Muttergottes im Mittelpunkt
Franziskus feiert Messe mit mehr als 100.000 Pilgern

Muttergottes im Mittelpunkt

Jahr des Glaubens - Es war einer der Höhepunkte im "Jahr des Glaubens" , und mehr als 100.000 Pilger kamen: Ein Wochenende lang stand im Vatikan die Verehrung der Muttergottes im Mittelpunkt. Eigens dafür war die Statue der Madonna von Fatima aus Portugal nach Rom gebracht worden - erst mit dem Flugzeug, dann mit dem Hubschrauber in den Vatikan.

Vatikanstadt - 14.10.2013

Und den Auftakt zu diesem "Marianischen Tag" machte derjenige, unter dem das "Jahr des Glaubens" begonnen hatte: Benedikt XVI . nahm die Figur, die an die Marienerscheinungen im Jahr 1917 erinnert, in der Kapelle seiner Unterkunft im Vatikan in Empfang und widmete ihr ein stilles Gebet. Danach begrüßte sie Papst Franziskus am Gästehaus Santa Marta. Nur wenige Male hat die Madonnenstatue in den letzten knapp hundert Jahren Fatima verlassen, wo nach kirchlichem Urteil die Muttergottes mitten im Ersten Weltkrieg zu drei Hirtenkindern gesprochen hatte.

Nun kam sie zu einem Papst, der seit Beginn seiner Amtszeit immer wieder eine besondere Marienfrömmigkeit gezeigt hat. Gemeinsam mit Zehntausenden feierte Franziskus am Samstagabend im Angesicht der Figur eine Andacht. Bei der Prozession zuvor grüßten sie die Pilger mit den traditionellen weißen Stofftaschentüchern. Es war ein besonderer Moment, als die von Schweizergardisten und vatikanischen Gendarmen geleiteten Träger an genau der Stelle auf dem Platz hielten, wo am 13. Mai 1981 die Schüsse auf Papst Johannes Paul II. fielen. Später wurde eines der Projektile in die Krone der Madonna von Fatima eingearbeitet. Johannes Paul II. sah in ihr seine Retterin.

Papst: Die Nähe zu Maria führt zu Gott

Mit ihrer Bereitschaft, Gottes Willen zu erfüllen und seinen Sohn zu gebären, habe Maria den Knoten zwischen Gott und den Menschen gelöst, sagte Franziskus. Die Hinwendung zu ihr könne auch helfen, die "inneren Knoten" zu entknüpfen, die durch die Sünde in den Menschen entstünden, führte der Papst aus. "Sie sind gefährlich, denn mehrere Knoten können zu einem Knäuel werden, das immer schmerzhafter wird und immer schwieriger zu lösen ist." Die Nähe zu Maria dagegen führt nach den Worten des Papstes zu Gott, durch dessen Gnade auch die verworrensten Knoten entwirrt werden könnten.

Menschen in Marienheiligtümern auf der ganzen Welt - von Australien und Indien bis Mexiko und Kenia - beteiligten sich an einer Gebetswache, die dann in der Nacht auf Sonntag unter den Augen der Fatima-Madonna im römischen Heiligtum der "Madonna der Göttlichen Liebe" gehalten wurde. Papst Franziskus grüßte sie in einer gleichzeitig ausgestrahlten Videobotschaft. Erst am Morgen kehrte die Figur zurück auf den Petersplatz. Dieser reichte nicht aus, um die Menge aus aller Welt aufzunehmen, die an der Festmesse mit dem Papst teilnahm.

In Maria, so Franziskus in seiner Predigt, zeige sich, wie Gott die Menschen überrasche. Die spätere Mutter Jesu sei erstaunt gewesen, "dass Gott ausgerechnet sie erwählt hat, ein einfaches Mädchen aus Nazareth, das nicht in den Palästen der Macht und des Reichtums wohnt, das keine außerordentlichen Heldentaten vollbracht hat, das aber offen ist für Gott und fähig, ihm zu vertrauen", führte Franziskus aus. Ebenso zeige sich, dass Gott den Menschen die freie Entscheidung überlasse, seinem Wort zu folgen.

Christen sollten ihr Bekenntnis in den alltäglichen Handlungen bezeugen

Der christliche Glaube verlange täglichen Einsatz, so der Papst weiter. Die Gläubigen sollten sich fragen: "Bin ich ein Gelegenheitschrist, oder bin ich immer Christ?" Eine Kultur des Provisorischen und Relativen dringe auch in die Art und Weise ein, den Glauben zu leben, sagte der Papst am Sonntag bei einer Marienmesse auf dem Petersplatz. Christen sollten ihr Bekenntnis aber jeden Tag und in den alltäglichen Handlungen bezeugen.

Vor diesem "Marianischen Tag" war berichtet worden, Papst Franziskus werde eine Weltweihe an die Madonna von Fatima vornehmen. So explizit formulierte er es dann doch nicht. Doch der Gottesmutter weihte er die Sorgen und Nöte der Menschen. "Lehre uns deine Liebe für die Kleinen, die Armen, die Ausgeschlossenen, die Leidenden, für die Sünder und die Verirrten", so Franziskus. Anschließend berührte der Papst die bloßen Füße der im Jahr 1920 geschaffenen Figur. Auf sie warteten nach der Messe der Helikopter und eine Maschine auf Roms Flughafen Fiumicino.

Von Christoph Schmidt (KNA)