Erzbischof Carlo Maria Vigano
Neues Schreiben zu Missbrauchsvertuschung veröffentlicht

Erzbischof Vigano legt bei Vorwürfen gegen den Papst nach

Die Vertuschungsvorwürfe und Rücktrittsforderung gegen Papst Franziskus von Erzbischof Vigano sorgten für reichlich Wirbel. Bislang schweigt der Vatikan zu den Anschuldigungen. Daher legt Vigano mit einem neuen Schreiben nach.

Toronto - 28.09.2018

Der frühere Nuntius in den USA, Erzbischof Carlo Maria Vigano, hat bei seinen Vorwürfen gegen Papst Franziskus nachgelegt. Das kanadische Internetportal LifeSite veröffentlichte am Donnerstagabend ein weiteres Schreiben Viganos. Darin fordert dieser unter anderem den Präfekten der Bischofskongregation, Kardinal Marc Ouellet, auf, Dokumente vorzulegen, die den früheren Washingtoner Erzbischof Theodore McCarrick belasten sowie jene in der Kurie, die dessen Fehlverhalten vertuscht haben sollen.

Zu seinem weiteren Schreiben sehe er sich gezwungen, so Vigano, weil weder der Papst noch andere Verantwortliche bisher auf seine Vorwürfe konkret geantwortet hätten. Allenfalls in seinen morgendlichen Predigten habe der Papst sich selbst mit dem schweigenden Christus und ihn, Vigano, mit Satan verglichen, meint der Ex-Nuntius. Entsprechende Aussagen in den erwähnten Predigten des Papstes in den vergangenen Wochen waren jedoch allgemeiner gehalten.

Verteidigung des Papstes

In einem fast elfseitigen Schreiben, das am 26. August in einer konzertierten Aktion konservativer Websites wie LifeSite und Blogger veröffentlicht wurde, warf Vigano dem Papst vor, er habe seit Jahren von Übergriffen McCarricks auf Seminaristen gewusst, ohne gegen ihn vorzugehen. Vigano legte Franziskus gar den Rücktritt nahe. Zudem wurde bekannt, dass auch führende Vatikanstellen seit langem über Verfehlungen des Kardinals informiert waren.

Der Vorsitzende der US-Bischofskonferenz, Kardinal Daniel DiNardo, erklärte daraufhin, Viganos Vertuschungsvorwürfe verlangten schlüssige Antworten, die auf Beweisen beruhen. Bislang schweigt der Papst dazu. Der Kardinalsrat, der ihn berät, hatte am 10. September angekündigt, er sei "sich bewusst, dass in der aktuellen Debatte auch der Heilige Stuhl eventuell nötige Klärungen" formulieren werde.

Verschiedene Kirchenvertreter hatten Papst Franziskus nach den Vigano-Vorwürfen verteidigt. In der Kirche gebe es "Kreise", die den Papst "möglichst bald loswerden wollen", sagte der Wiener Kardinal Christoph Schönborn. Der honduranische Kardinal Oscar Andrés Rodríguez Maradiaga wies die Anschuldigungen Viganos als unwahr zurück und stellte sich hinter Franziskus. Auch die deutschen Bischöfe Peter Kohlgraf und Stefan Oster bekundeten nach den Rücktrittsforderungen ihre Loyalität zum Papst. Laut dem Münchner Kirchenrechtler Stephan Haering habe sich Vigano durch die öffentliche Rücktrittsforderung sogar strafbar gemacht, weil er seine Verpflichtung zur Verschwiegenheit gebrochen habe. (tmg/KNA)