Kardinal fordert Geldstrafen an Kurie als Folge von Vatileaks

Becciu: Franziskus und Benedikt haben unter dem Verrat sehr gelitten

Aktualisiert am 08.04.2019  –  Lesedauer: 

Rom ‐ Was hat der Vatikan aus den Vatileaks-Skandalen gelernt? Und wie ging es den beiden betroffenen Päpsten damit? Einer, der es wissen muss, ist Kurienkardinal Angelo Becciu. Und der beklagt die Untreue an der Kurie.

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Kurienkardinal Angelo Becciu hält die Konsequenzen des Vatikan aus den beiden Vatileaks-Skandalen für unzureichend. Diese Einschätzung äußerte er in einem Interview, aus dem das Portal "Vatican Insider" (Montag) vorab berichtet. Auch an der Kurie sollten "Verletzungen des Berufsgeheimnisses mit Geldstrafen belegt werden", wird Becciu zitiert. Das vollständige Interview soll in Kürze in dem Buch "I nuovi cardinali di Francesco" (Franziskus' neue Kardinäle) erscheinen, das vom italienischen TV-Journalisten Fabio Marchese Ragona erstellt wird.

Becciu, Leiter der Vatikanbehörde für Heiligsprechungen, war von 2011 bis Juni 2018 Substitut im Staatssekretariat und damit an einer Schlüsselstelle der Kurienverwaltung tätig. Dort habe er eine Untersuchung zur Einrichtung solcher Geldstrafen gefordert; "ich hoffe, dass dies Fortschritte macht", so der Geistliche. Bei den beiden Vatileaks-Skandalen 2011/12 und 2015 kam es zur Weitergabe vertraulicher Dokumente aus dem Vatikan an Journalisten.

Beide Päpste, Franziskus wie Benedikt XVI., hätten unter "diesem Verrat sehr gelitten", sagte Becciu, der im Juni 2018 zum Kardinal ernannt wurde. Es gebe keine Gründe, die ein Verhalten wie in den Vatileaks-Skandalen rechtfertigen könnten. Dabei gehe es nur um "die Logik der Macht", der Verrat sei "Frucht von Frustrationen, Eifersucht, Rache" und diene manchen sogar zur Geschäftemacherei, so der Geistliche.

Bei einigen, die im Vatikan arbeiten, sei das Gefühl der Zugehörigkeit zur Kirche, "die Fähigkeit zu wissen, wie man im Stillen leidet - ich sage das besonders den Priestern! -, verschwunden", wird Becciu weiter zitiert. Das päpstliche Geheimnis und der dazu gehörende Eid bedeuteten einigen nichts mehr.

"Der Papst hat uns gebeten, dazu zu schweigen"

Zu den Anschuldigungen des früheren Vatikanbotschafters in den USA, Carlo Maria Vigano, wollte Becciu sich nicht näher äußern: "Der Papst hat uns gebeten, dazu zu schweigen, und daran halte ich mich." Er wisse nicht, ob hinter Viganos Beschuldigungen Pläne zur Destabilisierung stecken. "Ich mag keine Verschwörungstheorien und will sie auch nicht beflügeln", so der Kurienkardinal. Vigano hat Franziskus und führenden Kreisen der Kurie vorgeworfen, von sexuellen Verfehlungen des ehemaligen Washingtoner Erzbischofs Theodore McCarrick gegen Seminaristen gewusst zu haben und nichts oder zu spät etwas unternommen zu haben.

Im ersten Vatileaks-Fall hatte der Kammerdiener des damaligen Papstes Benedikt XVI., Paolo Gabriele, vertrauliche Unterlagen vom päpstlichen Schreibtisch weitergegeben. Er wurde im Oktober 2012 vom vatikanischen Gericht zu 18 Monaten Haft verurteilt; am 22. Dezember begnadigte ihn Benedikt XVI.

Im Juli 2016 wurde der frühere Sekretär der Präfektur für die wirtschaftlichen Angelegenheiten des Heiligen Stuhls, Lucio Angelo Vallejo Balda, zu einer Haftstrafe von 18 Monaten verurteilt. Der Priester hatte im Prozess die Weitergabe interner Akten der päpstlichen Wirtschaftsprüfungskommission COSEA an zwei Journalisten gestanden. Franziskus begnadigte den spanischen Priester kurz vor Weihnachten 2016. (KNA)