Seit 2013 wird der italienische Jesuit Paolo Dall'Oglio in Syrien vermisst.
2013 vom "Islamischen Staat" entführt

Ist Pater Dall'Oglio noch am Leben?

Vor mehr als fünf Jahren wurde Pater Paolo Dall'Oglio in Syrien vom IS entführt. Seitdem fehlt von dem Jesuiten jede Spur. Obwohl es Gerüchte gibt, dass er getötet wurde, gibt es jetzt Hoffnung: Laut Medienberichten ist der Pater noch am Leben.

London - 07.02.2019

Der 2013 vom Islamischen Staat (IS) in Syrien entführte Jesuit Paolo Dall'Oglio könnte noch am Leben sein. Die letzten verbliebenen Kämpfer des IS hätten in Verhandlungen mit kurdisch-arabischen Kräften angeboten, Dall'Oglio und zwei weitere Gefangene freizulassen, berichtete die britische Tageszeitung "The Times" am Donnerstag unter Bezug auf kurdische Quellen. Bei den anderen Geiseln handelt es sich um den 2012 entführten Fotografen John Cantlie aus Großbritannien und eine Krankenschwester des Roten Kreuzes aus Neuseeland.

"Wir beten weiter dafür, dass Pater Dall'Oglio lebt", kommentierte der kommissarische Vatikansprecher Alessandro Gisotti die Medienberichte. Er stehe in Kontakt mit dem Vatikanbotschafter in Syrien, Kardinal Mario Zenari, so Gisotti. Der päpstliche Nuntius in Damaskus hatte der italienischen Agentur "Askanews" gesagt, im Fall Dall'Oglio sei "nichts auszuschließen", man müsse abwarten. Vor einer Woche hatte Papst Franziskus die Familie Dall'Oglios in einer Privataudienz empfangen. Das treffen sei ein "Zeichen der Verbundenheit und Nähe des Papstes" gegenüber der Familie des Jesuiten gewesen, hatte der Vatikan mitgeteilt.

Der aus Rom stammende Priester gilt als Islamexperte und gründete in den 1980er Jahren das syrisch-katholische Kloster "Deir Mar Musa al-Habashi" nördlich von Damaskus. Dort setzte er sich für den Dialog zwischen Christen und Muslimen ein. 2012 wurde Dall'Oglio von der syrischen Regierung ausgewiesen, weil er Oppositionsmitglieder getroffen und die Politik des Assad-Regimes während des Bürgerkriegs kritisiert hatte. Er kehrte ein Jahr später jedoch zurück und versuchte, verschleppte Geiseln aus Raqqa zu befreien, der damaligen Hauptstadt des IS. Dabei wurde der Jesuit im Juli 2013 selbst entführt und ist seither vermisst. In der Vergangenheit hatte es sowohl Gerüchte über seine Ermordung unmittelbar nach der Festnahme gegeben als auch darüber, dass er noch am Leben sei. (rom)

07.02.2019, 15:25 Uhr: ergänzt um das Statement Gisottis. /rom