Beten für Reichtum? Afrikas Kirche warnt vor falschen Predigern
Vor allem junge Menschen werden angezogen

Beten für Reichtum? Afrikas Kirche warnt vor falschen Predigern

Gebete und Spenden genügen, um selber reich zu werden und ein gutes Leben zu führen: Diese Lehre vom sogenannten "Wohlstands-Evangelium" breitet sich derzeit in Afrika aus – und die Kirche schlägt Alarm.

Bonn/Banjul - 30.10.2018

Afrikanische Kirchenführer haben die Gläubigen vor einem falschen "Evangelium des Wohlstands" gewarnt. Menschen würden "hypnotisiert zu glauben, dass ein einziges Gebet zu einer Zauberformel für Reichtum und ein gutes Leben werden kann", sagte Pater Paul Sandi, Generalsekretär der Interterritorialen Katholischen Bischofskonferenz von Gambia und Sierra Leone, laut einem Bericht des "Catholic Herald" (Montag). Dabei gebe es keine schnellen Lösungen. Charismatische Priester würden jedoch vermehrt dazu übergehen, ein solches Wohlstands-Evangelium zu verkünden.

Das Wohlstands-Evangelium wird vor allem von US-Televangelisten gepredigt und beinhaltet unter anderem, dass Gott finanzielle Spenden an eine Kirche mit materiellen Vorteilen und körperlichem Wohlergehen belohne. Das Konzept hat seit den 1980er-Jahren unter pfingstlerischen und charismatischen Bewegungen auch in Afrika, Asien und Lateinamerika an Einfluss gewonnen. Populäre Wohlstands-Prediger zählen laut dem "Forbes Magazine" zu den reichsten Bewohnern Afrikas und kontrollieren teilweise ganze Medienimperien.

Sandi wiederholte mit seinen Ausführungen eine Warnung von Bischof Ignace Bessi Dogbo, Präsident der Ivorischen Bischofskonferenz, der afrikanische Theologen dazu aufgefordert hatte, die Kirchenlehre gegen Abweichungen zu verteidigen. Dabei sprach er von "Scharlatanpriestern", die die Leichtgläubigkeit der Gemeindemitglieder ausnutzten, um falsche Lehren zu verbreiten.

Prediger ziehen junge Menschen an

Der Generalsekretär sagte weiter, dass jede katholische Diözese ihren eigenen pastoralen Plan habe, um die von der weit verbreiteten Armut getriebenen Vorstellungen eines Wohlstands-Evangeliums zu bekämpfen.

Auch Lazarus Anondee, Generalsekretär der Ghanaischen Bischofskonferenz, sprach von einer wachsenden Popularität des Wohlstands-Evangeliums, da christliche Prediger vor allem junge Menschen mit Versprechen von Arbeitsplätzen und wirtschaftlichen Belohnungen anzögen. Die katholische Kirche werde hingegen "niemals solche Ideen unterstützen, die die Menschen glauben lassen, dass das Manna durch ein sogenanntes Wunder einfach vom Himmel fallen wird", sagte Anondee. Vielmehr müsse man arbeiten, um etwas zu erreichen, und die Kirche müsse die Menschen durch Bildung und Berufsausbildung stärken. (tmg)