Der neue Weihbischof des Bistums Rottenburg-Stuttgart, Gerhard Schneider.
In seinem Alltag werde sich wohl nicht viel ändern

Gerhard Schneider: Ex-Bundesbanker wird Weihbischof in Stuttgart

Sein ganzes Leben lang nur mit Geld umgehen? Das wollte Gerhard Schneider nicht. Deshalb studierte er Theologie und empfing die Priesterweihe. Am Samstag weiht der Bischof von Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, den Ex-Bundesbanker zum Weihbischof.

Von Michael Jacquemain (KNA) |  Tübingen - 13.07.2019

"Mit großem Respekt, aber ohne Angst" will sich Gerhard Schneider seiner neuen Rolle als katholischer Weihbischof annähern. Der frühere Angestellte der Bundesbank weiß, dass das Bischofsamt angesichts der schwierigen Lage seiner Kirche derzeit nicht mit der Entrichtung von Vergnügungssteuer verbunden ist. Und er will sich auch nach der Weihe am Samstag nicht über sein Bischofsamt definieren und geht davon aus, dass sich an seinem Alltag und seinem Freundeskreis nicht viel ändern wird.

Schneiders Weg wirkt für eine Bischofskarriere untypisch. Der gebürtige Ulmer orientierte sich zunächst Richtung Geldwirtschaft, studierte Betriebswirtschaft und besuchte die Hochschule der Deutschen Bundesbank im rheinland-pfälzischen Schloss Hachenburg. Er absolvierte, vergleichbar mit Finanzbeamten, eine praxisorientierte Behördenausbildung. Nach deren Ende übernahm ihn die Bundesbank und schickte ihn auch wegen seiner vielfältigen Sprachkenntnisse im Vorfeld der Gründung der Europäischen Zentralbank (EZB) für ein halbes Jahr nach Athen.

Schneider spricht von einer wichtigen Zeit für die Frage, was er danach machte wollte. Er machte den Job bei der Bundesbank nach eigenem Bekunden gern, sah ihn aber nicht als Lebensaufgabe. Wie einer seiner beiden älteren Brüder entschloss er sich zum Theologiestudium und wurde 2002 zum Priester geweiht. Trotzdem behielt er seine Kontakte in die Bankenwelt, trifft sich bis heute mit alten Kollegen, wie er sagt. Schneider nennt seine Jahre in Frankfurt eine "wertvolle und spannende Zeit", in der er gelernt habe, "wie Institutionen ticken".

Nach einer kurzen Phase in der Pfarrseelsorge kümmerte sich der designierte Bischof ab 2004 in Tübingen mit um die Priesterausbildung in der württembergischen Diözese. 2009 übernahm er das Ambrosianum, in dem angehende Studenten Hebräisch, Griechisch und Latein lernen. Die je nach Berufsziel - Lehrer, Priester, Laientheologe - unterschiedlichen Ausbildungswege vernetzte er später immer stärker. Weil Schneider will, dass sich die verschiedenen Gruppen "gegenseitig ergänzen und bereichern".

Gebhard Fürst im Gespräch mit einem Journalisten
Bild: © KNA

Gebhard Fürst ist Bischof von Rottenburg-Stuttgart und Vorsitzender der publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz.

2017 machte Bischof Gebhard Fürst Schneider zum Leiter der Hauptabteilung für Liturgie, zu der die Felder Kunst und Kirchenmusik gehören. Schneider spielte sieben Jahre Klavier. Das Üben mit dem Kontrabass gab er indes nach einem halben Jahr erfolglos auf. Für den Theologen, der Mozart mag, ist Kunst und besonders Musik "eine Chance, den Glauben zu entdecken". Kirchenmusiker nennt er Seelsorger. Aktuell entwickelt er deren Ausbildungskonzepte weiter. Und er kümmert sich um eine eigene Ausbildung für Pop-Chor- und Bandleitung.

Seine Aufgaben in der Bistumsverwaltung soll Schneider ebenso wie die beiden anderen Rottenburger Weihbischöfe Thomas Maria Renz und Matthäus Karrer weiterführen. Seine künftige Rolle sieht Schneider als "Dienstamt" - er möchte als Bischof "Ermöglicher" sein, damit Menschen das Evangelium neu entdecken können. Dabei weiß Schneider, dass diese Idee auch dadurch erschwert wird, dass die Kirche aktuell in einer tiefen Krise steckt und bei vielen Menschen erst einmal Vertrauen zurückgewinnen muss.

Da trifft es sich, dass Schneiders erste Teilnahme an einer Vollversammlung der Bischofskonferenz im September von der Frage bestimmt sein dürfte, wie der geplante "synodale Prozess" in der katholischen Kirche aussehen soll: Was soll mit welcher Verbindlichkeit besprochen werden? Schneider versucht, sich der kirchenpolitischen Rechts-Links-Klassifizierung zu entziehen, hält das Vorhaben aber für positiv: "Die Bischöfe müssen die Bereitschaft haben, alle heiklen Themen anzusprechen." Und er hält grundsätzlich auch "solche neuen Wege für möglich, die nicht überall auf der Welt funktionieren müssen".

Alles beim Alten soll in persönlichen Dingen bleiben: Seit rund 30 Jahren versucht Schneider, sich jährlich eine neue Stadt zu erobern. Und der sportaffine, groß gewachsene Theologe wandert gern, wobei er eine ihm angenehme Mischung aus Besinnung und Natur erfährt. Nüchtern-einfach wirkt auch sein Büro, in dem nur ein Kreuz und ein Bild des US-amerikanischen Pop-Art-Künstlers James Rizzi an den Wänden hängen.

Von Michael Jacquemain (KNA)