So geht katholisch: Kopf aus, Katechismus an!
Ein satirischer Wochenrückblick von Björn Odendahl

So geht katholisch: Kopf aus, Katechismus an!

Der Jesuit Ansgar Wucherpfennig kann ein Lied davon singen: Wer für die Kirche arbeitet, hat nichts als Ärger. Doch der Vatikan und Nuntius Nikola Eterovic geben Tipps, wie man dem Dilemma entkommt - mal wenig, mal noch weniger hilfreich.

Von Björn Odendahl |  Bonn - 27.10.2018

Welch bitterböse Ironie: Eine konfessionslose Sozialpädagogin erhält 3.900 Euro Entschädigung, weil die Kirche sie NICHT eingestellt hat! Aber was ist mit denen, die für die Kirche arbeiten? Wann erhalten die endlich ihre Entschädigung? Immerhin verlangt das kirchliche Arbeitsrecht von ihnen einen Lifestyle, der so gar nicht trendy ist: Sie müssen sonntags in aller Herrgottsfrühe in die Kirche gehen, in getrennten Betten schlafen, bis sie heutzutage mit 45 endlich heiraten, und all den Menschen da draußen von Jesus Christus erzählen, die das gar nicht hören wollen. Und das, obwohl sie eigentlich nur für 8,50 Euro in der Stunde die Toiletten im Generalvikariat putzen.

Doch selbst ein moralisch einwandfreies Leben reicht heute nicht mehr aus. Neuerdings muss man sich auch noch für Missbrauchsskandale, Homophobie und Misogynie in der Kirche rechtfertigen. Vor Ungläubigen! Ein Knochenjob! Zumal die meisten Menschen da draußen sowieso zu blöd sind, um zu verstehen, dass nicht die Kirche schuld ist, sondern die Revolte der 68er und ihr fürchterlicher Drang nach Gleichberechtigung. Achja, und natürlich der Teufel. Das sagt zumindest der hochehrwürdigste Weihbischof Andreas Laun (Lesen auf eigene Gefahr!).

Doch es naht Rettung. Bald können das private Sodom und Gomorra und der Kirchenjob vielleicht in Einklang gebracht werden. Und der Vorschlag dafür kommt ausgerechnet aus dem Vatikan! Denn da arbeitet man jetzt an einem Papier mit dem Titel "Übernahme von Rechtgläubigkeit durch Dritte". Anlass ist der Fall Ansgar Wucherpfennig. Der Jesuit hatte die Frechheit besessen, darüber nachzudenken, ob Paulus vor 2.000 Jahren etwas anderes unter dem Begriff "Homosexualität" verstand, als wir es heute tun. Schließlich bedeutet Nachfolge auch nicht mehr unbedingt, barfuß durch Galiläa zu ziehen. Sonst wäre Gammarelli arbeitslos.

Weil der Vatikan aber nicht damit gerechnet hat, dass jemand noch langsamer seine Meinung ändert als er selbst, soll nun Wucherpfennigs Generaloberer, Arturo Sosa, die Verantwortung für dessen "Rechtgläubigkeit" übernehmen, um die Wogen zu glätten. Schließlich hat die Kirche ihren guten Ruf zu… Kleiner Spaß! Es ist aber ein Modell, das zum Nachahmen einlädt: Sie arbeiten in einer katholischen Schule? Lassen Sie den Direktor für Ihre Rechtgläubigkeit bürgen und schon können Sie als Lehrer gefahrenlos über die Evolutionstheorie sprechen! Sie sind Kindergärtnerin im Dienst der Kirche? Eine Bürgschaft der Leiterin genügt und sie dürfen dem kleinen Philipp erlauben, mit der Barbie zu spielen.

Für alle, denen das aber ein zu großer Aufwand ist, hat Nuntius Nikola Eterovic einen genialen Vorschlag: einfach auf eine persönliche Meinung verzichten! Denn wer nicht denkt, kann auch nichts Falsches denken. Kopf aus, Katechismus an! Das Leben kann so einfach sein. Ich gebe zu: Manchmal ist es dann doch wieder schön, Katholik zu sein.

Von Björn Odendahl

Themenseite:

"War's das?!" fragt katholisch.de in seinem satirischen Wochenrückblick. Im Wechsel lassen verschiedene Autoren samstags die zu Ende gehende Woche Revue passieren. Mit einem Augenzwinkern blicken sie auf Kurioses und Bemerkenswertes in der katholischen Welt zurück.