Selbstverständnis von Bischöfen und Priestern soll auf den Prüfstand

Weltbischofssynode zum Thema Missbrauch gefordert

Aktualisiert am 24.08.2018  –  Lesedauer: 
Weltkirche

Köln ‐ Vor dem Hintergrund der weltweiten Missbrauchsskandale kommen Stimmen auf, die eine Weltbischofssynode zum Thema Missbrauch fordern. Ein entsprechender Bischofsbrief ist bereits beim Papst eingegangen.

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Nach dem Bischof von Portsmouth, Philip Egan, hat sich auch der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller für eine Bischofssynode der Weltkirche zum Thema Missbrauch ausgesprochen. Die Vertuschung von Missbrauch in der Kirche auch durch Bischöfe sei ein großes Problem und bedürfe einer weltweiten Beratung, sagte er dem Kölner domradio. Zwar habe in Europa und in den USA mittlerweile ein "gewisses Bewusstsein bei Bischöfen eingesetzt", jedoch fehle ein solches noch bei denen in Afrika, Asien und Lateinamerika.

Vor dem Hintergrund der weltweiten Missbrauchsskandale hatte Bischof Egan am Mittwoch eine Weltbischofssynode vorgeschlagen. In einem Brief an Papst Franziskus schlug er vor, das Treffen solle sich mit dem Selbstverständnis von Priestern und Bischöfen befassen. Unter anderem regte er eine Supervision für Geistliche an. Zudem sollten diözesane Verhaltensstandards kirchenrechtlich vorgeschrieben werden. Hintergrund des Vorschlags, den Egan auch im Internet veröffentlichte, ist der Aufruf von Papst Franziskus zu einer durchgreifenden Erneuerung der katholischen Kirche angesichts neu bekanntgewordener Skandale in Pennsylvania, Australien und Chile. Eine außerordentliche Bischofssynode müsste vom Papst einberufen werden.

"Die moralische Katastrophe ist groß"

Dass der Papst mit Bischöfen das Problem bespricht "und überlegt, dass man nicht nur erschütternde Briefe schreibt und um Verzeihung bittet", halte er für sinnvoll, sagte Schüller. Schon in der Ausbildung von Priestern und durch Präventionsmaßnahmen müssten die Missbrauch und Vertuschung begünstigenden Ursachen vermieden werden. "Denn die moralische Katastrophe ist so groß, dass die Kirche im Moment jegliche Glaubwürdigkeit in diesem Punkt verloren hat."

Als eine präventive Maßnahme nannte Schüller Screenings in allen Priesterseminaren vor der Aufnahme, wie es sie schon in den USA gebe. Ein weiterer Punkt sei in der Ausbildung die tabufreie Behandlung der Themen Sexualität, sexuelle Identität sowie Umgang mit Nähe und Distanz. Die Hauptgründe für Missbrauch durch Geistliche seien ja nicht Pädophilie oder der Zölibat, sondern eine Unreife im Umgang mit der eigenen Sexualität. "Und solange das tabuisiert wird und nicht zur Sprache kommt, werden wir weiter Missbrauch in der Kirche haben", sagte Schüller. (tmg/KNA)