Von Heiligen und Tieren
Gottesmänner und ihre tierischen Helfer

Von Heiligen und Tieren

Tiere sind wie Menschen ein Teil der göttlichen Schöpfung. In vielen Legenden spielen sie als Helfer von Heiligen eine wichtige Rolle. Am heutigen Welttierschutztag stellt katholisch.de einige weniger bekannte Gottesmänner und ihre tierischen Helfer vor.

Von Roland Müller |  Bonn - 04.10.2018

Heute feiert die Kirche den Gedenktag des heiligen Franziskus von Assisi. Der Ordensgründer aus Mittelitalien hatte eine besondere Beziehung zu Tieren: So predigte er etwa vor einem Schwarm Vögel und zähmte einen gefährlichen Wolf. Wie passend also, dass heute auch der internationale Welttierschutztag begangen wird. Auch von anderen heiligen Männern und Frauen werden Legenden erzählt, in denen Tiere eine wichtige Rolle spielen. Katholisch.de stellt fünf Heilige und ihre tierischen Freunde vor.

Gallus: Bär

Der heilige Gallus (um 550-640) wirkte im 7. Jahrhundert als Wandermissionar in der Gegend rund um den Bodensee. Der aus Irland oder Frankreich stammende Heilige wird oft mit einem Bären dargestellt. Das von ihm gegründete Kloster St. Gallen in der Schweiz führt das Tier sogar in seinem Wappen. Der Grund dafür ist eine Legende, die dem Heiligen zugeschrieben wird:

Nach einer langen Wanderung übernachtete Gallus mit seinem Gefährten Hiltibod im Freien. Während Hiltibod schon schlief, war Gallus noch wach und saß am Lagerfeuer. Plötzlich erschien ein Bär und richtete sich vor dem Mönch auf. Doch Gallus ließ sich nicht einschüchtern und befahl dem Bären, ein Stück Holz ins Feuer zu werfen. Das Tier gehorchte ihm. Gallus schenkte dem Bären daraufhin einen Laib Brot und nahm ihm das Versprechen ab, keine Menschen mehr zu bedrohen. Der Bär verschwand und tat wie ihm geheißen. Hiltibod, der aufgewacht war und alles mitgehört hatte, sagte daraufhin zu Gallus: "Ich weiß jetzt, dass der Herr mit Dir ist, wenn selbst die Tiere des Waldes deinem Willen gehorchen."

Cuthbert: Otter

Die Lebensgeschichte des heiligen Cuthbert (635-687) ist von Beda Venerabilis überliefert, einem angelsächsischen Mönch und Geschichtsschreiber. Cuthbert wurde an der Ostküste Schottlands geboren und trat dort mit 16 Jahren in ein Benediktinerkloster ein. Er soll sehr fromm, aber auch körperlich äußert robust gewesen sein, obwohl er seit seiner Kindheit eine lahme Hüfte hatte. Immer wieder erkrankte Cuthbert, so auch 664 bei einer großen Seuche in Britannien, wo er inzwischen als Abt einem Kloster vorstand. Nach einer Zeit als Eremit, wurde er schließlich zum Bischof gewählt. 

Von Cuthbert sind viele Legenden überliefert, die eine Nähe zum Meer und den dort lebenden Tieren haben. Diese Erzählungen stehen in der Tradition ähnlicher Erzählungen der keltischen Kultur. So soll der Heilige die Angewohnheit gehabt haben, nachts zum Ufer des Meeres zu gehen. Ein Mönch war Cuthbert heimlich gefolgt, da er sich fragte, was sein Abt dort mache. Er beobachtete den Heiligen dabei, wie er die ganze Nacht am Strand Psalmen sang. Im Morgengrauen tauchten plötzlich zwei Otter aus dem Meer auf und setzten sich zu Cuthberts Füßen, die vom Wasser nass geworden waren. Sie trockneten seine Füße mit ihrem Fell, woraufhin er sie segnete. Am nächsten Morgen, befahl Cuthbert dem Mönch, für sich zu behalten, was er gesehen hatte.

Rochus: Hund

Die Lebensgeschichte des heiligen Rochus (um 1295-1327) ist von Leid und Krankheit geprägt. Er wurde als Einzelkind in eine reiche Familie in Montpellier hineingeboren. Doch seine Eltern starben, als Rochus 17 Jahre alt war. Er verschenkte daraufhin das geerbte Vermögen und pilgerte nach Rom. Dort soll er viele Kranke von der Pest geheilt haben, die damals in Italien wütete. Auf seiner Rückreise in die französische Heimat erkrankte er jedoch selbst an der Pest. Er legte sich in eine Hütte vor der Stadtmauer von Piacenza, um zu sterben.

Doch täglich erschien ein Hund, der ihm Brot brachte und seine Pestbeulen leckte. Durch die Hilfe des treuen Vierbeiners wurde Rochus wieder gesund und konnte seine Heimreise fortsetzen. Angekommen in Montpellier hatte Rochus aber wieder Pech: Die Krankheit hatte sein Äußeres verändert und die Bürger der Stadt verdächtigten ihn als Spion. Rochus starb nach fünf Jahren im Gefängnis. Erst nach seinem Tod wurde er identifiziert. Wegen seiner Leidensgeschichte wird er als Patron der Seuchenkranken verehrt und zählt in einigen Regionen Deutschlands zu den 14 Nothelfern.

Norbert von Xanten: Spinne

Der heilige Norbert von Xanten (1080/1085-1134) stammte aus einer adeligen Familie und machte als Kanoniker im Xantener Stift Karriere in der Kirche. Als Hofkaplan und Berater stand er in Diensten von König Heinrich V., mit dem er 1110 nach Rom zog, wo der König durch die Gefangennahme von Papst Paschalis II. seine Kaiserkrönung erzwang. Diese Erfahrungen lösten in Norbert einen Sinneswandel aus: Er wanderte als Bußprediger umher und gründete schließlich 1120 den Prämonstratenserorden, der sich am Ideal des gemeinsamen Lebens der Urkirche orientierte.

Von Norbert ist ein besonderes Erlebnis mit einer Spinne überliefert. Bei der Feier der Eucharistie fiel das giftige Tier in den Kelch mit dem gewandelten Wein. Norbert trank das Blut Christi mitsamt der Spinne aus, da er auf die heilende Kraft der Kommunion vertraute. Kurze Zeit später kroch die Spinne aus der Nase des Heiligen. Norbert war unversehrt geblieben.

Franz Xaver: Krabbe

Er ist einer der bekanntesten Missionare überhaupt: der heilige Franz Xaver (1506-1552). Der Spanier gehörte zu den ersten Gefährten des heiligen Ignatius von Loyola und gründete mit ihm und anderen Freunden 1534 die Gesellschaft Jesu, den Jesuitenorden. Sieben Jahre später brach er nach Indien auf, um dort den katholischen Glauben zu verbreiten. Seine Missionstätigkeit führte ihn zudem ins heutige Indonesien, nach Japan und schließlich bis vor die Küste von China, wo Franz Xaver im Alter von 46 Jahren starb.

1545 befand sich der Heilige mit einem Schiff im Indischen Ozean, als ein heftiger Sturm einsetzte. Franz Xaver begann zu beten und warf ein Kreuz ins Wasser, das an einer Schnur befestigt war. Auf diese Weise konnte er den Sturm stillen, doch das Kruzifix löste sich von seiner Befestigung und versank im Wasser. Am nächsten Tag erreichte das Schiff Festland. Am Strand sah Franz Xaver eine Krabbe aus dem Meer krabbeln, die das verlorene Kreuz in ihren Scheren trug. Das Kreuz befindet sich heute in der Kapelle des königlichen Palasts in Madrid.

Von Roland Müller