Huonder: Vatikan muss an vorkonziliares Lehramt anknüpfen
Bischof meldet sich vor Ruhestand zu Wort

Huonder: Vatikan muss an vorkonziliares Lehramt anknüpfen

Der scheidende Churer Bischof Vitus Huonder fordert von Vatikan und Piusbruderschaft, aufeinander zuzugehen. Dazu gehöre auch eine "Rückbesinnung" seitens des Vatikans. Außerdem kristisiert er den "synodalen Weg" der deutschen Bischöfe.

Chur - 11.04.2019

Der scheidende Bischof des Schweizer Bistums Chur, Vitus Huonder, fordert vom Vatikan eine stärkere Rückbesinnung auf das kirchliche Lehramt vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Das erleichtere die Anerkennung der Konzilsbeschlüsse durch die umstrittene Piusbruderschaft. "Es geht darum, die Kontinuität der Lehre besser aufzuzeigen", sagte Huonder der "Tagespost" am Donnerstag. Beide Seiten müssten gegenseitig den Einsatz für eine Einigung anerkennen.

Der Bischof wird seinen am 21. April beginnenden Ruhestand in einer Einrichtung der Piusbruderschaft verbringen. Über seine Aufgabe dort gab es in jüngster Zeit unterschiedliche Angaben, auch über die Art seiner Beauftragung durch den Vatikan. Dieser hatte dementiert, dass es eine offiziellen Auftrag an den Bischof gebe. Huonder gab in dem Interview an, der Papst sei über seinen Umzug informiert. Vor einiger Zeit sei er von der für den Dialog zuständigen zuständigen Kommission Ecclesia Die angefragt worden und habe seither Kontakt mit den Piusbrüdern. Das führe er nun weiter. Seine Rolle bezeichnete er als "informell", er wolle den Dialog zwischen Vatikan und Bruderschaft aufrechterhalten. "In erster Linie geht es mir um die Einheit der Kirche", so Huonder.

Kritik am "synodalen Weg"

Weiter kritisierte er den von der Deutschen Bischofskonferenz beschlossenen "synodalen Weg" zur Aufarbeitung kirchlichen Missbrauchs, bei dem unter anderem die Themen Zölibat, Frauenweihe und Sexualmoral diskutiert werden sollen. Huonder sagte, ein solcher Prozess könne gut sein, wenn es um Beratung gehe. "Wenn man dann im Rahmen eines solchen Prozesses meint, alles ändern zu müssen, was die Kirche bisher getan hat, dann kann dabei nichts Gutes herauskommen", so Huonder.

Kritik übte der 77-Jährige ebenfalls am dualen System der katholischen Kirche in der Schweiz. Den von Bischöfen geleiteten Bistümern stehen dort demokratisch gewählte Laiengremien gegenüber, die die Kirchensteuermittel erhalten und über deren Verteilung entscheiden. Huonder bezeichnete dieses System als "Schisma" und kritisierte, dass manche Laiengremien in Opposition zu Bischöfen gingen. "Dann hat eine solche Struktur keine Daseinsberechtigung mehr", sagte Huonder. "Wenn die Körperschaften weiter gegen die Lehre der Kirche handeln, werden Bischöfe zum Austritt aus diesen Körperschaften aufrufen müssen."

Vor kurzem hatten der Generalvikar und der Synodalrat im Kanton Zürich und damit auf dem Gebiet des Bistums Chur von Papst Franziskus eine Erneuerung der Kirche gefordert. Die Kirche stehe in Flammen, hieß es in einem Offenen Brief. Darin kritisierten sie indirekt Huonder: "Das Entsetzliche daran ist: Hirten, die zum Dienst am Evangelium bestellt wurden, haben diesen Flächenbrand gelegt." Nicht nur jüngere Menschen, sondern auch ältere, langjährige Kirchenmitglieder seien entsetzt und kehrten der Kirche den Rücken. Sie seien "befremdet, empört und verbittert". (cph)