Metropolit: Auch Katholiken sind Häretiker
Stark anti-ökumenische Töne aus Russland

Metropolit: Auch Katholiken sind Häretiker

Orthodoxie - Das schwierige Verhältnis von katholischer und russisch-orthodoxer Kirche hat sich in jüngster Zeit deutlich verbessert. Doch jetzt meldet sich ein ranghoher Geistlicher zu Wort – mit massiv anti-katholischen Tönen.

Moskau - 20.06.2018

Der russisch-orthodoxe Metropolit Kliment von Kaluga und Borowsk hat die katholische Kirche scharf kritisiert. Die Meinungen von Katholiken "und anderen Häretikern" über Gott seien inakzeptabel, schrieb er laut "Asia News" in einer am Montag veröffentlichten Predigt. Demnach wies der Metropolit die seiner Meinung nach weit verbreitete Ansicht zurück, dass "alle Religionen von dem einen Gott sprechen". Laut Kliment "müssen wir die religiösen Traditionen anderer Menschen respektieren, aber dies erlaubt uns nicht, unserem eigenen Glauben gleichgültig zu sein".

Schon die unterschiedlichen christlichen Konfessionen hätten divergierende Gottesbilder, führte der Metropolit aus. Deshalb "ist der Grund für den Bruch in der eucharistischen Gemeinschaft mit Katholiken und anderen Häretikern … gerade die Tatsache, dass die Kirche, ihre heiligen Väter und heiligen Konzilien deren Ansichten über Gott für inakzeptabel hielten". Die nicht-orthodoxen christlichen Gottesvorstellungen führten "zu einer Katastrophe im geistlichen Leben" und verhinderten "die Verwirklichung des Heilsplans", schrieb der Metropolit weiter.

Kritik an Franziskus

Kliment kritisierte in dem Zusammenhang auch den heiligen Franz von Assisi. Franziskus habe lediglich versucht, Christus "äußerlich" nachzuahmen, vierzig Tage lang zu fasten, Leiden zu akzeptieren und materiellen Reichtum aufzugeben.  Doch für Kliment "ist es nicht die Entsagung des Reichtums, die uns rettet, sondern die Vereinigung mit Christus". Der russische Mystiker Seraphim von Sarow († 1833) dagegen habe schlicht seine eigene Sünde und Unvollkommenheit erkannt, was ihm göttliche Gnade eingebracht habe.

Metropolit Kliment gilt innerhalb der russisch-orthodoxen Kirche als Traditionalist und Kreml-treu. Seine jetzt veröffentlichte Predigt kann als Antwort auf die jüngsten Annäherungsversuche und gemeinsamen Aktivitäten von katholischen und russischen Kirchenfunktionären verstanden werden. Das lange Zeit schwierige Verhältnis zwischen den Konfessionen hatte sich in der jüngeren Vergangenheit deutlich verbessert. 2016 trafen sich mit Papst Franziskus und dem Moskauer Patriarchen Kyrill I. erstmals die beiden Kirchenoberhäupter. (tmg)