Kardinal Rainer Maria Woelki
Kölner Erzbischof soll Berufung eines Dogmatikers verhindert haben

Kardinal Woelki sucht im Streit mit Bonner Fakultät das Gespräch

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki soll einen Bewerber auf den Bonner Dogmatik-Lehrstuhl verhindert haben. Nun lädt er den Dekan der Fakultät zu einem Gespräch ein und erhofft sich eine "positive Klärung". Zugleich kündigte das Erzbistum Köln die finanzielle Förderung einer anderen Hochschule an.

Köln - 30.11.2018

Im Streit mit der Theologischen Fakultät der Bonner Universität sucht der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki eine Lösung. Er habe den Dekan zu einem Gespräch eingeladen, teilte das Erzbistum Köln am Freitag mit. Das Verfahren zur Wiederbesetzung des Dogmatik-Lehrstuhls solle "zu einer positiven Klärung geführt werden".

Der Erzbischof hatte vor zwei Jahren die Berufung des im schweizerischen Fribourg lehrenden Fundamentaltheologen Joachim Negel nach Bonn verhindert. Beim NRW-Wissenschaftsministerium machte Woelki auf mögliche Fehler im Berufungsverfahren und bei der Bestenauslese aufmerksam. Laut dem Anwalt der Erzdiözese wurde dabei auch die Frage thematisiert, ob für den Dogmatik-Lehrstuhl das Fach Dogmatik Schwerpunkt eines Kandidaten sein müsse. Der Fundamentaltheologe Negel hatte dem Erzbischof vorgeworfen, einen eigenen Wunschkandidaten durchsetzen zu wollen.

Der "Kölner Stadt-Anzeiger" hatte Mitte Oktober darüber berichtet, dass Woelki bei der damaligen nordrhein-westfälischen Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) gegen die Ernennung Negels interveniert habe. Nach Darstellung der Zeitung stellte er die fachliche Eignung des Paderborner Priesters infrage.

Portal des Missionspriesterseminars in Sankt Augustin

Das Erzbistum Köln wolle die Vielfalt des Theologiestudiums erhalten und fördern, sagte Kardinal Rainer Maria Woelki. Er will die Philosophisch-Theologische Hochschule (PTH) der Steyler Missionare in Sankt Augustin künftig bezuschussen.

Nach dem Preußenkonkordat kann der zuständige Bischof die Ernennung eines Professors ablehnen, wenn er gegen die Lehre oder den Lebenswandel des Vorgeschlagenen begründete Einwendungen hat. Dies habe im konkreten Fall nicht vorgelegen, betonte der Anwalt des Erzbistums. Es sei allein um mögliche Fehler im Berufungsverfahren und damit um dessen Rechtsstaatlichkeit gegangen. Jeder habe das Recht, Rechtsverstöße staatlichen Stellen mitzuteilen, so der Hochschulrechts-Experte. Der Kirche komme es zudem von ihrem Selbstbestimmungsrecht her zu, Rechtsverstöße bei der Besetzung von Lehrstühlen an theologischen Fakultäten anzumahnen.

Zuschuss an Hochschule der Steyler Missionare

Zugleich kündigte die Erzdiözese am Freitag eine finanzielle Förderung der Philosophisch-Theologischen Hochschule (PTH) der Steyler Missionare in Sankt Augustin nahe Bonn an. Die PTH in Sankt Augustin erhält laut Erzbistum im kommenden Jahr einen Zuschuss zu den Trägerkosten. Ein Betrag wurde auch auf Nachfrage hin nicht genannt. Zudem hat die Erzdiözese nach eigenen Angaben dem Orden angeboten, sich an den Überlegungen zur Zukunft der Hochschule zu beteiligen. Dadurch solle die dortige Ausbildung mit missionstheologischem und interreligiösem Schwerpunkt weiter ermöglicht und damit die Vielfalt und Qualität des Theologiestudiums gefördert werden.

Der Orden hatte im vorigen Jahr auf personelle und finanzielle Schwierigkeiten hingewiesen, die Hochschule weiterzuführen. Im August 2017 war nach jahrelangen Verhandlungen eine Schließung der PTH abgewendet worden, an der derzeit rund 150 Studenten aus 20 Nationen studieren. Auch die zunächst vom Vatikan verfügte Einstellung des Magisterstudiengangs Theologie wurde rückgängig gemacht.

Zu beiden Vorgängen erklärte Woelki, das Erzbistum Köln wolle die Vielfalt des Theologiestudiums erhalten und fördern. Um den steigenden Anforderungen an die Hauptamtlichen gerecht zu werden, brauche es "beste Grundlagen". (luk/KNA)