Kardinal Philippe Barbarin geht die Stufen einer Kirche in Lyon hinab.
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Kardinal war wegen Missbrauchsvertuschung verurteilt worden

Ersatz für Barbarin: Papst ernennt Übergangsleiter für Erzbistum Lyon

Kardinal Philippe Barbarin wurde im März wegen Missbrauchsvertuschung verurteilt. Seinen Rücktritt nahm der Papst nicht an – sein Amt als Lyoner Oberhirte ruht dennoch seitdem. Nun ist ein "Nachfolger" gefunden.

Vatikanstadt - 24.06.2019

Das Erzbistum Lyon erhält einen Übergangsleiter. Am Montag ernannte Papst Franziskus den früheren Bischof von Evry-Corbeille-Essonnes, Michel Dubost (77), zum Apostolischen Administrator. Anstelle des bisherigen Erzbischofs von Lyon, Kardinal Philippe Barbarin (68), soll er die südfranzösische Diözese im Auftrag des Papstes verwalten.

Barbarin war am 7. März zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden, weil er einen Priester nicht angezeigt hatte, der vor rund 40 Jahren mehrere minderjährige Pfadfinder sexuell missbrauchte. Barbarin ging in Berufung und bot gleichzeitig dem Papst seinen Rücktritt an. Franziskus nahm diesen jedoch nicht an. Angesichts der Schwierigkeiten, die das Erzbistum Lyon durchlebe, habe der Papst dem Erzbischof die Entscheidung selbst überlassen, erklärte damals Vatikansprecher Alessandro Gisotti.

Papst konnte Rücktritt "moralisch nicht akzeptieren"

Franziskus selbst erläuterte seine Entscheidung Anfang April so: Er habe den Rücktritt des Erzbischofs aufgrund der Unschuldsvermutung "moralisch nicht akzeptieren" können. "Warten wir den Spruch der zweiten Instanz ab und schauen wir, was passiert", so der Papst.

Barbarin ließ seitdem sein Amt ruhen und beauftragte seinen Generalvikar Yves Baumgarten, die Erzdiözese einstweilig zu leiten. Barbarin war seit 2002 Erzbischof des zweitgrößten französischen Bistums. Anders als in Deutschland besteht in Frankreich eine strafbewehrte Pflicht, Fälle von sexuellem Missbrauch der Justiz zu melden.

Der jetzt ernannte Administrator Michel Dubost war von 2000 bis August 2017 Bischof von Evry-Corbeille-Essonnes. Zuvor war der in Marokko geborene Dubost unter anderem Militärbischof; die Priesterweihe hatte er am 24. Mai 1967 in Paris empfangen.

Seine Ernennung zum Apostolischen Administrator ändere nichts an der Tatsache, dass Barbarin der rechtmäßige Amtsinhaber bleibe, unterstrich Dubost im Interview mit Radio Vatikan (Montag). "Was jetzt vorgeht, ist eigentlich der kanonische Nachvollzug dessen, was bisher vorgefallen ist. Das ändert an der Situation absolut nichts." Papst Franziskus habe nicht gewollt, dass Barbarin sein Amt als Erzbischof von Lyon niederlege. "Meine Ernennung entspricht dem Willen des Papstes und dem Willen von Kardinal Barbarin, eine Auszeit von seinen Amtspflichten zu nehmen", so Dubost. (tmg/KNA)

24.6., 17 Uhr: Ergänzt um Absatz 6.