Damo in Bethlehem gegen Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem
Konflikte überschatten das Miteinander

Das Heilige Land blickt auf ein unruhiges Jahr zurück

Unheilige Zeiten im Heiligen Land. Daran hat man sich seit Jahren gewöhnt. Auch 2018 überschatteten viele Konflikte das Miteinander von Israelis und Palästinensern. Und die Kirchen saßen einmal mehr zwischen den Stühlen.

Von Andrea Krogmann (KNA) |  Jerusalem - 26.12.2018

2018 war ein ambivalentes Jahr für das Heilige Land. Stand es für Israel im Zeichen der 70-Jahr-Feiern der Staatsgründung, bedeutete dies für die Palästinenser 70 Jahre Kampf um die Unabhängigkeit. Der umstrittene Umzug der US-Botschaft nach Jerusalem war weiteres Salz in die offenen Wunden.

Während der Tourismus im Heiligen Land beidseits der grünen Linie boomt, haben sich Israelis und Palästinenser noch weiter von einem Frieden entfernt. Nach palästinensischen Aufrufen zum "Marsch der Rückkehr" entlang der Grenze des Gazastreifens kam es wiederholt zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der israelischen Armee, bei denen mehr als 180 Palästinenser ums Leben kamen. Raketenbeschuss auf Israel und israelische Militärschläge auf Gaza führten zu einer Gewalteskalation, wie sie der Gazastreifen seit dem letzten Gaza-Krieg 2014 nicht gesehen hat.

Beduinendorf soll abgerissen werden

Die humanitäre Lage in Gaza erreichte einen kritischen Punkt. Für internationale Aufmerksamkeit sorgte auch das israelische Vorgehen gegen das Beduinendorf Khan al-Ahmar östlich von Jerusalem. Seit Monaten von Israel geplant, bekräftigte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu im November den baldigen Abriss des Dorfes. Unter anderem das EU-Parlament hatte Israel aufgefordert, von den Plänen abzusehen. Eine Zwangsumsiedlung würde einen gravierenden Verstoß gegen internationales humanitäres Recht darstellen.

Nach Minen-Räumung: Klöster an Taufstelle Jesu wieder offen

Im Sechstagekrieg wurde die Taufstelle Jesu am Jordan zum Minenfeld. Eine britische Stiftung befreit nun das Gelände und mehrere Klöster von tödlichen Kriegsaltlasten. Kann die Stätte wieder zu einem Ort der Besinnung werden?

Innerisraelisch sorgten Verschärfungen im Umgang mit Asylsuchenden aus Afrika sowie die mögliche Ausweitung der Wehrpflicht auf strengreligiöse Juden für Schlagzeilen. Versuche, das religiöse Monopol des Oberrabbinats in Israel zu stärken, sowie Gesetzesvorhaben, die politisch linksgerichtete Kräfte immer weiter an den Rand zu drängen, spiegeln die Gräben in der israelischen Gesellschaft wider.

Für internationale Kritik sorgte die Annahme des sogenannten Nationalitätengesetzes im Juli. Unter anderem definiert es Israel als nationale Heimstätte des jüdischen Volkes, das "vereinte Jerusalem" als Hauptstadt Israels und Hebräisch als offizielle Landessprache – außerdem die israelische Fahne, die Nationalhymne, den hebräischen Kalender und jüdische Feiertage als Nationalsymbole.

Scharfe Konfrontationen zwischen Kirchen und Staat

Nicht zuletzt bei den Kirchen sorgte das Gesetz für Ablehnung. "Unsere Gläubigen, die Christen, unsere Mitbürger, Muslime, Drusen und Bahai, all jene von uns, die Araber sind, sind nicht weniger Bürger des Landes als unsere jüdischen Brüder und Schwestern", kritisierten etwa die katholischen Bischöfe.

Ungewöhnlich scharf waren auch die Konfrontationen zwischen Kirchen und dem Staat Israel im Streit um kirchliches Eigentum und dessen Besteuerung. In der Fastenzeit schlossen die Kirchen sogar die Grabeskirche für mehr als 60 Stunden – die längste Schließung in der jüngeren Geschichte. Erst eine Intervention Netanjahus beendete den Protest.

Bild: © KNA

Griechisch-orthodoxe Christen forderten wegen Landverkäufen und Korruptionsvorwürfen den Rücktritt ihres Patriarchen Theophilos III.

Aber auch an innerchristlichen Streitigkeiten mangelte es nicht. Wiederholt forderten griechisch-orthodoxe Christen wegen Landverkäufen und Korruptionsvorwürfen den Rücktritt ihres Patriarchen Theophilos III. Im Oktober sorgten Pläne der israelischen Regierung, eine Kapelle der Grabeskirche auf Staatskosten renovieren zu lassen, für Konfrontation. Hintergrund ist ein Streit äthiopischer und koptisch-orthodoxer Christen um die Besitz- und Eigentumsrechte.

Minenräumung rund um die Taufstelle Jesu

Doch nicht alles war schlecht 2018. Wachsende Besucherzahlen machten sich auch in den heiligen Stätten und kirchlichen Häusern bemerkbar. Viele waren das Jahr hindurch gut belegt, an den hohen Feiertagen sogar ausgebucht. Mit dem archäologischen Flügel konnte im Juni in Jerusalem der zweite Teil des neuen "Terra-Sancta-Museums" der Franziskanerkustodie eröffnet werden. Im Frühjahr konnte die internationale Organisation "Halo Trust" mit der Minenräumung rund um die als Taufstelle Jesu verehrte Stätte "Kasr al-Yahud" beginnen. Eine Million Quadratmeter militärisches Sperrgebiet und die darauf befindlichen Kirchen sollen nach Abschluss der Arbeiten spätestens im Sommer 2019 an acht verschiedene Konfessionen zurückgehen.

Auch aus deutscher Sicht gab es 2018 Erfreuliches zu berichten. Die deutschsprachigen Benediktiner vom Zion schafften es in den Koalitionsvertrag der großen Koalition in Berlin. Durch dort zugesagte Mittel "für die dringend notwendige Sanierung der Abtei Dormitio in Jerusalem" konnte im September mit der Renovierung der Krypta begonnen werden. Gleichermaßen werden an der evangelischen Erlöserkirche in Jerusalem Reparaturarbeiten sowie der Bau eines Begegnungszentrums unterstützt.

Von Andrea Krogmann (KNA)