Islamische Glaubensgemeinschaft zeigt FPÖ-Politiker Strache an
Nach Äußerungen bei Sarrazin-Buchvorstellung

Islamische Glaubensgemeinschaft zeigt FPÖ-Politiker Strache an

Österreichs Vizekanzler Heinz-Christian Strache hatte sich bei einer Buchvorstellung abschätzig gegenüber dem Islam und Muslimen in Europa geäußert. Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich hat den FPÖ-Politiker deshalb nun angezeigt.

Wien - 21.03.2019

Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) hat den österreichischen Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) wegen des Verdachts auf Verhetzung angezeigt. Jüngste Aussagen des Politikers hätten diesen Schritt erzwungen, teilte die IGGÖ laut einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht auf der Internetseite des Österreichischen Rundfunks (ORF) mit.

Man habe sich nach dem Terroranschlag im neuseeländischen Christchurch mit 50 Toten und zahlreichen Verletzten gezwungen gesehen, eine Maßnahme zu setzen, sagte IGGÖ-Präsident Ümit Vural. Die Vertretung in Österreich lebender Muslime bezieht sich den Angaben zufolge auf Aussagen Straches aus der vergangenen Woche, die aus Sicht der IGGÖ zu Gewalt gegen muslimische Menschen und Einrichtungen aufstacheln könnten.

"Keine Politikerkarriere ist wichtiger als der soziale Friede in unserem Land"

"Nach den Terroranschlägen in Neuseeland haben wir als Islamische Glaubensgemeinschaft gesagt: Es reicht. Und die Aussagen des Vizekanzlers sind eine massive Entgleisung, die wir nicht mehr hinnehmen können", so Vural. Konkret geht es laut ORF um Äußerungen, die Strache am 14. März bei der Präsentation des Buches "Feindliche Übernahme – Wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht" des deutschen Autors Thilo Sarrazin getroffen hatte.

So stoße sich die IGGÖ unter anderem an dem Vorwurf Straches, dass in Kindergärten in Wien "mit Hasspredigten die Kinder zu Märtyrern erzogen werden sollen"; außerdem kritisiere die Vereinigung einen Satz, in dem vom Prozentanteil muslimischer Mitbürger und Bürgerkriegszuständen die Rede war. "Niemand steht über dem Gesetz, keine Politikerkarriere ist wichtiger als der soziale Friede in unserem Land. Daher hat uns der Vizekanzler durch seine massiven Entgleisungen zu diesem Schritt gezwungen", so Vural. (stz)