Papst bei Vorsynode
Nachsynodales Schreiben zur Jugendsynode veröffentlicht

Papst: Jugend will eine Kirche, die nicht ständig die Welt verdammt

Ob Missbrauch, Fremdenfeindlichkeit oder Digitalisierung: Die Jugend steht vor vielen Herausforderungen – innerhalb der Kirche wie auch in der Gesellschaft. Nun hat der Vatikan das Nachsynodale Schreiben von Papst Franziskus zur Jugendsynode veröffentlicht. Das steht drin.

Vatikanstadt - 02.04.2019

Papst Franziskus hat die jungen Menschen in seinem Nachsynodalen Schreiben zur Jugendsynode zum Engagement in Kirche und Gesellschaft aufgerufen. Migrationsphänomene lösten Alarm und Ängste aus, die oft für politische Zwecke angeheizt und missbraucht würden, heißt es in dem am Dienstag im Vatikan vorgestellten Schreiben. Auf diese Weise verbreite sich eine fremdenfeindliche Mentalität. "Darauf müssen wir entschlossen reagieren."

Willkommensinitiativen, die in einem Bezug zur Kirche stünden, spielten eine wichtige Rolle und könnten Gemeinden, die fähig seien, sie durchzuführen, "mit neuem Leben erfüllen", so der Papst. Dank der unterschiedlichen Herkunft der Synodenväter sei die Kirche in der Lage, "zum Thema Migration eine prophetische Rolle gegenüber der Gesellschaft zu spielen". Franziskus bittet vor allem die Jugendlichen, "nicht auf diejenigen hereinzufallen, die versuchen, gegen junge Migranten zu hetzen".

Kirche soll keine Sekte werden

Für die Kirche selbst seien es gerade die jungen Menschen, die "ihr helfen können, jung zu bleiben, nicht der Korruption zu verfallen, nicht stehen zu bleiben, nicht stolz zu werden, sich nicht in eine Sekte zu verwandeln", schreibt Franziskus. Die Kirche müsse demütig zugeben, "dass sich einige Dinge ändern müssen, und zu diesem Zweck muss sie auch die Meinungen und sogar die Kritik der jungen Menschen anhören". Diese wünschten sich eine Kirche, die "nicht ständig die Welt verdammt". Statt als ängstliche Kirche ständig kritisch gegenüber der Verteidigung der Frauenrechte eingestellt zu sein, könne eine lebendige Kirche "den berechtigten Ansprüchen" von Frauen nach Gerechtigkeit und Gleichheit Aufmerksamkeit schenken.

Das Nachsynodale Apostolische Schreiben von Papst Franziskus trägt den Titel "Christus vivit" (dt.: Christus lebt). Es umfasst neun Kapitel auf 76 Seiten und ist "an die jungen Menschen und das ganze Volk Gottes" gerichtet. Themen sind unter anderem das Engagement von Jugendlichen in Kirche und Gesellschaft, Freundschaft und Familie, eine gelingende Gottesbeziehung, der pastorale Umgang mit jungen Menschen sowie die Berufung. Das Schreiben fasst die Ergebnisse der Bischofssynode im Vatikan zusammen, zu der im vergangenen Oktober mehr als 260 Bischöfe und knapp 50 Gasthörer zusammenkamen, um über die Themen Jugend, Glaube und Berufung zu sprechen.

Das Dokument im Wortlaut

Nachsynodales Apostolisches Schreiben "Christus vivit" von Papst Franziskus.

Mit Blick auf den Missbrauchsskandal macht Franziskus erneut den Klerikalismus als Hauptübel aus. Er sei "eine ständige Versuchung für diejenigen Priester, die das empfangene Amt als eine auszuübende Macht [verstehen] und nicht als einen mit Selbstlosigkeit und Großmut anzubietenden Dienst". Klerikalismus berge für gottgeweihte Personen die Gefahr, die Achtung vor dem heiligen und unveräußerlichen Wert jedes Menschen und seiner Freiheit zu verlieren. "Der Wunsch nach Herrschaft, ein Mangel an Dialog und Transparenz, Formen des Doppellebens, spirituelle Leere sowie psychische Labilität sind der Boden, auf dem Korruption gedeiht", so der Papst. Gleichzeitig betonte er, dass "die Priester, die in diese schrecklichen Verbrechen verstrickt sind, nicht die Mehrheit" sei.

Kritisch beurteilt der Papst außerdem die schwierigen Lebensumstände sowie die "zahllosen Formen der Gewalt", von der junge Menschen auch außerhalb der Kirche betroffen sind: Entführung, Erpressung, organisiertes Verbrechen, Menschenhandel, Sklaverei und sexuelle Ausbeutung und Kriegsvergewaltigungen. Sorgen macht Franziskus zudem, dass "die Mächtigen einiges an Hilfe leisten, oft aber zu einem hohen Preis". In armen Ländern sei die wirtschaftliche Unterstützung mit der Annahme westlicher Vorstellungen bezüglich Sexualität, Ehe, Leben oder sozialer Gerechtigkeit verbunden. "Diese ideologische Kolonisation schadet vor allem jungen Menschen."

Keine Stellungnahme zur Homosexualität

Den Entwicklungen in der digitalen Welt widmet Franziskus ein eigenes Unterkapitel, in dem über die Chancen, spricht: "In vielen Ländern sind das Internet und soziale Netzwerke heute als Medium unverzichtbar, um junge Menschen zu erreichen und unter anderem auch in pastorale Initiativen und Aktivitäten einzubeziehen." Gleichzeitig warnt er, dass die digitale Welt "wie alle menschliche Wirklichkeit, auch mit Fehlern und Mängeln behaftet ist". Franziskus schreibt unter anderem von Einsamkeit, Manipulation und Pornografie.

Der Papst verweist außerdem darauf, dass junge Menschen "den ausdrücklichen Wunsch nach Auseinandersetzung mit Fragen zum Unterschied zwischen männlicher und weiblicher Identität, zur Wechselseitigkeit/Reziprozität zwischen Mann und Frau und zur Homosexualität" geäußert hätten. Stellung nimmt der Papst zu diesen Punkten allerdings nicht. (bod)

Stellungnahme von DBK und BDKJ

Erklärung von Kardinal Reinhard Marx und Thomas Andonie zum Dokument von Papst Franziskus.