Huonder: Verhütung gehört zur Kultur des Todes
Bischof von Chur schreibt Hirtenbrief zu Ehe und Familie

Huonder: Verhütung gehört zur Kultur des Todes

Schweiz - Der Schweizer Bischof Vitus Huonder verurteilt jede Form von Verhütungsmitteln - und empfiehlt stattdessen die natürliche Familienplanung: Doch auch beim Thema Enthaltsamkeit ist für ihn nicht alles erlaubt.

Chur - 29.06.2018

Der Schweizer Bischof Vitus Huonder (76) hat in seinem jüngsten Hirtenbrief jede Form von Verhütungsmitteln verurteilt. "Verhütung gehört zur Kultur des Todes, von welcher der heilige Papst Johannes Paul II. immer wieder gesprochen hat", heißt es in dem am Freitag veröffentlichten Schreiben des Bischofs von Chur. Allerdings seien sich viele dessen nicht bewusst, weil ihnen diese Zusammenhänge nicht aufgezeigt würden.

Laut Huonder steht Verhütung nicht nur im Widerspruch zur göttlichen Schöpfungsordnung, sondern auch im Gegensatz zur ehelichen Liebe. Diese solle "vollmenschlich", ganzheitlich, treu und ausschließlich sowie fruchtbar sein. Mit Empfängnisverhütung lehnten die Ehegatten einen Teil der Frau, ihre natürliche Fruchtbarkeit, ab. Es gehe um Handlungsweisen und um die Frage, womit der Mensch seine Geschlechtlichkeit steuere, schreibt der Bischof: "Ob er es mit seinem Charakter, mit Selbstbeherrschung tut oder ob er die Steuerung einem Verhütungsmittel beziehungsweise einem Dritten, zum Beispiel dem Arzt, überlässt."

Huonder: Enzyklika Humanae vitae hat prophetische Bedeutung

Der Bischof empfiehlt stattdessen die sogenannte natürliche Empfängnisregelung. Enthaltsamkeit an den fruchtbaren Tagen könne "ein leiblicher Akt der Liebe" sein. Zugleich warnt Huonder, dass auch diese von der Kirche empfohlene Variante missbraucht werden könne – "durch eine verhütende Gesinnung". Es müssten berechtigte Gründe vorliegen, warum ein Ehepaar auf die Weitergabe des Lebens verzichten will. Huonder betonte, dass auch die Zeit der Enthaltsamkeit keine "Zeit ohne Liebe" sei, sondern die Liebe zum Ausdruck bringe, indem das Paar miteinander spreche und aufeinander Rücksicht nehme.

Die natürliche Familienplanung kommt ohne hormonelle Zusatzmittel aus, sondern nimmt stattdessen den Zyklus der Frau in den Blick.

Der Hirtenbrief ist mit "Humanae vitae – ein bleibendes Paradigma – 50 Jahre danach" betitelt. Huonder spricht dieser Enzyklika von Papst Paul VI. eine prophetische Bedeutung zu, weil alle Befürchtungen, die der Papst gegenüber Verhütungsmitteln geäußert habe, eingetroffen seien. Eine Entkoppelung von Sexualität und Fortpflanzung habe dazu geführt, dass Frauen nicht mehr als Person respektiert, sondern als Objekt der Triebbefriedigung angesehen würden. Die sexuelle Freizügigkeit behindere die persönliche Reifung der Jugendlichen und destabilisiere Ehen und Familien, was zu Bindungsunfähigkeit führe.

Auch Abtreibungen ließen sich mit Verhütung nicht wirksam verhindern. Im Gegenteil wirkten manche Mittel "frühabtreibend", weil sich die befruchtete Eizelle nicht in der Gebärmutter einnisten könne. Problematisch sei auch die künstliche Befruchtung: "Die neuen Fortpflanzungstechnologien verbrauchen nämlich unzählige Embryonen". Schließlich schreibt Huonder von einer besorgniserregenden demografischen Lage. "Die europäischen Völker ersetzen die Generationen nicht mehr. Sie sind zu sterbenden Völkern geworden." Es brauche mehr als zwei Kinder pro Familie.

Huonder gilt in der Schweiz als exponierter Vertreter eines konservativen Kirchenflügels. 2017 hatte der Papst sein kirchenrechtlich vorgeschriebenen Rücktritt aus Altersgründen nicht angenommen und seine Amtszeit um zwei Jahre bis Ostern 2019 verlängert. Das Bistum Chur gilt als polarisiert, nachdem der Bischof immer wieder mit kontroversen Stellungnahmen zu Sexualität, Kirchenverfassung und Lebensschutz für Aufsehen sorgte. (luk)