ZdK kritisiert Gefühlskälte in Flüchtlingsdebatte
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Thomas Sternberg über Humanität in der Gesellschaft

ZdK kritisiert Gefühlskälte in Flüchtlingsdebatte

Flüchtlinge - Die Flüchtlingsfrage wird fast ausschließlich mit Sicherheitsaspekten und Terrorismus verknüpft, sagt ZdK-Präsident Thomas Sternberg. Für ihn ist das eine "toxische Mischung".

Köln - 05.07.2018

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, hat die Flüchtlingsdebatte in Deutschland deutlich kritisiert. Zugleich betonte er am Donnerstag im Deutschlandfunk, die Flüchtlingsfrage könne nur europäisch gelöst werden. Vielleicht sei das Gute an dem Streit zwischen CDU und CSU über die Asylpolitik, dass jetzt wieder europaweit diskutiert werde.

"Ich wundere mich über die Gefühlskälte, mit der das Ertrinken von Flüchtlingen in der öffentlichen Debatte hingenommen wird", sagte der Chef des obersten katholischen Laiengremiums in Deutschland. Begriffe wie "Flüchtlingsflut" sollten vergessen machen, dass es um konkrete Menschen und Einzelschicksale gehe. "Der Skandal ist riesengroß", sagte Sternberg mit Blick auf den Tod von Flüchtlingen im Mittelmeer. "Das ist eine Anfrage an die Humanität unserer Gesellschaft."

Flüchtlingsfrage mehr als Sicherheitsaspekte und Terrorismus

Sternberg kritisierte eine Verknüpfung der Flüchtlingsfrage fast ausschließlich mit Sicherheitsaspekten und Terrorismus. Populistische Bewegungen in Europa hätten diese "toxische Mischung" hergestellt und Ängste der Menschen systematisch verstärkt und ausgenutzt. Flüchtlinge würden für alle möglichen gesellschaftlichen Probleme verantwortlich gemacht.

Die Umkehrung der Flüchlingsdebatte hat nach Auffassung des ZdK-Präsidenten auch damit zu tun, dass die Menschen in den westlichen Staaten die Erkenntnis verdrängten, dass ihr eigener Lebensstil damit zu tun habe. "Alle wissen, dass es noch mehr Armutsflüchtlinge geben wird, wenn wir so weiter leben", sagte Sternberg. "Wir werden uns mit diesen Fragen weiter beschäftigen müssen." Der ZdK-Präsident forderte, in der politischen Debatte stärker über die Situation in den Herkunftsstaaten und die Beseitigung von Fluchtursachen nachzudenken. (KNA)