Schönborn: Frauendiakonat könnte eingeführt werden
Wiener Kardinal zu Diakoninnen, Priesterinnen und dem Papst

Schönborn: Frauendiakonat könnte eingeführt werden

Diakoninnen, Priesterinnen und der Papst: Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn spricht darüber, was die Kirche ändern kann und was nicht. Außerdem nimmt er zur internen Kritik an Franziskus Stellung.

Wien - 20.06.2018

Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn hat sich für das Frauendiakonat in der katholischen Kirche stark gemacht. "Es hat Diakoninnen gegeben in den ersten Jahrhunderten. Das könnte auch wieder eingeführt werden", sagte Schönborn am Montagabend im TV-Sender OE24. Die Einführung dieser ersten Weihestufe für Frauen sei demnach im Gespräch.

Eine Priesterweihe für Frauen schließt Schönborn dagegen aus. Priesterinnen habe es in der katholischen Kirche nie gegeben, sagte er. "Das wäre ein zu tiefer Eingriff in die 2.000-jährige Tradition, und auch Papst Franziskus hat gesagt: Das ist nicht vorgesehen."

Im Sommer 2016 hatte Papst Franziskus eine Studienkommission zum Diakonat der Frau gegründet. Die Kommission soll die Aufgabenfelder von Diakoninnen in der frühen Kirche untersuchen. Ob die späteren Ergebnisse auch Auswirkungen auf eine mögliche Zulassung von Frauen zur Diakonenweihe haben können, ließ der Vatikan bisher offen. Einer Priesterweihe für Frauen erteilte die vatikanische Glaubenskongregation dagegen erst vor wenigen Wochen eine deutliche Absage. Darüber habe das unfehlbare Lehramt der Kirche entschieden, betont deren Präfekt, Erzbischof Luis Ladaria.

Benedikt, der grandiose Professor

Schönborn sprach mit dem Sender OE24 außerdem über die beiden Päpste Franziskus und Benedikt XVI. Der amtierende Papst sei "ein Mann, der das Evangelium verkörpert". Die interne Kritik an ihm, dass er "zu wenig klar" sei und "zu wenig Linie" habe, teile er überhaupt nicht. Im Gegenteil sei er sehr zufrieden mit Franziskus. Das treffe aber auch auf dessen Vorgänger zu, die der Wiener Kardinal "sehr gut gekannt" habe.

Joseph Ratzinger sei ein "grandioser Professor" gewesen und das auch als Papst geblieben, erklärte Schönborn." Seine Lehre war hervorragend, spannend." Es gebe auch viele Nichtchristen, die mit Faszination seine Schriften lesen würden. Franziskus sei demgegenüber "ein Mann der Begegnung". Das sehe man in der Art, wie er Menschen umarme. (bod)