Franz-Josef Overbeck
"Für die humanen und christlichen Werte Europas"

Bischof Overbeck kritisiert Festnahme von "Sea-Watch 3"-Kapitänin

Wer Menschen rettet, gehört nicht ins Gefängnis, sagt der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck. Damit kritisiert er die Festnahme der "Sea-Watch 3"-Kapitänin Carola Rackete. Der Fall hat in Politik und Gesellschaft für Empörung gesorgt.

Essen/Lampedusa - 01.07.2019

Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck hat die Festnahme der "Sea-Watch 3"-Kapitänin Carola Rackete scharf kritisiert. "Wer Menschen vor dem Ertrinken rettet, gehört nicht ins Gefängnis", twitterte Overbeck am Sonntag. Er bewundere den Mut Racketes, sie stehe "mit ihrem Handeln für die humanen und christlichen Werte Europas".

Rackete hatte das Schiff der deutschen Seentoretter am Samstag ohne Erlaubnis in den Hafen der italienischen Insel Lampedusa gesteuert und dort angelegt. Das Schiff mit aus dem Mittelmeer geretteten Migranten hatte mehr als zwei Wochen vor der Küste im Meer gelegen, ohne Zugang zu einem Hafen. Die Kapitänin habe gehandelt, weil sie bereits selbstverletzendes Verhalten bei den Migranten beobachtet habe und Selbstmorde befürchtete. Sie wurde festgenommen und das Schiff beschlagnahmt. Vorgeworfen wird der Kapitänin unter anderem Beihilfe zur illegalen Einwanderung. Gemäß einem neuen Dekret der Regierung in Rom drohen zudem Strafen zwischen 10.000 und 50.000 Euro, wenn private Seenotretter unerlaubt in italienische Hoheitsgewässer einfahren. Nach den jüngsten Ereignissen kündigte das Innenministerium an, eine weitere Verschärfung zu prüfen.

Unterdessen hat der Hamburger Erzbischof Stefan Heße, Flüchtlingsbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), das Verhalten der italienischen Regierung als "unannehmbar" bezeichnet. "Moralisches Handeln darf nicht staatlicherseits bedroht und unmöglich gemacht werden", sagte Heße am Montag in Bonn. Solange die europäischen Staaten sich einer konsequenten Seenotrettung verweigerten oder sie nicht leisten könnten, sei die privat organisierte Rettung aus Seenot legitim und notwendig.

Der Fall hat international für Kritik gesorgt. Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin sagte der italienischen Tageszeitung "Messaggero": "Die Lebensrettung ist der Polarstern, der ganze Rest ist zweitrangig." Menschenleben müssten auf jeden Fall gerettet werden – "egal auf welche Weise". Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erinnerte am Sonntag im ZDF daran, dass Italien Gründungsstaat der Europäischen Union ist. "Deshalb dürfen wir von einem Land wie Italien erwarten, dass man mit einem solchen Fall anders umgeht", so das deutsche Staatsoberhaupt. Italiens Innenminister Matteo Salvini sprach hingegen von Krieg und einem "kriminellen Akt". (mal/cph/KNA)

1. Juli 2019, 17.22 Uhr: Meldung ergänzt um das Statement von Erzbischof Heße.