Kasper: Es gab kein "Geheimtreffen" zur Amazonas-Synode
Kardinal widerspricht traditionalistischen Internet-Blogs

Kasper: Es gab kein "Geheimtreffen" zur Amazonas-Synode

Traditionalistische Internet-Blogs hatten von einer Art Geheimtreffen zur Amazonas-Synode berichtet. Dabei seien progressive Reformen vorbereitet worden, hieß es. Kardinal Walter Kasper spricht von "Verleumdungen" und erklärt, worum es ging.

Rom - 26.06.2019

Bei einem vorbereitenden Symposium zur Amazonas-Synode haben mehrere Kardinäle und Bischöfe in Rom über theologische Fragen des Synoden-Arbeitspapiers beraten. Das sogenannte Instrumentum laboris war Anfang vergangener Woche veröffentlicht worden. Nach Aussage von Teilnehmern nahmen an dem dreitägigen Seminar unter anderen der Generalsekretär der Bischofssynode, Kardinal Lorenzo Baldisseri, der Relator (Moderator) des Treffens, Kardinal Claudio Hummes, sowie der frühere Amazonas-Bischof Erwin Kräutler und der Vorsitzende des deutschen Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat, Bischof Franz-Josef Overbeck, teil.

Einschlägige traditionalistische Internet-Blogs hatten die Begegnung als eine Art Geheimtreffen bezeichnet. Dabei sollten angeblich unter maßgeblicher deutschsprachiger Beteiligung umstrittene progressive Entscheidungen der Synode wie eine Priesterweihe für verheiratete Männer oder indigene Messfeiern vorbereitet werden.

"Verleumdungen"

Als einer der Teilnehmer wies Kardinal Walter Kasper im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) derartige "Verleumdungen" zurück. Es gehe "um die Zukunft einer bedrohten Ortskirche und deren Inkulturation", so Kasper. Auch unter Papst Johannes Paul II. (1978-2005) "wurden viele solcher Partikular- oder Regionalsynoden abgehalten, die ganz selbstverständlich jeweils von Fachleuten vorbereitet wurden".

So habe man dieser Tage "angesichts der pastoralen Notsituation" in Amazonien "über eine Dispens für die Weihe von verheirateten Männern als Möglichkeit" gesprochen. Das sei aber nur eine von vielen Fragen, die bei dem Bischofstreffen im Oktober in Rom behandelt würden, so Kasper. Niemand habe, wie teils behauptet, "die sakramentale Struktur der Kirche und der hierarchische Leitung in Frage gestellt. Dass man dies ausdrücklich sagen muss, macht mich betroffen", so der Kardinal.

Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller, der laut der traditionalistischen Blogs ebenfalls an den Beratungen teilgenommen hatte, sagte katholisch.de auf Anfrage: "Ich kann sagen, dass ich bei diesem Fachtreffen als Theologe und Kirchenrechtler nicht dabei war." Entsprechende Berichte seien dementsprechend "fake news". Gleichzeitig bestätigte Schüller Kasper darin, dass vorbereitende Arbeitstreffen vor einer Bischofssynode "völlig normal" seien. Die Akteure, die in Rom "augenscheinlich wirklich zusammen beraten haben", seien – wie Baldisseri, Hummes oder Overbeck – qua Amt für diese Synode verantwortlich. Kasper sei dagegen wegen seiner theologischen Kompetenz dabei gewesen. (bod/KNA)