Älteste deutsche Papierhandschrift entdeckt – verfasst von einem Mönch
Experten sprechen von Sensationsfund

Älteste deutsche Papierhandschrift entdeckt – verfasst von einem Mönch

Ein Münchener Codex von 1348 galt bislang als die älteste, vollständig in Deutsch auf Papier geschriebene Handschrift. Das muss nach einem neuen Fund revidiert werden. Er gilt als Sensation.

Karlsruhe/Leipzig - 25.06.2019

Die Badische Landesbibliothek in Karlsruhe spricht von einem Sensationsfund: Unter ihren mittelalterlichen Handschriften wurde kürzlich die älteste überlieferte Papierhandschrift in ausschließlich deutscher Sprache entdeckt. Die kleinformatige theologische Sammelhandschrift könne wegen ihrer Wasserzeichen sicher auf den Zeitraum 1335 bis 1340 datiert werden, teilte die Bibliothek am Dienstag in Karlsruhe mit. Bislang galt als älteste, vollständig in Deutsch auf Papier geschriebene Handschrift ein Münchener Codex, der auf das Jahr 1348 datiert ist.

Der anonyme "Mönch von Heilsbronn"

Die Handschrift Donaueschingen B V 13, der zwei recycelte Pergamenturkunden als Umschlag dienen, enthalte zwei Texte zum wahren christlichen Glauben, hieß es: das "Buch der sieben Grade" des anonymen "Mönches von Heilsbronn" mit 179 Seiten und das später eingebundene 13-seitige Meister-Eckhart-Traktat zu den "Vierundzwanzig Zeichen eines vernünftigen Grundes". Die Handschrift stammt aus der Sammlung der Fürsten von Fürstenberg aus Donaueschingen und kam 1993 in den Besitz des Landes Baden-Württemberg.

Durch die Neudatierung der Handschrift könne das literarische Wirken des im Spätmittelalter vielgelesenen Autors "Mönch von Heilsbronn" erstmals zeitlich genauer eingegrenzt werden, hieß es weiter. Die Datierung nahm das Handschriftenzentrum der Universitätsbibliothek Leipzig vor. Dort werden seit 2015 die deutschsprachigen theologischen Handschriften analysiert und digitalisiert. Diese seien im Gegensatz zu den gut erforschten literarischen Handschriften aus Donaueschingen wie der Nibelungenlied-Handschrift C oder dem Rappoltsteiner Parzival bislang kaum aufgearbeitet worden.

Erstes Indiz zum Alter der Schrift sei das sehr dicke und steife Papier des äußerlich unscheinbaren Bandes gewesen, dessen Größe dem DIN-A6-Format entspreche. Zudem habe der Schrifttyp in das zweite Viertel des 14. Jahrhunderts gewiesen, was die Analyse der Wasserzeichen bestätigt habe.

Laut den Wissenschaftlern kam Papier als Schreibmaterial am Ende des 13. Jahrhunderts aus China nach Europa. Zuvor wurde vor allem Leder-Pergament als Schreibunterlage genutzt. Das in gestochen scharfer, schwarzer Schrift verfasste "Buch der sieben Grade" ist über die Internetseite der Landesbibliothek in einer hohen Auflösung abrufbar. (tmg/epd/KNA)