Vaterunser: Auch "Liturgie"-Bischof gegen Änderung
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Bischof Ackermann kann Kritik des Papstes aber nachvollziehen

Vaterunser: Auch "Liturgie"-Bischof gegen Änderung

Gebete - Bischof Stephan Ackermann kann die Kritik des Papstes an der Vaterunser-Übersetzung zwar nachvollziehen. Ändern will er das Gebet aber nicht. Die anderen Bischöfe sieht er dabei auf seiner Seite.

Trier - 15.12.2017

Das Vaterunser in der katholischen Kirche Deutschlands muss nach Ansicht des Trierer Bischofs Stephan Ackermann nicht geändert werden. "Wir sollten die deutsche Übersetzung so lassen", sagte Ackermann, der auch Vorsitzender der Liturgiekommission der Deutschen Bischofskonferenz ist. Er könne die Kritik von Papst Franziskus an dem Passus "Und führe uns nicht in Versuchung" zwar nachvollziehen. "Aber ich würde trotzdem bei unserer Übersetzung bleiben", sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

"Ich sehe auch nicht, dass wir in Deutschland bisher eine andere Meinungsbildung unter den Bischöfen hätten", sagte Ackermann weiter. Die Äußerung des Papstes empfinde er zudem nicht als dezidierten Auftrag zum Handeln. Unter anderem hatten sich die Bischöfe Peter Kohlgraf (Mainz) und Rudolf Voderholzer (Regensburg) ähnlich wie Ackermann geäußert.

Der Papst hatte die in vielen Sprachen gebräuchliche Übersetzung des Vaterunser bemängelt. Die Bitte "Und führe uns nicht in Versuchung", sei "keine gute Übersetzung", hatte er in einem Interview gesagt - und fügte hinzu: "Lass uns nicht in Versuchung geraten" träfe es besser. Es sei nicht Gott, sondern Satan, der den Menschen in Versuchung führe.

Auch Kardinal Marx gegen Neuübersetzung

Ackermann sagte, es handele sich um "die getreue Übersetzung des griechischen Originals". Und er verstehe den Satz nicht so, dass Gott den Menschen zum Bösen verführen wolle. Es gehe vielmehr um Situationen der Erprobung: "Ich glaube, hier geht es darum, dass der Betende nicht aus der Haltung des Selbstbewussten, des Unangefochtenen spricht, sondern um seine Versuchbarkeit weiß."

Auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hält eine deutsche Neuübersetzung nicht für notwendig. Er habe in dieser Woche darüber auch kurz mit Papst Franziskus in Rom gesprochen, sagte Marx am Freitag in München. Mit seiner Interviewäußerung gegenüber einem italienischen Fernsehsender habe der Papst "keine Handlungsanweisung gegeben". Marx sagte vor Journalisten, "man sollte den Text so lassen, aber ihn besser interpretieren". Auch er geht davon aus, dass dies auch die meisten anderen deutschen Bischöfe so sähen.

Kardinal Schönborn begrüßt Debatte

Unterdessen begrüßt der Wiener Kardinal Christoph Schönborn die derzeitige Debatte. Papst Franziskus habe "eine Diskussion ausgelöst, die etwas Gutes hat: über das Vaterunser nachzudenken", schreibt Schönborn in seiner Freitagskolumne in der Wiener Gratiszeitung "Heute". Es sei das Gebet Jesu, und "es tut gut, es einfach oft zu beten".

Schönborn sagte, er selbst bete diese Bitte in folgendem Sinn: "Guter Gott, du weißt, dass ich schwach bin. Du kennst mich besser, als ich mich selber kenne. Hilf mir, dass ich nicht in Situationen komme, in denen die Versuchung stärker ist als mein Wille. Lass mich nicht in Versuchung geraten. Und hilf mir, dass ich mich nicht selber leichtfertig in Versuchung bringe." (bod/dpa)

15.12.2017, 14 Uhr: Ergänzt um ein Statement von Kardinal Marx