es eben. Auch eine Erfahrung."

Von Kilian Martin

Mali-Blog

In dieser Serie berichtet unser Volontär Kilian Martin etwa alle vierzehn Tage in Form von Blogposts von seinen Gesprächen mit Militärpfarrer Stephan Frank. Der ist seit Mitte November im Einsatz bei der EU-Trainingsmission in Mali. Martin und Frank sind befreundet.