Eine Familie beim Abendessen betet
Fünf Jahre Gotteslob

Wie das Gotteslob Familien beim Beten und Feiern hilft

Das neue Gotteslob bietet viel mehr als "nur "die Lieder für den sonntäglichen Gottesdienst. Unter anderem finden sich auch Hausgebete für Familien darin - eine Feier für den Advent und eine für den Heiligen Abend inklusive. Aber wie kommt das bei den Familien an?

Von Felix Neumann |  Bonn - 15.12.2018

"Es ist ein Gebetbuch für den einzelnen wie auch für die Familie, für Gruppen und Kreise", schrieb der damalige Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch zur Einführung des neuen Gotteslobs, und Kardinal Reinhard Marx ergänzte: "Für das gemeinsame Beten im Kreis von Familien und Lebensgemeinschaften hält es einen reichen Fundus an Texten und Gesängen aus Überlieferung und Gegenwart bereit." So wie die beiden Erzbischöfe hoben die meisten Bischöfe in ihren Einführungen des neuen Gesangbuchs das Gotteslob als "Hausbuch" hervor.

Neben einzelnen Gebeten fallen dabei im Gotteslob vor allem die Vorschläge für Feiern in der Familie auf. Fünf davon sind abgedruckt: Für den Advent eine Kranzsegnung und ein Hausgebet, eine Feier für den Heiligen Abend sowie allgemeine Vorlagen für Dank- und Segensfeiern und ein Hausgebet für Verstorbene.

Öffne die Herzen der Menschen, die ängstlich und hoffnungslos sind, dass sie in dieser Zeit des Advents wieder neue Hoffnung schöpfen.

Zitat: Aus der diesjährigen Vorlage der bayerischen Bistümer für einen adventlichen Hausgottesdienst

Kommen diese Gebete an? Wird das Gotteslob wirklich auch als Hausgebet verwendet? Belastbare Daten dazu gibt es nicht. "Einschlägige Studien sind uns nicht bekannt", schreibt das Liturgische Institut Trier auf Anfrage. Stephan Steger, der Liturgiereferent des Bistums Würzburg, weiß aber von einigen Familien, die gerne Hausgottesdienste feiern, vor allem im Advent und am Heiligen Abend. "Vor 35 Jahren war das zwar noch selbstverständlicher. Aber auch heute wollen sich viele Familien im Advent zusammensetzen und den Adventskranz bewusst entzünden."

Wie kommt das Hausbuch in die Häuser?

Als vor Einführung des neuen Gotteslobs eine Probepublikation mit ausgewählten neuen Liedern und Hausfeiern veröffentlicht wurde, waren die Rückmeldungen jedenfalls positiv: 75 Prozent der Probanden in ausgewählten Testpfarreien fanden die Hausfeiern ansprechend gestaltet. Tatsächlich ausprobiert in der Familie hatten die Feiern 25 Prozent. Aber auch da gab es schon kritische Rückfragen: "Ist es realistisch, dass Feiern in der Familie stattfinden?", meldete ein Gotteslob-Tester zurück. Andere wünschten sich Anregungen, wie man Familien zu Hausfeiern motivieren kann.

Denn tatsächlich richten sich die Angebote an Menschen, die "das kirchliche Alphabet ein bisschen kennen", sagt Steger. "Präliturgische", auf die christliche Feierkultur hinführende Formen, sind die Hausgottesdienste nicht, so wie sie im Gotteslob abgedruckt sind.

Hausgottesdienst für den Advent in Bayern

Der Liturgiereferent erfährt vor allem von den Familienseelsorgern in seinem Bistum, dass viele den Heiligen Abend nicht nur als Familienfest begehen, sondern auch mit einem geistlichen Impuls verbinden wollen – vielleicht auch, weil im Trubel des 24. Dezembers gar keine Zeit ist, in die Kirche zu gehen. In den bayerischen Diözesen gibt es daher jedes Jahr eine neue Vorlage für einen adventlichen Gottesdienst und eine Heilig-Abend-Feier. Die Gottesdienstvorlagen kommen durch in den Kirchen ausgelegte Broschüren und Kontakte der Familienseelsorger in die Familien.

Dieses Jahr ist das Motto "Hoffnungszeichen – Lebenszeichen". Das Symbol des Tannenzweigs wird geistlich gedeutet, es gibt Gesprächsanregungen für Kinder und die ganze Familie und für gemeinsames Singen und Beten: "Öffne die Herzen der Menschen, die ängstlich und hoffnungslos sind, dass sie in dieser Zeit des Advents wieder neue Hoffnung schöpfen", heißt es in den Fürbitten.

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Die schönsten Weihnachtslieder aus dem Gotteslob.

Schreckt diese sehr klassische liturgische Sprache, wie sie auch in den Hausfeiern des Gotteslobs verwendet wird, nicht ab? "Ich glaube, dass sich in solchen Momenten auch etwas vom Alltag bewusst unterscheiden darf", entgegnet Steger. "Wir müssen nicht ganz in jedes Milieu und seine Sprachwelt hinein, um dort präsent zu sein. Ich glaube eher, dass wir eine Sprache und Formen brauchen, die wahrhaftig sind in dem, was wir vermitteln wollen." Für ihn hapert es oft eher genau daran – und nicht an einer mangelnden Anpassung an die Alltagssprache.

Mehr Feiern für Lebenswenden nötig

Der Schwerpunkt der Hausfeiern im Gotteslob liegt auf Advent und Weihnachten. Für alle anderen Anlässe gibt es nur eine sehr allgemein gefasste "Dank- und Segensfeier". Da setzt Steger dann auch an, wenn man ihn nach seinen Ideen für eine Weiterentwicklung des Gotteslobs als Hausbuch fragt. "Hier sollten wir stärker differenzieren", wünscht er sich. "Nicht unbedingt mit vielen fertigen Modellen, aber mit Impulsen, wann und wo solche Feiern sinnvoll sind und wie man sie gestaltet." Er denkt dabei an persönliche Segnungen im Alltag, Formen für bestimmte Lebenssituationen und Feiern an Lebenswenden: Für Geburtstage etwa, für die Einschulung, den Ausbildungsabschluss oder eine Verlobung.

Besonders ein Thema ist dem Liturgiereferenten wichtig: "Tod und Trauer sind ein großer pastoraler Bereich, in dem wir stark angefragt sind, da würde ich noch mehr investieren." Im Gotteslob ist ein kurzes Gebet für den Abschied am Sterbebett abgedruckt. "Das ist gut, weil es so kurz und prägnant ist", findet Steger. Aber gerade hier, wo Menschen oft die Worte fehlten, seien Impulse hilfreich – und da könnte das Gotteslob als Hausbuch eine gute Hilfe sein.

Von Felix Neumann

Linktipp: Hausgottesdienst "Hoffnungszeichen - Lebenszeichen"

In den bayerischen Diözesen gibt es jedes Jahr eine Vorlage für einen adventlichen Gottesdienst und eine Heilig-Abend-Feier. Diese können auch online heruntergeladen werden.