Greift Franziskus im Venezuela-Konflikt ein?
Diskussion um Vermittlerrolle des Papstes

Greift Franziskus im Venezuela-Konflikt ein?

Wie verhält sich Papst Franziskus im Venezuela-Konflikt? Zuletzt wurde erneut darüber spekuliert, ob der Papst noch einmal als Vermittler in dem seit Jahren andauernden Konflikt tätig werden sollte. Die Signale aus dem Vatikan dazu sind bislang nicht eindeutig.

Von Steffen Zimmermann |  Berlin - 15.02.2019

Dass er als Vermittler zu überzeugen weiß, hat Papst Franziskus in den vergangenen Jahren immer wieder unter Beweis gestellt – auch auf dem oftmals schwierigen Feld der internationalen Politik. In Erinnerung geblieben sind vor allem sein Einsatz für die historische Annäherung zwischen Kuba und den USA und seine Unterstützung des Friedens- und Versöhnungsprozesses in Kolumbien. Beide Initiativen zeigten 2014 und 2017 eindrucksvoll die Möglichkeiten der päpstlichen Diplomatie.

Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass Franziskus Name nun wieder fällt – diesmal im Zusammenhang mit Venezuela. Seit Jahren befindet sich das lateinamerikanische Land in einer schweren Krise, die sich durch die Konfrontation zwischen dem sozialistischen Machthaber Nicolas Maduro und der Opposition rund um den selbsternannten Interimspräsidenten Juan Guaido zuletzt noch einmal gefährlich zugespitzt hat. Doch könnte der Papst hier tatsächlich vermitteln?

Papst: Lage in Venezuela ist "gravierend"

Bislang zeichnet sich in dieser Frage noch keine klare Antwort ab; zu widersprüchlich waren die Meldungen der vergangenen Wochen. Noch im Januar, beim Weltjugendtag in Panama, hatte der kommissarische Vatikansprecher Alessandro Gisotti Nachfragen zum Vorgehen in der Venezuela-Krise abgelehnt. Das einzige, was er sagen könne, sei, dass man für die Menschen in dem sozialistisch regierten Land bete, so Gisotti damals vor Journalisten. Franziskus selbst sagte am Ende seines Besuchs in Panama, die Lage in Venezuela sei "gravierend". Er sei dem venezolanischen Volk in diesen Stunden besonders nahe und bete für eine "gerechte, friedliche Lösung".

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Mit einer neuen Arbeitshilfe will die Deutsche Bischofskonferenz auf die präkere Lage der Christen in Kuba und Venezuela aufmerksam machen. Die Einschränkung der Religionsfreiheit sei dort inzwischen an der Tagesordnung, so Weltkirche-Bischof Ludwig Schick. (Artikel von November 2018)

Auf dem Rückflug nach Rom wurde der Papst dann noch deutlicher: "Ich leide darunter", sagte Franziskus mit Blick auf den eskalierenden Machtkampf. "Ich habe Angst vor einem Blutvergießen." Darum bitte er alle Beteiligten um eine gerechte und friedliche Lösung. Außerdem äußerte sich Franziskus auch zu einer möglichen Vermittlerrolle. Er selbst wolle sich nicht auf die Seite einer Partei schlagen. "Das wäre eine pastorale Fahrlässigkeit, die Schaden anrichten könnte", so der Papst.

Möglicherweise spielte bei dieser Absage auch die Erinnerung an diverse gescheiterte Vermittlungsversuche der vergangenen Jahre eine Rolle. Immer wieder hatte der Vatikan seit Franziskus Amtsantritt im Jahr 2013 versucht, zwischen Regierung und Opposition in Venezuela zu vermitteln – jedoch ohne Erfolg. Typische Meldungen der vergangenen Jahre lauteten wahlweise "Papst unterstützt offenbar Vermittlungen in Venezuela", "Vatikan-Vermittlungsmission in Venezuela offenbar gescheitert" oder "Papst plant neue Vermittlungsaktion in Venezuela" – ein wirklicher Fortschritt auf dem Weg zu einem Frieden konnte nie erzielt werden.

Seit Ende Januar wird wieder über eine mögliche Vermittlung diskutiert

Ende Januar kam aber doch noch einmal Bewegung in die Frage nach einer möglichen neuen Vermittlung durch Franziskus. Durch einen Bericht der italienischen Tageszeitung "La Stampa" wurde bekannt, dass Machthaber Maduro den Papst in einem Brief erneut um Vermittlung angefragt hatte. Wenige Tage später bestätigte Maduro die Existenz des Briefs. Er habe um Hilfe in einem Prozess gebeten, der einen Dialog ermöglichen soll, sagte er dem Sender Sky 24.

Auf seinem Rückflug aus den Vereinigten Arabischen Emiraten erklärte Franziskus, den Brief noch nicht gelesen zu haben. Allerdings sei der Vatikan weiterhin bereit, in Venezuela zu vermitteln. Dafür brauche es aber guten Willen auf beiden Seiten. Das müsse man prüfen. Wenn ein Vermittler in Venezuela gebraucht werde, stehe der Heilige Stuhl bereit.

Nicolas Maduro ist seit 2013 Staatspräsident von Venezuela.

Ähnlich äußerte sich wenige Tage später auch Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin. Für eine Lösung der Krise in Venezuela müssten sich zuerst beide Seiten bewegen. "Die Parteien dort müssen sich bewegen, bevor sich der Heilige Stuhl entscheidet, Teil des Dialogs zu werden", sagte Parolin dem Sender TV2000. Auf die Frage, ob der Vatikan Juan Guaido als Interimspräsidenten anerkennen könnte, sagte Parolin: "Der Papst hat klar gemacht, dass der Heilige Stuhl bis jetzt noch keine Stellung bezieht." Vorerst nehme der Heilige Stuhl eine "positive Neutralität" ein. Dies sei nötig, um zwischen den Konfliktparteien vermitteln zu können. Dem Papst gehe es immer darum, friedliche Lösungen zu finden.

Noch deutlich defensiver klang schließlich an diesem Mittwoch die Reaktion des Vatikan auf Medienberichte, wonach der Papst Maduro mit einem eigenen Brief auf dessen Vermittlungsbitte geantwortet habe. Der Kirchenstaat wollte nicht einmal bestätigen, dass es den Brief tatsächlich gibt. Allerdings hatte die italienische Tageszeitung "Corriere della Sera" am Morgen über den Brief berichtet und teilweise daraus zitiert. Der Heilige Stuhl habe sich in den vergangenen Jahren immer wieder um Vermittlung bemüht, sämtliche Initiativen seien jedoch unterbrochen worden, da "keine konkreten Gesten zur Umsetzung der getroffenen Vereinbarungen folgten", zitierte die Zeitung den Papst.

Soll man mit Machthaber Maduro überhaupt verhandeln?

Laut "Corriere della Sera" erklärte der Papst in dem auf den 7. Februar datierten Schreiben, er habe Vermittlung immer befürwortet, jedoch nur in einem Dialog, in dem "die verschiedenen Konfliktparteien das Gemeinwohl über jegliche anderen Interessen stellen und für Einheit und Frieden arbeiten". Die Situation in Venezuela beunruhige ihn sehr, bekräftigt das Kirchenoberhaupt in dem Brief erneut. Er sei besorgt angesichts des "Leides des großherzigen venezolanischen Volks, das kein Ende zu nehmen scheint".

Ob diese Aussagen des Papstes nun für oder gegen einen erneuten vatikanischen Vermittlungsversuch sprechen, bleibt abzuwarten. Klar ist aber: Grundsätzlich scheint Franziskus weiter für eine Vermittlung zur Verfügung zu stehen – allerdings nur unter bestimmten Bedingungen. Unter anderem müssten beide Seiten in dem Konflikt die Vermittlung von außen wirklich wollen. Die Kirche in Venezuela selbst ist allerdings skeptisch, was die Möglichkeiten eines Dialogs mit Maduro betrifft. Man könne mit ihm nicht verhandeln, weil er die Realität komplett negiere, heißt es aus den Reihen der Konferenz. Der Weg zum Frieden in Venezuela scheint so oder so noch sehr weit zu sein.

Von Steffen Zimmermann