Woelki weist Kritik an Weihnachtspredigten zurück
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Kölner Kardinal sieht weder Parteinähe noch zu viel Politik

Woelki weist Kritik an Weihnachtspredigten zurück

Kirche - Die Christmette sei wie eine Veranstaltung der Jusos oder Grünen. Und die Bischöfe machten zu viel Tagespolitik. Für den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki sind diese Behauptungen "Unfug".

Köln - 28.12.2017

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hat jüngster Kritik an den kirchlichen Weihnachtspredigten widersprochen. Es sei ein falscher Eindruck, dass die Predigten in diesem Jahr politischer ausgefallen seien als sonst, sagte er am Donnerstag im ARD-Morgenmagazin. Die Bischöfe versuchten stets, das Evangelium in die heutige Zeit zu übersetzen und auf die aktuelle Situation der Menschen zu beziehen.

CDU-Bundesvize Julia Klöckner hatte sich zuvor kritisch zu tagespolitischen Stellungnahmen der Kirchen geäußert. Zwar fordere die christliche Botschaft "gesellschaftspolitische Haltung", es sei aber wichtig, "dass Kirchen nicht parteipolitische Programme übernehmen", sagte sie der "Bild"-Zeitung (Mittwoch). Und sie ergänzte: "Es kommt vor, dass aus manchen Kirchenkreisen mehr zum Thema Windenergie und Grüne Gentechnik zu hören ist, als über verfolgte Christen, über die Glaubensbotschaft oder gegen aktive Sterbehilfe." Für Debatten hatte zudem ein Tweet von "Welt"-Chefredakteurs Ulf Poschardt gesorgt ("Wer soll eigentlich noch freiwillig in einer Christmette gehen, wenn er am Ende der Predigt denkt, er hat einen Abend bei den #Jusos bzw. der Grünen Jugend verbracht?").

Der Vorwurf einer zu großen Parteinähe sei "Unfug", betonte Woelki. Die Kirchen orientierten sich am Evangelium. Dessen Botschaft selbst habe Konsequenzen; wenn es etwa um den Erhalt der Schöpfung oder die Würde des Menschen gehe, wirke sich das auf den Umgang mit der Umwelt oder auf Migrationsfragen aus. "Wir können nicht von Gott sprechen, ohne vom Menschen zu sprechen", so Woelki.

Zulehner: Man müsste die Bibel ansonsten verbrennen

Ähnlich wie Woelki äußerte sich der Wiener Pastoraltheologe Paul Zulehner. Es sei die Aufgabe von Christen, sich für die sozial Versehrten einzusetzen; "man müsste die Bibel verbrennen, wenn sich die Kirche da heraushalten sollte", sagte Zulehner im Interview der Zeitung "Kurier" (Donnerstag). Parteipolitisch müsse sich die Kirche herausnehmen. "Geht es aber um Politik generell - um die Würde des Menschen, um Gerechtigkeit, um die Unversehrtheit des Lebens - ist die Kirche verpflichtet, sich einzumischen."

Aus Sicht des Evangeliums gebe es keine Menschen zweiter Klasse, betonte Zulehner. Es gebe auch "kein Wellness-Christentum". Die Kirche könne nicht für Menschenwürde eintreten "und dann schweigen, wenn Menschen unter die Räder kommen". Wenn sich manche in einer Messe wie in einer Juso-Veranstaltung vorkommen, so der Theologe, dann "müssen sie das aushalten". Die Kirche könne nicht schweigen, "wenn es um die Unversehrtheit des Lebens, um Menschenwürde, um Gerechtigkeit und Freiheit, auch um Religionsfreiheit, geht".

"Das Evangelium kennt nur einen Gott, und dieser Gott ist Mensch geworden", sagte Zulehner weiter; "damit vertragen sich keine verschiedenen Klassen von Menschen". Wenn Parteien wie die AfD sagten, sie müssten das christliche Abendland retten, dann müsse man antworten, so der Wiener Theologe: "Man muss das Christliche im Abendland vor Parteien wie der AfD retten." (bod/KNA)

28.12.2017, 11.55 Uhr: aktualisiert um das Statement Zulehners