Im wehrhaften Turm Nikolaus V. beim Diensteingang zum Vatikan befindet sich der Sitz der Vatikanbank IOR.
Zweieinhalb Jahre Haft für Bauunternehmer

Erstmals vatikanisches Urteil wegen Geldwäsche bei der Vatikanbank

Lange galt die Vatikanbank als sichere Bank für Geldwäscher und Steuerbetrüger – Papst Franziskus hatte gleich nach seinem Amtsantritt angekündigt, aufzuräumen. Nun fiel das erste Urteil eines vatikanischen Gerichts nach dem neuen Strafrecht.

Vatikanstadt - 27.12.2018

Das Strafgericht des Vatikanstaates hat einen italienischen Staatsbürger zu zweieinhalb Jahren Haft wegen Geldwäsche verurteilt. Wie der Vatikan am Donnerstag mitteilte, erging das Urteil am 17. Dezember. Der verurteilte Angelo P. war demnach Inhaber eines Kontos bei der Vatikanbank IOR. Zudem ordnete das Gericht die Einbehaltung von gut einer Million Euro an, die seit 2014 von den vatikanischen Behörden beschlagnahmt worden waren.

Das vatikanische Strafverfahren gegen den italienischen Bauunternehmer war 2016 eröffnet worden. Zuvor hatten bereits italienische Behörden gegen P. wegen betrügerischen Bankrotts ermittelt und ihn unter Hausarrest gestellt. Dabei hatten die italienischen Behörden auch mehrere Konten des Unternehmers bei der Vatikanbank IOR beschlagnahmt.

Runder, festungsartiker Turm ohne Fenster
Bild: © KNA

Die Räume der Vatikanbank IOR liegen auf fünf Etagen im festungsartigen Turm St. Niccolo V. direkt unterhalb des Apostolischen Palastes.

Der Unternehmer stand im Verdacht, auf unlautere Weise mehr als elf Millionen Euro beiseitegeschafft zu haben. Damaligen Medienberichten zufolge war es das erste Mal, dass der Vatikan auf ein Rechtshilfeersuchen der italienischen Justiz hin IOR-Konten sperren ließ.

Papst kündigte härteres Vorgehen gegen Geldwäsche und Steuerbetrug an

Mit dem jüngsten Urteil habe die vatikanische Justiz erstmals den vorgesehenen Strafrechtsartikel angewandt, heißt es in der Vatikan-Mitteilung vom Donnerstag. Die Entscheidung sei ein wichtiger Teil des in den vergangenen Jahren aufgenommenen Kampfes gegen Geldwäsche und Terrorfinanzierung. Am Zustandekommen seien neben der Staatsanwaltschaft auch die vatikanische Finanzaufsicht AIF, die Gendarmerie sowie italienische Behörden beteiligt.

Vor einem Jahr hatte der Europaratsausschuss Moneyval in einem Bericht bemängelt, dass der Vatikan bisher keinen Verdachtsfall von Geldwäsche vor Gericht gebracht habe. Die Vatikanbank wurde oft mit Skandalen in Verbindung gebracht und stand lange wegen dubioser Geschäfte in der Kritik. Ihr wurde vorgeworfen, auf ihren Konten das Vermögen italienischer Gangster, Geldwäscher und Steuerbetrüger zu verstecken. Papst Franziskus hatte nach seinem Amtsantritt 2013 ein härteres Vorgehen gegen Geldwäsche und undurchsichtige Finanzgeschäfte angekündigt. (fxn/dpa/KNA)