Der neue Generalvikar des Bistums Eichstätt: Michael Huber
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Der designierte Generalvikar des Bistums Eichstätt im Gespräch

Michael Huber: Hatte mich gegen eine Karriere entschieden

Eigentlich wollte Michael Huber keinen Führungsposten. Doch dann berief Bischof Gregor Maria Hanke ihn zum Generalvikar. Im Interview spricht Huber jetzt über seine Entscheidung – und den Finanzskandal im Bistum Eichstätt.

Von Christopher Beschnitt (KNA) |  Eichstätt - 22.01.2019

Ob es mit ihm in der Bistumsspitze auch einen Finanzskandal gegeben hätte? Auf diese Frage antwortet der designierte Generalvikar der Diözese Eichstätt, Michael Huber, im Interview - der 54-Jährige ist immerhin Betriebswirt. Außerdem spricht der Ordenspriester der Herz-Jesu-Missionare (MSC) darüber, dass er in Eichstätt eigentlich schon auf dem Absprung war, und über seine distanzierte Leidenschaft für den FC Bayern München.

Frage: Pater Huber, kurz vor Weihnachten gab der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke bekannt, Sie zum 1. September zum Generalvikar zu machen und schon zum 1. Februar zu dessen Stellvertreter. Damit werden Sie die Nummer zwei der Diözese. In einer ersten Stellungnahme zeigten Sie sich davon überrascht. Positiv oder negativ?

Huber: Ich mag das nicht bewerten, ich habe einfach absolut nicht damit gerechnet. Im Gegenteil, ich war kurz davor, Eichstätt zu verlassen. Denn ich war als Provinzial meines Ordens im Gespräch und wäre als solcher wohl nach Salzburg gegangen. Dann aber rief der Bischof an ... Ich habe einige Wochen gebraucht, um mich zu entscheiden.

Frage: Warum so lange?

Huber: Das Ganze musste ich mit meinem Orden klären. Aber auch mit mir. Denn eigentlich hatte ich mich vor langer Zeit gegen eine Karriere entschieden. Nach meinem Betriebswirtschaftsstudium hatte ich schon einen Vertrag bei Siemens, ich wäre da wohl im mittleren Management gelandet. Doch ich wollte mein Leben lieber Gott weihen.

Gregor Maria Hanke ist Bischof von Eichstätt. Er gehört dem Benediktinerorden an.

Frage: Manager-Qualitäten brauchen Sie aber wohl auch als Generalvikar. Anfang 2018 wurde in Ihrem Bistum ein Finanzskandal publik. Durch die Vergabe ungesicherter Darlehen für Immobilienprojekte in den USA sollen bis zu 50 Millionen Euro verloren gegangen sein. Wäre so ein Skandal mit Ihnen auch möglich gewesen?

Huber: Es wäre anmaßend, das zu verneinen. Aber ja, ich bin mit dem Thema Geld vertraut, unter anderem auch, weil ich Vorsitzender des Financial Advisory Board der Herz-Jesu-Missionare in Rom bin, eines Gremiums, das für die Finanzen des Ordens weltweit zuständig ist. Nach den Verwerfungen im Immobiliengeschäft 2008 ist in dem Bereich eine sehr große Vorsicht angeraten gewesen, zumal mit Mitteln, die einem nur anvertraut wurden. Dass nach diesem ökonomischen Zusammenbruch, der damals ja die halbe Welt ins Wanken gebracht hat, so etwas wie in unserem Bistum passieren konnte, das haben viele Menschen nicht verstehen können. Auch ich nicht.

Frage: Wie wollen Sie als Generalvikar verhindern, dass sich Derartiges wiederholt?

Huber: Für konkrete Aussagen muss ich mich erst einarbeiten. Aber strukturelle und personelle Veränderungen sind nötig und ja auch schon im Gange. Wir wollen uns wieder auf unser "Kerngeschäft" besinnen: die Pastoral.

Frage: Welche Qualitäten bringen Sie dafür mit?

Huber: Ich habe seit meinem Studienende in der Pfarrseelsorge gearbeitet, im Schuldienst und in diversen Verbänden. Ich kenne Kirche also von der Graswurzel an, ich weiß zum Beispiel auch um die Reaktionen der Basis auf den Finanzskandal. Da habe ich einiges zu hören bekommen, was nicht zitierfähig ist. Nur so viel: Da ist jede Menge Vertrauen verloren gegangen.

Frage: Wie wollen Sie das wiedergewinnen?

Huber: Dazu braucht es zunächst Verständnis. Zum Beispiel dafür, dass mancher nun sagt: "Spenden gebe ich nur noch für konkrete Ziele, nicht mehr für die Kirche als solche." Um solchen Vorbehalten zu begegnen, ist anhaltend überzeugende Arbeit notwendig. Eine kontinuierliche Unterstützung der Pfarreien, ein einfaches Auftreten der Amtsträger.

Blick vom Frauenberg auf den Eichstätter Dom.

Frage: Wie planen Sie Ihre Führungsrolle zu gestalten?

Huber: Ich möchte das Menschliche in die Entscheidungsebene einbringen. Ich möchte nicht durch Zwang überzeugen, sondern durch das Vorleben von Authentizität und dadurch, dass ich das Beglückende am Glauben vermittele.

Frage: Seit Längerem heißt es, Bischof Hanke wolle zur Entlastung des Generalvikars einen Amtschef oder eine Amtschefin bestellen. Ist in dieser Sache schon etwas gediehen?

Huber: Ich denke, dass sich im nächsten halben Jahr klärt, was aus dieser Idee wird. Ich stehe ihr aufgeschlossen gegenüber und bin sehr dafür, Frauen mehr Verantwortung in der Kirche zukommen zu lassen.

Frage: Sie selbst haben Verantwortung oft auch im Ausland übernommen: etwa als Novizenmeister in der Slowakei und Irland. Zudem haben Sie unter anderem in Österreich und den USA studiert. Hat Sie der Gang in die Welt verändert?

Huber: Ich habe viele verschiedene Kulturen kennengelernt und jede als Bereicherung empfunden. Sicher ist dadurch mein Horizont weiter geworden und damit meine Fähigkeit, die eigene Position nicht als absolut zu betrachten.

Frage: Zum Schluss noch eine private Frage: Was machen Sie eigentlich in Ihrer Freizeit?

Huber: Ich lese gern und bin begeisterter Sportler: Radfahrer und Fußballer. Mein Herz schlägt für den FC Bayern, aber mit kritischer Distanz. Mit solchen Eskapaden wie Riberys Goldsteak tue ich mich schwer - da fehlt die Bodenhaftung.

Von Christopher Beschnitt (KNA)