Katholisch.de-Blog zur Jugendsynode im Vatikan - Teil 4

Die Vielfalt der Kirche wie unter einem Brennglas erleben

Aktualisiert am 13.10.2018  –  Lesedauer: 

Vatikanstadt ‐ Der Osnabrücker Weihbischof Johannes Wübbe ist nach knapp zwei Wochen Jugendsynode beeindruckt – von der Vielfalt der Kirche, die man bei der Synode erleben kann, und von den Berichten der Teilnehmer aus aller Welt. Im katholisch.de-Blog zur Synode schreibt Wübbe von seinen Erlebnissen.

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Nun befindet sich die Synode schon in der zweiten Woche, und die verschiedenen Abläufe sind mir schon etwas vertrauter, vor allem bei den Plenar-Sitzungen mit allen Teilnehmenden im großen Versammlungsraum, bei denen der Papst fast immer aufmerksam anwesend ist, und bei den Konferenzen in den Sprachgruppen, um die Themen nochmals intensiver zu behandeln und zu diskutieren. Beeindruckend ist für mich hier die große Vielfalt von katholischer Kirche wie unter einem Brennglas zu erleben – auch hinsichtlich der doch oft recht großen Unterschiede, in denen Glaube konkret Gestalt annimmt.

Wenn du live hörst, wie Jugendliche in Pakistan ihr Christsein nur unter Gefahr leben können, oder wenn ein Mitbruder aus Vietnam, der neben mir sitzt, davon berichtet, wie die Jugendlichen in seinem Land in der Kirche nach Orientierung suchen und diese bereichern, innerhalb einer Gesellschaft, die nach wie vor in Vielem an den Folgen des langen Krieges leidet, zugleich aber wirtschaftlich im Aufschwung ist und sich am westlichen Gesellschaftsmodell ausrichtet, und in der möglichst alle wirtschaftlich profitieren und aufsteigen wollen – wenn du das und Einiges mehr live hörst, macht das neu sensibel dafür, vor welchen Herausforderungen unsere Kirche als weltweite Glaubensgemeinschaft steht.

Themenseite: Jugendsynode

Was beschäftigt junge Menschen heute? Woran glauben sie? Und wie kann die Kirche sie bei einem gelingenden (Glaubens-) Leben unterstützen? Darüber diskutieren die Bischöfe bei ihrer weltweiten Synode vom 3. bis 28. Oktober 2018 im Vatikan.

Da tun gerade auch die informellen Begegnungen vor allem während der Kaffeepause am Vormittag gut: Nachdenkliche wie heitere Begegnungen, die es erlauben, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, manchmal über Inhalte, aber manchmal auch einfach über sich als Person. Da entsteht immer ein großes Sprachengewirr, aus dem heraus auch manches Lachen zu hören ist.

Wir werden nun in den nächsten Tagen in den Sprachgruppen über den zweiten Teil des "Instrumentum laboris", des Arbeitspapiers der Synode, diskutieren. Bestimmend wird die Frage sein, was dafür zu tun ist, dass junge Menschen sich in Kirche gut begleitet fühlen. Sie sollen (noch mehr) sagen können: "Diese Kirche ist unsere Kirche, wir fühlen uns verstanden; wir werden dabei begleitet, unsere Lebensentscheidungen im Lichte des Glaubens treffen zu können. Wir werden respektiert, so wie wir denken und fühlen, und das, was wir einbringen, wird ernstgenommen. Wir werden gefördert, aber auch gefordert ..." Es bleibt also interessant, spannend und herausfordernd.

Von Johannes Wübbe

Der Autor

Johannes Wübbe (*1966) ist seit 2013 Weihbischof im Bistum Osnabrück. Der ehemalige Jugendseelsorger ist zudem Mitglied der Jugendkommission der Deutschen Bischofskonferenz.