Das frühere Dominikanerkloster in Maastricht ist heute eine vielbesuchte Buchhandlung.
Umnutzung von Gotteshäusern schreitet voran

Schon jede fünfte Kirche in den Niederlanden ist zweckentfremdet

Nicht nur in Deutschland werden Kirchen umgenutzt. In den Niederlanden sind es noch viel mehr Gebäude, die nicht mehr als Gotteshäuser verwendet werden. Bei Umnutzungskonzepten sind Protestanten weniger zimperlich als Katholiken.

Den Haag - 26.06.2019

Etwa jede fünfte Kirche in den Niederlanden wird nicht mehr für ihren Zweck als Gotteshaus genutzt. 1.400 von 6.900 Kirchen hätten heute eine andere Bestimmung, berichtet die Zeitung "Trouw" (Dienstag); sie hatte eine entsprechende Untersuchung durchgeführt. Ein Großteil der umfunktionierten Kirchen hat demnach nun eine soziale oder kulturelle Bestimmung. Sie werden etwa als Gemeindezentrum, Museum, Wohnungen oder Theater genutzt.

Zwischen 1800 und 1970 gebaute Kirchen werden demnach bereits deutlich öfter anders genutzt. Jedes vierte von 4.600 Gebäuden habe bereits eine andere Funktion übernommen, so die "Trouw". Ein Drittel von ihnen sei in Wohnhäuser und Appartementkomplexe umgewandelt; 20 Prozent hätten eine kulturelle oder soziale Funktion, und 15 Prozent würden als Büro- oder Geschäftsräume genutzt.

Für Katholiken ist die Kirche heilig, für Protestanten nützlich

Wie eine Kirche genutzt wird, hängt auch von der vorherigen Funktion ab. Katholiken sind der "Trouw" zufolge zurückhaltender bei der neuen Funktion als Protestanten. Das sei auf die Rolle von katholischen Kirchengebäuden zurückzuführen. "Für römisch-katholische Christen ist die Kirche heilig, für Protestanten ist die Kirche nützlich", heißt es dort. - Der Utrechter Kardinal Willem Jacobus Eijk prognostizierte 2018, dass 2028 nur noch 15 der 280 Kirchen im Erzbistum Utrecht in Gebrauch sein werden.

Im Dezember hatte der Päpstliche Kulturrat Leitlinien zur Umnutzung von Kirchen veröffentlicht. Ehemalige Kirchen sollten demnach nicht zu Nachtclubs oder Restaurants werden. Neben einer angemessenen Weiternutzung wird auch empfohlen, die Umnutzung gemeinsam mit der Kirchengemeinde zu planen. Verkauf sollte nur als letzte Lösung in Betracht gezogen werden, hieß es. Die Leitlinien seien jedoch nicht bindend: "Die letzte Verantwortung über den Verbleib der Kultusgebäude obliegt dem Bischof." (tmg/KNA)